„Wir benötigen einen Richtungswechsel, einen Wandel der Gesinnung und der Herzen“

Papst Franziskus fordert einen gesellschaftlichen Wandel sowie tiefgehende Transformationen auf allen Ebenen auf der Grundlage der katholischen Soziallehre und mit Blick auf den Umwelt- und Klimaschutz eines „gemeinsamen Hauses“.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Rom/KKV – Ganzheitlichen Umweltschutz in fester Einheit mit der katholischen Soziallehre nahm die diesjährige internationale Konferenz der päpstlichen Stiftung „Centesimus Annus Pro Prontifice“ im Vatikan in den Blick. An der dreitätigen Veranstaltung nahmen Teilnehmer aus der ganzen Welt teil.

Zentral dabei war die zweite von Papst Franziskus veröffentlichte Enzyklika „Laudato si‘“ aus dem Jahre 2015, die sich schwerpunktmäßig mit dem Themenbereich Umwelt- und Klimaschutz beschäftigt, jedoch zudem Zeichen im Hinblick auf bestehende soziale Ungerechtigkeiten und auf die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen setzt. In der Enzyklika spricht sich Papst Franziskus gegen die aktuelle Lebensweise der Menschheit aus, die er als „selbstmörderisch“ bezeichnet. Niemals zuvor habe die Menschheit die Umwelt derart schlecht behandelt wie im 19. und 20. Jahrhundert, die Erde scheine sich zu einer „unermesslichen Mülldeponie“ zu entwickeln. Die Enzyklika wird als Aufruf zu einem weltweiten Umdenken und als Wendemarke in der Kirchengeschichte bezeichnet. Dementsprechend stand die Tagung in der vatikanischen New Synod Hall unter dem Überbegriff: „The catholic social teaching from the digital age: How to live the ‚Laudato si'“. Der Ausrichter, die Centesimus Annus Pro Pontifice“ (CAPP), eine päpstliche Stiftung mit Sitz im Vatikan, wurde 1983 durch Papst Johannes Paul II. gemeinsam mit einer Gruppe katholischer Unternehmer gegründet. Ihr Ziel ist die weltweite Förderung der katholischen Soziallehre. Die Stiftung geht zurück auf die gleichnamige Enzyklika „Centesimus annus“ (Das hundertste Jahr) zum Jubiläum der ersten päpstlichen Sozialenzyklika „Rerum novarum“ (Die neuen Dinge) von Papst Leo XIII., sie gilt als Grundlegung der katholischen Soziallehre.

Für den KKV-Bundesvorstand nahm die stellv. Vorsitzende Iris Kater an der dreitägigen Convention der päpstlichen Stiftung „Centesimus Annus Pro Prontifice“ im Vatikan teil.
v. l. Ehrbarer Kaufmann Thomas Rusche, stellv. KKV-Bundesvorsitzende Iris Kater (Viersen), Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, Pfarrer Andreas Süß (Köln/Bensberg). Foto: Rheinischer Spiegel

Unter den Rednern in dem zeitlich engen Programm fanden sich hochrangige Persönlichkeiten wie die US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin und Theologin Mary Hirschfeld, die bereits mit dem „Centesimus-Annus“-Preis für katholische Soziallehre geehrt wurde, aber auch Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, der Leiter der vatikanischen Entwicklungsbehörde oder die Wiener Professorin Marina Fischer-Kowalski. Aus Deutschland war Prof. Dr. Armin Grunwald in den Vatikan gereist, der Physiker und Philosoph leitet mehrere deutsche Einrichtungen der Technikfolgenabschätzung.

Papst Franziskus selbst und ebenfalls Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin fanden Zeit für die Teilnehmer. Papst Franziskus rief dazu auf, das Gespür für die ökologische Herausforderung weiterzuentwickeln. Auch mit Blick auf die großen Probleme dürfe man die die Hoffnung auf einen ökologischen Wandel nicht aufgeben. In diesem Zusammenhang lobte er zunehmende Investitionen in erneuerbare und nachhaltige Energien, neue Methoden der Energieeffizienz und eine größere Sensibilität für ökologische Anliegen besonders unter den jungen Menschen. Dabei sprach der Papst ebenfalls die Entwicklung vieler Staaten an, in denen der Fortschritt langsam oder nicht existent, manchmal sogar rückläufig wäre. So wäre es schwierig eine ökologische, ökonomische und soziale Solidarität und Nachhaltigkeit in einer humaneren Wirtschaft voranzubringen.

Dabei müsse die Wirtschaft nicht nur die Befriedigung unmittelbarer Wünsche, sondern auch den Wohlstand der zukünftigen Generationen berücksichtigen. Die Entwicklung einer ganzheitlichen Ökologie sei Berufung und Aufgabe zugleich, weshalb Papst Franziskus darauf hinwies den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen um niemanden an den Rändern des Lebens zurückzulassen. Seine Enzyklika sei deshalb nicht nur eine Umwelt-, sondern ebenfalls eine Sozialenzyklika. Der gesellschaftliche Wandel sei unabdingbar, damit sich die Welt der „geteilten Verantwortung für unser gemeinsames Haus“ bewusst werden kann. „Eine Identität als Söhne und Töchter unseres himmlischen Vaters, die nach dem göttlichen Bild geschaffen und beauftragt wurden, Hüter der Erde zu sein. Der Ruf an uns, solidarisch wie Brüder und Schwestern zu handeln und gemeinsam Verantwortung für unser gemeinsames Haus zu übernehmen, wird immer dringlicher“, sagte Franziskus. Eine gemeinsame Aufgabe Entwicklungsmodelle auf politischer, gemeinschaftlicher und individueller Ebene zu verändern – hierbei aber nie die Hoffnung zu verlieren. „Er verlässt uns nicht, er lässt uns nicht allein, denn er hat sich selbst endgültig an unsere Erde gebunden und seine Liebe treibt uns ständig an, neue Wege vorwärts zu finden“, so Papst Franziskus abschließend. (nb)

Die diesjährige CAPP-Convention fand ihren Abschluss mit einer Privataudienz bei Papst Franziskus. Foto: Rheinischer Spiegel