Willich: „Ich bin überzeugt von der Grundidee der Christdemokratie!“

Rund sechzig Interessierte und CDU-Mitglieder hatten bei bestem Sommerwetter den Weg in den Willicher Ramshof gefunden, um dort mit CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nicht nur in einen Dialog zum Grundsatzprogramm der Partei zu treten, sondern auch durchaus um sich einmal ihre Sorgen zur aktuellen politischen Lage von der Seele zu reden.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Willich – Wenn die CDU-Mitglieder der Region schon einmal die Möglichkeit haben mit dem CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak ins Gespräch kommen zu können, dann nutzen sie diese gerne. Die Plätze waren voll besetzt, selbst an den Stehtischen hatten sich Interessierte, auch CDU-ferne Zuhörer, eingefunden. Begrüßt von dem heimischen Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer, nutzte Ziemiak bereits zu Beginn die Möglichkeit Uwe Schummer und den aktiven Mitgliedern im Kreis Viersen ein Kompliment auszusprechen.
„Sein Wort hat Gewicht in Berlin. Sie können sehr stolz sein auf so einen erfahrenen und sympathischen Bundestagsabgeordneten wie Uwe Schummer“, so Ziemiak und: „Ich freue mich sehr, dass die aktiven CDUler im Kreis Viersen bereits jetzt schon die besten Vorbereitungen für Diskussionen im Vorfeld getroffen haben in der Frage: ‚Wie kann man sich eigentlich einbringen in diesen Grundsatzprozess der CDU?‘“. Positive Worte, die sich nahtlos an einen Impulsvortrag anreihten, in welchem der Generalsekretär fast kein Thema ausließ.

Foto: Rheinischer Spiegel

Europa, Klimawandel, Pflege, demografischer Wandel, Kinderbetreuung, Wahlergebnisse – es gab viel zu besprechen und vor allen Dingen auszusprechen. „Wir dürfen nicht politische Grundsatzentscheidungen von aktuellen Stimmungslagen abhängig machen, ich bin deshalb ein großer Fan einer parlamentarischen Demokratie, weil Politikerinnen und Politiker nach der Abwägung aller Argumente entscheiden müssen und sie sich selbst dann der Wahl durch das Volk stellen müssen, und rechtfertigen müssen für ihre Entscheidungen die sie getroffen haben“, erläuterte Paul Ziemiak, der dabei auch den Klimawandel ansprach: „Bei uns bestreitet keiner, dass wir den Klimawandel bekämpfen müssen. Es geht um die Frage des ‚Wie‘ und es geht auch um die Frage, und die kommt mir zu kurz, es geht bei dem ‚Wie‘ auch darum, wie wir an die Menschen denken, die sich nicht alles leisten können.“
Zustimmendes Nicken unter den Zuhörern auch, als der klare Vertrauensverlust in die Politik ausgesprochen oder das Vergessen daran, dass der heutige Wohlstand hart von den Eltern und Großeltern erarbeitetet wurde. „Sind die Volksparteien am Ende, brauchen wir die Volksparteien überhaupt noch?“, fragte der Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer, die den Grundsatzprozess in der CDU auch als Parteichefin immer noch begleitet. „Ich glaube ja, wir brauchen die Volksparteien mehr als je zuvor. Denn die Antworten, die gegeben werden, durch die Grünen, durch die, die noch weiter links oder sogar rechts stehen, sind mir zu plump und zu ideologisch und zu wenig auf den Kompromiss aus. Und das haben die Debatten gezeigt. Als wir über die Flüchtlings- und Integrationspolitik gesprochen haben. Wurde sehr schnell vereinfacht bist du für Flüchtlinge oder gegen Flüchtlinge, willst du den Klimawandel zu stoppen oder bist du dagegen? Und wenn es doch etwas gibt was uns zusammen hält, dann ist es der Kompromiss in der Gesellschaft. Fragen lassen sich nicht immer mit Ja oder Nein beantworten, sondern mit sowohl als auch.“

Paul Ziemiak (34) studierte Jura und Unternehmenskommunikation, schloss aber beide Studiengänge nicht ab. War lange in der Jungen Union tätig von 2014 an sogar JU-Bundesvorsitzender. Seine Erfahrung machte es ihm leicht im Impulsvortrag von einem Thema zum anderen zu springen und vielen im Publikum brannte es auf der Seele eben genau diese Themen auch in der Debatte anzusprechen. Der Blick auf die Vision der Regierung fehle, sprach ein Paar klar an, welches ebenfalls darauf hinwies, dass Dinge angesprochen werden müssen, auch wenn sie unangenehm sind oder Wählerstimmen kosten. Hierbei habe es die CDU als Volkspartei allerdings schwerer als kleinere Parteien, so Ziemiak, denn hier müsse der Kompromiss gesucht werden, um die richtigen Rahmenbedingungen setzen zu können.

Und auch der Frage nach dem Verlust von Wählerstimmen bei der Europawahl in Willich musste sich Ziemiak deshalb genauso stellen, wie dem Rezo-Video, bei welchem die CDU mit ihrer „Antwort“ keine Glanzleistung bewiesen hatte. Ein 13-seitiges Dokument hatte eher für Lacher gesorgt, dennoch solle in diesem Zusammenhang auch bedacht werden, dass das Video in wochenlanger Arbeit entstanden sei, die Antwort jedoch innerhalb eines Tages hätte erfolgen müssen. Es wäre nicht der ideale Weg gewesen, das wüsste man jetzt, weshalb der online-Bereich innerhalb der Partei gestärkt werden müsse. Überhaupt müsse die Partei einen Weg finden junge Menschen anzusprechen, damit Forderungen nicht mehr nur auf emotionaler Ebene, sondern vor allen Dingen wieder auf Fakten basierend in einem gemeinsamen Dialog miteinander angegangen werden können. (dt)