Wirtschaft in Viersen: Leerstand in Süchteln mehr als verdoppelt

Fünfzehn Tagesordnungspunkte umfasste die Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses, in denen Wirtschaftsförderer Thomas Küppers die Erfolge der Bemühungen des Bereiches herausstellte, den die Bürgermeisterin zur Chefsache erklärt und ihr unterstellt hatte. Die schriftlich vorgelegten Fakten, wie der mehr als doppelt so hohe Anstieg der Leerstandsquote in Süchteln auf 25,4 % oder die Verfehlung der geplanten Arbeitsplatzzahlen konnten auch mit vielen Worten nicht ins Positive gedreht werden.

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Viersen – Statistisch kann die Stadt Viersen auf eine gestiegene Kaufkraft in allen Stadtteilen verweisen. Als Kaufkraft bezeichnet man das in privaten Haushalten für Konsumzwecke verfügbare Einkommen, dabei schwankt die Kaufkraft von Region zu Region. Während Süchteln auf einen gestiegenen Kaufkraftindex von 102,4 auf 103,6 verweisen kann und dagegen die Stadtteile Viersen-City und Dülken unter dem Bundesdurchschnitt von 100 liegen, stieg die Einzelhandelsumsatzzahl in Viersen und Dülken. So konnte der Leerstand in Dülken von 29,55 % auf 25,38 % verringert werden, während die Leerstandsquote in Süchteln von 10,3 % auf 25,4 % anstieg. Der enorme Anstieg der Leerstände, der sich mehr als verdoppelt hat, sorgt ebenfalls für den massiven Einbruch des Einzelhandelsumsatzes um rund 20 % alleine innerhalb der letzten zwei Jahre. Mit einer Leerstandsquote von 11,24 % konnten die Viersener Einzelhändler ihre Umsätze steigern und auch Dülken hat ein Plus in den Kassen der Einzelhändler zu verzeichnen. Anteil in Dülken hat vor allen Dingen daran auch das Kaufverhalten der Dülkener, die ihr Einkommen in der Stadt behalten wollen.

Ebenfalls positiv die Kennzahlen zu der verkauften Gewerbefläche, denn die Planungen in 2017 von angestrebten 25.000 m² konnten mit einer Fläche 44.597 m² überschritten werden. Eine Zahl, die bei wirtschaftsinteressierten Zuhörern und bereits in der Vergangenheit geführten Diskussionen neue Kritik aufwarf, schließlich war bei 25.000 m² die Schaffung von 400 Arbeitsplätzen geplant, bei einem fast so doppelten Flächenverkauf, konnten jedoch nur 335 Arbeitsplätze verzeichnet werden. Ratsmitglied Fritz Meies (CDU) hatte dazu bereits mehrfach die Frage aufgestellt, wohin der schwerpunktmäßige Verkauf von Flächen führen soll, wenn dadurch nicht dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden. „Und die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze wäre hier auch noch kritisch zu hinterfragen, ob es sich dabei um Vollzeitarbeitsplätze handelt oder auch um 450 EURO Jobs“, so Dr. Volker Breme, Sprecher der Bürgerinitiative Viersen-Hamm in seinem Sachstandsbericht zum Ausschuss. „Weiterhin ist zu bemängeln, dass Flächen mit einer Größe von über 8.000 m² in Viersen nicht mehr zur Verfügung stehen. Wurden eventuell doch zu viele Großflächen verkauft, ohne die notwendige Anzahl Arbeitsplätze zu schaffen? Auch die Ansiedlung von Akzo Nobel, die über 200 Arbeitsplätze schaffen sollte, wird jetzt vom neuen Nutzer mit nur 80 Arbeitsplätzen ausgewiesen. Bei der Ermittlung der Umsätze im Einzelhandel konnte eine Diskrepanz zwischen dem Gesamtumsatz in Viersen und der Summe der einzelnen Stadtteile nicht zufriedenstellend aufgelöst werden. Da denkt man doch sehr schnell an den Leitgedanken aller Statistiken: Glaube nur der Statistik, die Du selber gefälscht hast!“


„Die gegenwärtige Situation im Einzelhandel der drei Stadtteile zeichnet sich durch die zunehmende Profilierung von Viersen als Hauptgeschäftszentrum der Stadt aus. Die Innenstädte Dülken und Süchteln stehen vor der Herausforderung ihre Rolle als identitätsstiftende örtliche Kommunikationszentren mit integrierter Nahversorgung zu festigen und zu verstetigen“, so die Stadt Viersen in seiner Ausschussvorlage und weiter: „Bei Betrachtung des Branchenmix fällt auf, dass der Textilbereich in der Viersener Innenstadt dominiert. Auch der Dienstleistungssektor ist auffallend hoch, insbesondere viele Friseure haben sich in der Viersener Innenstadt angesiedelt. Auch die Zunahme von Juwelier/Schmuckgeschäften und Kosmetikinstituten/Nagelstudios haben sich im letzten Jahr vermehrt angesiedelt. Positiv ist die Ansiedlung eines neuen Cafés in diesem Teilbereich der Fußgängerzone. Ein Textil- Outlet und ein Juwelier sind ebenfalls neu dazugekommen. Bedauerlich ist die Aufgabe eines inhabergeführten Geschäftes nach 77 Jahren. Im Bereich der Fußgängerzone stehen die Geschäftsräume nach Schließungen eines NonFood-Discounters und eines Friseurs leer. Auf dem Remigiusplatz finden Umbaumaßnahmen statt. In die neu entstehenden Geschäftsräume wird eine Versicherung einziehen. Im Vergleich der letzten Jahren sind in diesem Jahr vermehrt Leerstände in der 1b Lage und Ansiedlungen von Dienstleistern zu verzeichnen. Ein professionelles Innenstadtmanagement bei dem das Hauptgeschäftszentrum im Mittelpunkt steht ist zwingend erforderlich. Im Rathausmarkt macht die hohe Leerstandsquote, die zwar von 31,25% auf 29,03% gesunken ist, den Handlungsbedarf in diesem Bereich deutlich. Die Aufgabe eines namhaften Textilgeschäftes in diesem Bereich konnte durch die Neueröffnung eines anderen Textilers teilweise kompensiert werden. Im Frühjahr 2018 sollen ein Elektronikfachmarkt mit einer Verkaufsfläche von 1.600 qm und ein Fitnessstudio auf 1.120 qm in den Rathausmarkt einziehen.

Einzelhandelsnahe Dienstleister dominieren weiterhin dicht gefolgt vom Gastronomiebereich den Dülkener Branchenmix. Ein Fotostudio ist von der Lange Straße auf den Alter Markt umgezogen. Neu sind ein Dampfladen und ein Second-Hand-Geschäft. Ein Makler ist vom Alter Markt in die Lange Straße gezogen und ein im Jahr 2015 eröffnetes Café hat bedauerlicherweise geschlossen. Der Gastronomiebereich bleibt aber weiterhin charakteristisch auf dem Alter Markt. Auf der Blauensteinstraße haben sich erfreulicherweise ein Kosmetikinstitut und ein Bildungswerk neu angesiedelt. Trotzdem bleibt die Entwicklung auf der Blauensteinstraße bedenklich. Ein Einzelhandelsgeschäft Samen/Zoofachhandlung und eine Buchhandlung haben im letzten Jahr ihr Geschäft aufgegeben. Geschäftsaufgaben ohne Folgebesetzung sind in den letzten Jahren insbesondere auf der Blauensteinstraße auffällig.

Trotz der Senkung der Leerstandsquote sind die Leerstände weiterhin hoch und dies wirkt sich negativ auf die Umgebung aus was wiederrum weitere Leerstände verursacht und letztendlich zum Funktionsverlust und zur Verödung der Dülkener Innenstadt führt. Die Folgen des Trading Down Prozess sind in Dülken sehr deutlich. Viele qualitative und hochwertige Einzelhandelsgeschäfte stellten in den letzten Jahren, ohne Folgeersatz ihren Betrieb ein. Die Auswirkungen wie die Verflachung des Branchenmix, die abnehmende Einzelhandelsfunktion, ausbleibende Frequenz und eine hohe Anzahl an Leerständen sind für die Dülkener Innenstadt allgegenwärtig. Es besteht dringender Handlungsbedarf um den Funktionsverlust des Zentrums zu stoppen.

Die statistischen Kennzahlen verdeutlichen, dass mehr Kaufkraft aus Süchteln abfließt als im Ort verbleibt. Die Schließung des Lebensmittelgeschäftes Ende 2015 hat für den Stadtteil Folgen, denn das Lebensmittelgeschäft übte die Funktion eines Ankerbetriebes für die Innenstadt aus. Der nachfolgende Getränkemarkt konnte diese Funktion nicht erfüllen und schloss ein Jahr später. Im letzten Jahr gaben auf der Hochstraße ein Café; ein Nagelstudio, ein Kosmetikinstitut, ein Tierfachgeschäft, ein Bastelladen und ein Feinkostgeschäft auf. Auf der Tönisvorsterstraße waren es eine Bank, ein Modegeschäft und ein Einzelhändler mit textiler Einrichtung. Demgegenüber standen die Neueröffnung eines Tierfachgeschäftes und eines einzelhandelsnahen Dienstleisters. Positiv ist auf der Hochstraße die Instandsetzung und kulturelle Wiederbelebung der denkmalgeschützten Königsburg hervorzuheben. Die hohe Anzahl an Leerständen wirkt sich negativ auf die gesamte Innenstadt Süchtelns aus. Funktionsverlust und Verödung sind Folgen des Trading Down Prozess die im Stadtteil Süchteln immer deutlicher werden.“ (re)