Wissenschaftliche Schützenhilfe kam der Viersener Festhalle zugute

Über Kontinente hinweg erhielt der Viersener Mathematiker und Vorsitzende des FDP-Stadtverbandes, Dr. Frank a Campo, die ungewöhnliche Anfrage einer mathematischen Berechnung im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die in einer Unterstützung vor Ort gipfelte.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen/Philadelphia – Sie haben noch nie von dem US-amerikanischen Datenwissenschaftler, Mathematiker, Erfinder und Unternehmer Lawrence C. Rafsky gehört? Dann geht es Ihnen wie den meisten Menschen. Denn, obwohl mehrfach und hochdotiert ausgezeichnet, arbeitet der Wissenschaftler in dem eher unbekannteren und dennoch bedeutsamen Bereich der Suchalgorithmen und -methoden für die Finanz- und Nachrichtenindustrie. Ein Gebiet, mit dem sich die meisten nicht beschäftigen und welches ein umfangreiches Verständnis der Mathematik mit sich bringt.

Es ist also schon eine Besonderheit von dem bekannten Statistiker kontaktiert zu werden, dem Miterfinder des Friedman-Rafsky-Tests, ein Verfahren um die Anpassungsgüte für die multivariate Normalverteilung zu testen. Hiervon haben Sie ebenfalls noch nie etwas gehört? Auch das ist nicht ungewöhnlich. Im Gegensatz zu Ihnen oder mir wusste der Viersener Mathematiker und Politiker Dr. Frank a Campo allerdings sofort, wer in im Februar kontaktierte mit der Frage um die sinnvolle Kombination der Situationsbeurteilungen von KI-Teilsystemen.

„Am Beispiel des autonomen Fahrens erläutert: Das Auto ist gespickt mit KI-Systemen für Optik, Radar, Infrarot, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Wetter, Verkehrsdichte, Straßenbeschaffenheit“, erklärt a Campo das für die meisten unbekannte Gebiet. „Jedes KI-System bewertet die Fahrsituation auf einer Skala von Halt bis Freie Fahrt. Natürlich kommen die Systeme nicht alle zu demselben Ergebnis, und es stellt sich die Frage, wie man die Teilbeurteilungen sinnvoll zu einer Gesamtbewertung der Fahrsituation kombinieren kann.“

Mathematiker und Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes, Dr. Frank a Campo, bei einem Bürgerdialog zur Großen Bruchstraße. Auch hier überzeugte der Politiker mit einem umfangreichen Fachwissen und lösungsorientieren Gesprächen. Foto: Rheinischer Spiegel

Gut, es ging zwar nicht um Autos, aber für jemanden ohne die Kenntnis um die mathematische Disziplin in der Ordnungskombinatorik, eines der Spezialgebiete des Viersener Mathematikers, ist das Beispiel wesentlich verständlicher. Für Lawrence C. Rafsky ging es nämlich in seinen Worten um „measuring the impact of what is known as ‚ethical investing‘, which, in brief, means only buying stocks and bonds issued by corporations that work hard to increase the overall wellness of the planet, not just fatten their profits.“

„Mein Kollege interessierte sich besonders für Ampel-Systeme mit drei Output-Signalen und er wollte insbesondere wissen, wie die Möglichkeiten für deren sinnvolle Kombination mathematisch beschrieben werden können bzw. wie viele solcher Möglichkeiten es gibt in Abhängigkeit von der Anzahl der Teilsysteme“, erklärt Dr. Frank a Campo weiter, der sich an diese wissenschaftliche Schützenhilfe machte und tatsächlich Anfang April, nach fast zwei Monaten, die Antworten der Fragen in die USA übermitteln konnte.

„Die Auswertungsmöglichkeiten für Ampel-Systeme waren in eine Theorie eingebunden und aus dieser ergab sich ein Algorithmus, mit der die Anzahl der sinnvollen Auswerte-Möglichkeiten berechnet werden konnte. Wie immer in der Ordnungskombinatorik explodieren die Zahlen: Bei drei KI-Teilsystemen gibt es schon 211250 verschiedene Auswertungsmöglichkeiten, von denen 208313 bzw. 116211 den, stufenweise gesteigerten, Zusatzanforderungen genügen.“

Konnten Sie den Ausführungen folgen? Mehr oder weniger … oder vollständig? Es handelt sich hierbei um ein passendes Beispiel für die enorme Komplexität mancher Abläufe. Wir begegnen ihnen immer wieder, können aber nur selten erfassen, welche mathematische Tiefe sich hinter einer Situation verbirgt. Bereiche der Wissenschaft, die über Ländergrenzen hinweg eine Zusammenarbeit erfordern und erblühen lassen – und sogar noch vor Ort Einrichtungen unterstützen.

Aus den USA nämlich kam die Frage nach einem Gehalt oder einer Spende. „Ich schlug vor dem Förderverein der Festhalle etwas zukommen zu lassen. Das Kulturleben Viersens ist etwas, das ich besonders genieße, und die Festhalle mit ihrer fantastischen Akustik und den tollen Konzerten ist für mich dessen Inbegriff und Kulminationspunkt“, schwärmt a Campo, dessen Berechnungen vor dem Starkregen abgeschlossen waren, sodass eine Spende für die Flutopfer nicht im Raume stand. Mit einigen Hundert Euro hatte er gerechnet, aber zur großer Freude des Viersener Politikers überwies Rafsky 2.500 Euro für den Erhalt der Festhalle. (cs)

Links: „Figure 6 – Als ich diese rekursiven Strukturen gefunden hatte, leckte ich Blut – es musste etwas Hochinteressantes dahinter stecken!“, so Dr. Frank a Campo.
Rechts: Theorem 2 – Die Rekursionsformel, die die Berechnung der von Rafsky gewünschten Zahlen ermöglichte. Foto: Dr. Frank a Campo