„Wonach greifen wir intuitiv?“ – Impuls von Dr. jur. Martina Köppen

„Bei Risiken und Nebenwirkungen, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ – „Alexa, wie wird das Wetter?“ – „Warte, das google ich mal eben“. Wir sind es gewohnt, auf Fragen schnell und direkt Antworten zu finden. Oder jemanden zu fragen, der sich auskennt.

KKV-Impuls – Aber wie gehen wir mit etwas nie Dagewesenem um, für das es keine Schablonen gibt? Gerade sind wir durch Corona ganz plötzlich gezwungen, das Pendel abrupt anzuhalten, das normalerweise mit stoischer Präzision unseren Lebenstakt bestimmt. Unsere Gesellschaft erlebt gerade – wie auf einem Parabel-Flug – einen Moment des Stillstands, des Schwebens in scheinbarer Haltlosigkeit.

Wonach greifen wir intuitiv, wenn wir ohne Gewissheiten und Routinen nach Orientierung suchen? Als erstes nach Sicherheit. Risikovermeidung. Als frisch ernannte Kanzlerin einer Hochschule muss ich alle Vorlesungen im ersten Semester ins Internet verlegen. Gesundheit geht vor.

Als Zweites nach Gemeinschaft. Ganz wunderbar entsteht ein neues „Wir“. Menschen helfen einander: Familien, Nachbarn, Kollegen, sogar einander Fremde. Wir alle sind vom Virus individuell bedroht, deshalb stemmen wir uns gemeinsam dagegen! Hier zeigt sich die sozial-caritative Seele, die unser Land auszeichnet – auch dank der Tradition der katholischen Soziallehre.

Drittens bin ich überzeugt, dass dieses neue „Wir“ ein bleibendes Gegenüber findet; denn als Christen glauben wir daran, dass unsere Hoffnung für die Corona-Erkrankten und -Verstorbenen einen Grund hat. Mit ihnen und für uns selbst dürfen wir darauf vertrauen, dass wir in dieser Krise nicht alleine sind. Wir dürfen sicher sein, dass unser Alltag von dem allerbesten Ungewöhnlichen überhaupt geprägt ist: Dass Gott selbst immer an unserer Seite ist.

Impulsgeberin
Dr. jur. Martina Köppen

Dr. jur. Martina Köppen war lange Jahre an der Schnittstelle von katholischer Kirche und Politik tätig, zunächst in Brüssel und zuletzt in Berlin und Brandenburg als Leiterin des Katholischen Büros. Im Februar 2019 hat sie im Erzbistum Köln die Aufgabe übernommen, die Voraussetzungen für einen Wechsel der Trägerschaft der Philosophisch-Theologische Hochschule SVD – St. Augustin zu schaffen. Seit Februar 2020 ist sie Kanzlerin der Hochschule, die jetzt den Namen Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) – St. Augustin trägt. Auch ist sie Geschäftsführerin des neuen Trägers der Hochschule.


Die Impuls-Beiträge des Rheinischen Spiegels werden in Kooperation mit dem KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung gestaltet. Im KKV bilden Angestellte, selbstständige Kaufleute, Handwerker, Angehörige freier Berufe und des öffentlichen Dienstes eine paritätische, christlich geprägte Gemeinschaft. Rund 5.500 Mitgliedern in gut 60 Ortsgemeinschaften brennen deutschlandweit ehrenamtlich für die katholischen Soziallehre, die Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsethik und soziale Projekte. Weitere Informationen bietet die Seite des KKV-Bundesverbandes kkv-bund.de!