Wladi I.: Karnevalsprinz mit viel Herz, Prinzenzepter und „Prinzenrolle“

Die Brüggener Karnevalisten nahmen sich gestern Abend selber nicht so ganz erst und rissen Grenzen ein. Bis spät in die Nacht feierte der närrische Hofstaat seinen neuen Prinzen Wladi I., der mit einem passenden Motto in die Session startet.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Foto: Rheinischer Spiegel

Brüggen – Die Halle war gut gefüllt nicht nur mit heimischen Karnevalisten, sondern auch zahlreichen Gästen und ihren Prinzenpaaren aus der ganzen Region. Die Stimmung von der ersten Minute an grandios – ein perfekter Rahmen für die Moderatoren und Ex-Prinzen Klaus Steinbach und Heiner Horn, die ihren Blick zufrieden über das sich ihnen eröffnende Bild schweifen ließen.
Eingeladen hatte die Brüggener Karnevalsgesellschaft, deren Schlachtruf „Gold-Blau“ bis auf die Straße hinaus zu hören war. Die über die Grenzen der Stadt hinaus beliebte Gesellschaft ließ sich einspielen von dem Musikverein Cäcilia 1910 Brüggen unter der Leitung von André Frenzer und dem Trommlercorps Einigkeit Bracht, hatte direkt den Prinzen in Lauerstellung und die letztjährige Karnevalsprinzessin Birgit III. dabei, für die an diesem Abend ein unvergessliches Prinzessinnenspiel zu Ende ging.

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Für sie hatte der singende Kellner Richard Kalb, der vielen Gästen der „Alten Brüggener Mühle“ gut bekannt ist, bei einem guten Rotwein und einer Zigarre ein einfühlsames Lied geschrieben. Musikalisch begleitet von den berühmten „My Way“-Klängen feierte er mit überragender Stimme und mit diesem Lied nicht nur eine Premiere – er sorgte für eine Träne bei Prinzessin Birgit III, Begleitung und Jecken. Während noch seine Textzeilen „Du bist Passion, du warst Prinzessin, du warst Gefühl, gold-blau ist dein Weg“ in den Köpfen nachklangen gesellte sich zu den Tränen der Rührung ein Moment der Trauer. So wurde die Prinzenproklamation in diesem Jahr begleitet von dem Jahresgedächtnis an den langjährigen Vorsitzenden Heinz Rantowski, der auf den Tag genau vor einem Jahr unerwartet verstorben war.

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Das erste tänzerische Highlight brachte die Tanzgarde des Hinsbecker Karnevalskomitees auf die Bühne, die unter begeistertem Klatschen die Prinzessin verabschiedeten, bevor es dann ernst wurde für den neuen Karnevalsprinzen, der zwar alleine regiert, jedoch trotzdem charmant von seiner Lebensgefährtin Franziska Jennen aus Niederkrüchten-Laar begleitet wird. Bürgermeister Frank Gellen gebührte die Ehre die Proklamation zu vollziehen, der Wladislaw Frank, dem Inhaber der Alten Brüggener Mühle, eine Keks-„Prinzenrolle“ und ein Lied mitgebracht hatte. „Wladi bringt nicht nur eine Prise Humor mit“, so Bürgermeister Frank Gellen, „er kann seine Begleitung auch zur frühen Stunde mit gebratenen Eiern verköstigen.“ Die Halle zum gemeinsamen Singen brachte er mit „Korke und Schlaat stanze, datt kannste, datt kannste“ und vollzog im Anschluss die Inthronisierung, die aus dem bürgerlichen Wladislaw Frank den blaublütigen Prinz Wladi I. machte.

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Der gelernte Koch tauschte so den Suppenlöffel gegen das närrische Prinzenzepter ein, wird nun die Brüggener Narren anführen. Dabei sind es manchmal die besonderen Momente, die man nicht vergisst. So war es auch bei Wladislaw Frank (28), den der Rosenmontagszug in Dülken und das Hoppeditz-Begräbnis in Brüggen nicht losließen und den Wunsch nährten einmal Karnevalsprinz zu sein. Ein Wunsch, der am gestrigen Abend in Erfüllung ging und der neue Prinz hatte seinen Narren direkt ein „Geschenk“ als Dank mitgebracht – eine Pipeline für den frischen Hefesaft zwischen Bitburg und Brüggen soll gelegt werden. Für ihn tanzte das Tanzpaar der Brüggener Karnevalsgesellschaft Katharina Scherrers (21) und Pascal Kotalczyk (25). Nach ihrer Premiere als Tanzpaar im vergangenen Jahr haben die beiden nochmals an ihrem Können gearbeitet, überzeugten auf der heimischen Bühne.

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Nicht die einzige Überraschung für den neuen Prinzen, denn auch für die kommende Session hatte sich der singende Kellner eine passende musikalische Unterstützung einfallen lassen – eine Hommage an eine Stadt, die sich nicht so ganz ernst nimmt und Grenzen einreißt. Grenzen einreißt schon alleine mit dem neuen Prinzenmotto „Wir sind multikulinarisch, wir sind multikulturell! Wir feiern die Session sensationell!“. Er schloss den offiziellen Teil des Abends ab, der dann in ein abwechslungsreiches sowie buntes Programm überging und mit den Altstadtfunken Monheim begann. Viel kleiner hätte die Bühne nicht sein dürfen für die 50-köpfige Gruppe in rot und weiß, die von den Karnevalisten mit Jubel nach ihrer Darbietung verabschiedet wurde.

An sie schloss sich Dieter Röder als „Ne Knallkopp“ an, der die Lachmuskeln arg strapazierte und zudem für den einen oder anderen Schmunzler sorgte. Nach ihm ging es wieder hoch her auf der Bühne mit dem Tanzsportverein „Palm Beach Girls“. Moderne Akrobatik und Tanz verbanden sich zu der Geschichte vom Wunder der Natur, von dem Weg der Raupe zum Schmetterling. Beifall gab es zudem für Joachim Jung als Lieselotte Lotterlappen, die Original Eschweiler oder das Gentlemen Ensemble der Viersener Tanzschule Fauth – eben eine Proklamation die einem Prinzen würdig war. (nb)

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