Wird der Casinogarten zum „Angstraum“?

Es ist zwei Uhr nachts, als sich RS-Redakteur Dietmar Thelen mit Anwohnern des Casinogartens trifft. Sie hatten ihn zu einem ungewöhnlichen Vor-Ort-Termin eingeladen, um ihn auf die seit einigen Monaten bestehende Situation im Casinogarten aufmerksam zu machen.

Foto: Rheinischer Spiegel

Viersen/Blickpunkt – Es ist eine laue Sommernacht in der Wochenmitte. Die meisten Anwohner rund um den Casinogarten schlafen bereits denn der Wecker klingelt früh. Aus dem Viersener Casinogarten dringt lautes Grölen, der Geruch von Urin legt sich schwer auf die Atemwege. Seit Januar existiert in der Südstadt das Alkoholverbot, die Problembereiche haben sich, wie von vielen befürchtet, verlagert. Der Preyerspark hinter der Sparkasse und der Casinogarten sind zu neuen Treffpunkten avanciert, denn mit dem Alkoholverbot wurde gleichzeitig keine Anlaufstelle geschaffen für die Menschen unserer Gesellschaft, von denen sich viele gerne fernhalten. Ein Verhalten, welches an diesem Abend nur noch verstärkt wird.

Namentlich möchten die Anwohner nicht genannt werden, haben Angst vor den mittlerweile kulturell gemischten Gruppen. „Wir haben auch schon die Polizei gerufen, die dann eine dreiviertel Stunde benötigt hat bevor sie da war“, so ein Anwohner der Bahnhofstraße. Nicht anders sei es auf der Königsallee, berichtet eine Anwohnerin, die regelmäßig leere, beim Aufprall zerbrochene Bierflaschen in ihrem Garten findet. Mehrfach bis spät in die Nacht hinein würde gegen ihre Mauer uriniert. „Es stinkt erbärmlich“, sagt sie. Auch tagsüber würde sie sich manchmal nicht durch den Park trauen, wäre immer wieder ‚angemacht‘ worden. Ihre Tochter, die mit ihr im Haus wohnt, würde sich nicht mehr trauen mit ihrer Tochter den Spielplatz zu besuchen. „Ich habe von einem städtischen Mitarbeiter den Hinweis bekommen wir sollen Unterschriften sammeln, sonst würde die Stadt nichts unternehmen. Das mag in einer Großstadt schlimmer und normal sein, aber wir sind nach Viersen gezogen und eben nicht in eine Großstadt“, ergänzt ein Anwohner. Dabei sprach die Stadt Viersen noch am Anfang des Monats von einem erfolgreichen Einsatz der Alkoholverbotszone in der Viersener Südstadt und verlängerte diese bis Ende des Jahres.

Dafür kommt es nun regelmäßig zu Vorfällen in den anliegenden Parks. Die Anwohner berichten von Streitereien, wildem Urinieren, Erbrechen gegen Garagenwände, lautem Grölen bis weit nach 22.00 Uhr. „Dabei haben wir nichts gegen diese Menschen“, sagt die Anwohnerin. „Aber neben ihnen zu leben ist zu einer Zerreißprobe geworden. So kann es nicht weitergehen. Wir können das Schlafzimmerfenster bei dieser Hitze nicht öffnen so sehr stinkt der Urin. Wenn der Wecker morgens klingelt sind wir völlig übermüdet für die Arbeit und ich habe Angst um mein Enkelkind.“ Von der Stadt Viersen käme keine Hilfe, ebenfalls an die SPD-Bürgermeisterin Sabine Anemüller hätte man sich gewandt – ohne Erfolg. „Wenn man die Problemlage in Viersen sieht, dann muss die Verwaltung sie ernster nehmen. Beide Seiten können so nicht glücklich sein und unsere Gesellschaft muss diesen Menschen eine helfende Hand reichen. Ihnen voran die Stadt in ihrer Zuständigkeit“, ergänzt ihr Nachbar. „Sie muss die Streetworkarbeit verstärken und diesen Menschen eine ständige bleibende Anlaufstelle bieten, denn es ist wichtig, dass allen geholfen wird.“ Darauf hoffen nun die Anwohner, denn sie sind sich einig: So kann es nicht weitergehen. (dt)