Wird das Sterben in der Stadt Viersen zu teuer?

Kurz vor dem Jahreswechsel hat die Stadt Viersen mit den Stimmen des Stadtrates die Gebühren für Beerdigungen angehoben. Einige Bestatter befürchten, dass der Kostensprung zu groß ist und sich immer mehr Menschen die traditionelle Beerdigung nicht mehr leisten können.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Mit der Redensart „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ ist eigentlich alles gesagt. Oder? Doch so einfach ist es nicht, denn Sterben ist teuer und in Viersen ist es nun nochmals teurer geworden. Ab 2021 hat die Stadt Viersen die Kosten erhöht, nachdem immer weniger Beerdigungen zu verzeichnen sind. Diese Kosten müssen nun die auffangen, die sich in der kommenden Zeit in ihrer Heimatstadt zur Ruhe betten wollen. Die Entscheidung hierzu hatte der Stadtrat in der letzten Zusammenkunft einen Tag vor Weihnachten beschlossen. Einige Bestatter befürchten nun, dass diese Erhöhung für weitere Abwanderungen bei Beerdigungen sorgen wird und die Kosten so weiterhin wachsen werden.

„Bereits 2018 war eine versteckte Erhöhung der Kosten beschlossen worden, nachdem auf den städtischen Friedhöfen mit Ausnahme des Hauptfriedhofes Löh die Urnenzeiten zum gleichen Kostenfaktor von 30 auf 25 Jahre verringert wurden.“
Immer häufiger seien bereits jetzt die Kosten für Angehörige nicht zu tragen, berichtet ein alteingesessener Viersener Bestatter, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Nur die Beerdigung einer Urne oder Verteilung von Asche in den Niederlanden in einem Waldgebiet, schlägt gerade einmal mit 300 Euro zu Buche“, erklärt er. „Die Stelle wird von den Angehörigen mit einer beschrifteten Baumscheibe gekennzeichnet.“ Im Vergleich dazu kostet ein Baumreihengrab mit Namensschild und einem Ruherecht von 25 Jahren auf dem Viersener Friedhof Löh 2.566 Euro – nur die reine Beerdigung ohne Urne, Einäscherung oder Trauerfeier.

„Die meisten haben in dieser Stadt gelebt und gearbeitet. Sie haben Steuern gezahlt und werden am Ende des Lebens noch einmal kräftig zur Kasse gebeten“, ergänzt ein Kollege. „Es gibt Länder, da hat jeder ein Recht auf eine Beerdigung in seiner Heimatstadt und es entstehen keine Kosten für den Platz, lediglich die Öffnung und Schließung muss bezahlt werden.“

Foto: Rheinischer Spiegel

Wer auf dem Friedhof Löh 2018 für eine Wahlgrabstätte-Tief für 25 Jahre mit zwei möglichen Bestattungen noch 3.360 Euro zahlte, ist nun mit 3.710 Euro dabei. Allerdings werden dabei schnell die Folgekosten vergessen, denn nicht nur, dass das Grab gepflegt werden muss – bei Erstgräbern sind keine Platten in Viersen erlaubt und es droht ein Ordnungsgeld, wenn das Grab nicht gepflegt wird. Wenn beispielsweise der Ehemann im Jahre 2020 verstirbt, mit einem Ruherecht von 25 Jahren, seine Ehefrau ihm jedoch erst 2030 folgt, dann müssen für sie Kosten ebenfalls für ihre 25 Jahre aufgefüllt werden. „Nur zwei Beispiele der erhöhten Kosten für eine Beerdigung auf den Viersener Friedhöfen und wenn gerade schon von Kosten und Kosteneinsparungen berichtet wird, dann sollte nicht vergessen werden zu erwähnen, dass die Stadt Viersen zudem das Friedhofsbüro am Friedhof einspart und zur Eichenstraße in die Räume des Bauhofes in der ersten Etage verlegt.“

Für die Stadt Viersen sind die Friedhöfe, wenn denn nicht genug Beerdigungen hier vorgenommen werden, ein Kostenfaktor. Im Gegensatz zu anderen kostenrechnenden Einrichtungen, beispielsweise Abwasser und Straßenreinigung, handelt es sich bei den Friedhofsgebühren nicht um jährlich wiederkehrende Verbrauchsgebühren. „Dies führt zu Besonderheiten bei der Gebührenkalkulation. Während bei den sonstigen Gebühren – nicht zuletzt wegen des ausgeübten Anschluss- und Benutzungszwangs- die gebührenrelevante Bestimmung der Verbrauchsgrößen (Menge Frischwasserbezug, abflusswirksame Flächen, Abfallmenge, Länge zu reinigender Straßen) relativ verlässlich möglich ist, führt dies im Bereich Friedhöfe nach wie vor zu erheblichen Problemen“, führt die Stadt Viersen in der Vorlage der getroffenen Entscheidung aus.

Zwar wurde in den Jahren 2016 – 2018 jeweils eine Zunahme bei den Bestattungsfällen verzeichnet, jedoch wurde in 2019 erneut ein sehr erheblicher Rückgang festgestellt und ebenfalls für 2020 werden die Bestattungszahlen deutlich unterhalb derer liegen, wie sie noch in den Jahren seit 2014 erreicht werden konnten. Dies läge nicht an den fast gleichbleibenden Sterbezahlen, „sondern wohl der Umstand, dass stärker als in den Vorjahren von der Möglichkeit, Angehörige außerhalb der städtischen Friedhöfe zu bestatten, Gebrauch gemacht wurde und wird“.

1999 lag die Bestattungsquote, die Wahrscheinlichkeit auf dem Friedhof der Heimatstadt Viersen beerdigt zu werden, noch bei 94 %. Im Jahre 2010 lag diese Quote bei 84 %, 2015 lediglich noch bei 70 %. Die aktuelle Entwicklung zeichnet sich weiterhin negativ; für 2019 liegt die „Bestattungsquote“ auf einem „historischen“ Tiefstand von 62 %. Ein Rückgang von einem Drittel innerhalb der vergangenen 20 Jahre. So könne auf eine Erhöhung der Gebühren für das Jahr 2021 nicht verzichtet werden, „zumindest nicht, ohne eine erhebliche, kalkulierte Unterdeckung im Ergebnis zu erhalten“. (nb)

Ein Kommentar

  1. Wird das Sterben in der Stadt Viersen zu teuer?
    TIPP: Ganzkörperspender / Heinrich Heine Uni Düsseldorf.
    KOSTENLOSE ENTSORGUNG, die auch noch Sinn macht ! Grüße an Sven.

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