Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?

So langsam werden die Abiturient*innen nervös: Im April beginnen die Abiturprüfungen, gleichzeitig sollen sich die Jugendlichen damit auseinandersetzen, was sie anschließend machen wollen. Doch die große Orientierungslosigkeit nach der Schule greift um sich: Junge Erwachsene sind nach der Schule blockiert. Sie tauchen nicht ein ins Leben, sondern fühlen sich unfähig zur Entscheidung für den richtigen Beruf, die richtige Ausbildung, das richtige Studium.

Literatur – Die Berliner Journalistin Ulrike Bartholomäus untersucht dieses Phänomen in ihrem Buch Wozu nach den Sterne greifen, wenn man auch chillen kann? Die große Orientierungslosigkeit nach der Schule, welches gerade im Berlin Verlag erschienen ist.

Darin betrachtet sie zunächst die Ursachen wie etwa verkürzte Schul- und Studienzeiten, wegfallenden Wehr- und Zivildienst, Bindung von Energie durch digitalen Lifestyle oder auch Aktionismus der Eltern.
Anschließend beschäftigt sie sich mit der Wissenschaft hinter der Orientierungslosigkeit. Forscher*innen haben herausgefunden, dass die Reifung des Gehirns mehr Zeit braucht, als lange angenommen wurde; die „verspätete Adoleszenz“ reicht bis zum 25. Lebensjahr. Über die Pubertät ist schon viel geschrieben worden, über die Phase des Übergangs zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr gibt es jedoch wenig Informationen.
Schlussendlich bietet sie Betroffenen und deren Eltern Auswege und Ideen, was sie tun können und was sie lieber lassen sollten. Hier geht es etwa um den Mut zu Auszeiten, die Überprüfung von Erwartungen und den Weg zu mehr Eigenverantwortung.

Trotz der ernsten Thematik ist das Buch sehr unterhaltsam. Die Autorin hat junge Erwachsenen losgeschickt, sich gegenseitig zu interviewen und so ganz neue Einblicke in deren Lebenswelt erhalten . Nebenbei lernen die Leser*innen neue Begriffe kennen; oder wussten Sie, was ein Bumerang-Kid ist?