Wildtierhilfe im Kreis Viersen: Ein Schritt in die richtige Richtung

Fünf Monate dauert sie nun schon, die Auseinandersetzung um die Wildtierhilfe „Fell und Federn“ in Nettetal. In dieser Zeit haben die Untere Naturschutzbehörde und das Veterinäramt des Kreises Viersen „Fell und Federn“ die Aufnahme von Wildtieren untersagt, es fanden Hausdurchsuchungen statt und Ordnungsverfügungen wurden ausgestellt. Nun kommt endlich Bewegung in die Sache.

Kreis Viersen – Ein Gütetermin sollte die zwischenzeitlich verhärteten Fronten zwischen den zuständigen Kreisämtern und den ehrenamtlichen Tierschützer*innen auflösen. Seit dem 24. Januar beschäftigt dieses Thema die GRÜNEN in Nettetal und im Kreis. 20 Wochen des Bemühens der Aufklärung mit unzähligen Telefonaten, E-Mails, Gesprächen. „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, in dieser Zeit Missverständnisse auf beiden Seiten auszuräumen und dass nun alle Verfahren gegen Fell und Federn eingestellt wurden“, erklärt Jürgen Heinen, Fraktionsvorsitzender der Bündnisgrünen im Kreistag. „Die zwischenzeitliche „Kriminalisierung“ der Ehrenamtler hat der Überprüfung der Fakten nicht standgehalten.“

Von links nach rechts: Dr. Jens-Christian Winkler (Kreistagsmitglied BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Anna Pilz (Fell und Federn im Kreis Viersen), Jürgen Heinen (Fraktionsvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreistag Viersen), Dr. Andreas Coenen (Landrat des Kreises Viersen) – Foto: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Kreistagsfraktion Viersen

„Aber die Weiterführung der ehrenamtlichen Wildtierhilfe im Kreis Viersen ist damit leider noch nicht sichergestellt“, ergänzt Dr. Jens-Christian Winkler, Kreistagsmitglied und Vorsitzender des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ordnung und Rettungswesen. Denn die Verfahrenseinstellung erfolgte nur unter der Voraussetzung, dass Anna Pilz und weitere EhrenamtlerInnen von „Fell und Federn“ keine Tiere mehr aufnehmen.

Bei einem Gespräch am Freitag, dem 2. Juli, im Kreishaus vereinbarten die Beteiligten, dass die Ehrenamtlichen von „Fell und Federn“ die Tiere fortan tierschutzkonform unterbringen und dass sie den Sachkundehinweis zum Betreiben einer Auffangstation erbringen. Dabei unterstützt der Kreis sie gerne.
Landrat Dr. Andreas Coenen sagt: „Die ehrenamtliche Arbeit engagierter Bürgerinnen und Bürger ist auf vielen Feldern eine wichtige Stütze. Ich schätze dieses Engagement sehr. Darum bin ich froh, dass wir einen Weg gefunden haben, wie die ehrenamtliche Tätigkeit der Wildtierhilfe rechtmäßig fortgesetzt werden kann. Unser gemeinsames Ziel ist es, unnötiges Leid von Tieren zu verhindern. Damit dies gewährleistet ist, sind bestimmte Fachkenntnisse und geeignete Unterbringungsmöglichkeit erforderlich. Der Kreis ist hier gerne behilflich.“

„Während die umliegenden Kreise wie Mönchengladbach oder Heinsberg praktizierte Wildtierhilfe ganz einfach möglich machen und auf extrem hohe, bürokratische Hürden verzichten, macht der Kreis Viersen es schwer, sich ehrenamtlich in der Wildtierhilfe zu engagieren. Aktuell gibt es durch die Entscheidungen des Veterinäramtes und der Unteren Naturschutzbehörde große Lücken im Kreis in diesem Bereich des Tierschutzes. Seit der Schließung der Wildtierhilfe Nettetal gibt es so gut wie keine Alternativen. Wir freuen uns über die Zusage der Verwaltung, dass die zuständigen Fachbereiche gemeinsam mit dem Tierschutz eine geeignete, zukunftsfähige Lösung finden werden“, so Heinen. „Die private Wildtierhilfe hat keine Lobby. Umso wichtiger ist es, dass Politik, Veraltung und ehrenamtliche Helfer*innen jetzt gemeinsam und auf Augenhöhe neu starten. Wir GRÜNEN werden uns auch weiterhin für die ehrenamtlichen Helfer*innen einsetzen und den Prozess begleiten, der dann hoffentlich alle zufriedenstellt.

Dass dies gelingt, ist wünschenswert. Denn schließlich sind es hier gleich drei Parteien, die aktuell negativ betroffen sind:

• die Menschen, die verletzte Tiere finden und keine Anlaufstelle mehr haben,
• die Menschen, die helfen wollen, aber nicht dürfen und
• die Tiere, denen niemand mehr fachgerecht hilft und die dadurch nicht selten elend verenden.
Zuviel Paragraphenliebe steht hier dem so notwendigen wie dankenswerten Engagement der Menschen entgegen. Die Leidtragenden sind am Ende die Tiere. Und das kann nicht im Sinne des Tier- und Naturschutzes sein.“ (opm/Grüne/Kreis Viersen)

2 Kommentare

  1. Im Frühjahr wurde ich auf ein sehr kleines Eichhörnchen aufmerksam, dass von zwei Elstern beidseitig attackiert wurde. Ich konnte die Elstern davon jagen, nahm das Junge mit und suchte nun eine Möglichkeit der Versorgung zu finden. Äußerliche Verletzungen stellt ich nicht fest. Nach diversen Telefonaten fand ich eine Auffangstelle in Krefeld Hülst. Leider hat „Felix“ die Nacht nicht überlebt. Dass im Umkreis Viersen, mit der Fülle der Natur, keine Wildtierhilfe zur Verfügung steht, war und ist für mich unbegreiflich.

  2. Traurig wie sehr die Bürokratie in unserem Kreis die Oberhand hat.
    Zum Leid der Tiere und zum Leidwesen der Menschen, die einfach nur helfen wollen.
    Andere Landkreise und Städte zeigen, dass es auch ohne diese Paragraphenreiterei geht.
    Nur schade, dass die Betroffenen (Tiere) nicht einfach umziehen können.

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