Zonta: „Partnerschaftsgewalt ist Männerthema“

Mehr als 5.000 Unterzeichnende fordern in offenem Brief an Bundeskanzler Scholz eine ressortübergreifende Präventionsstrategie zur Umsetzung der Istanbul-Konvention. Interventionen zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen müssen früh beginnen. Dafür gibt es gute Ansätze, doch es mangelt noch immer an einer bundesweiten Koordinierung.

Gesellschaft – Pro Stunde üben in Deutschland mehr als 13 Männer Gewalt gegen ihre Ehe- oder Lebenspartnerin aus. Die Tendenz weist laut jüngstem Bericht des Bundeskriminalamts kontinuierlich nach oben. Jeden dritten Tag endet das für eine Frau mit dem Tod. In einem offenen Brief an Bundeskanzler Scholz fordert die Union deutscher Zonta Clubs (UdZC) eine ressortübergreifende, von einer zentralen Koordinationsstelle gelenkte Präventionsstrategie zur Verhütung der Entstehung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Mehr als 5.000 Unterzeichnende haben sich inzwischen dieser Forderung angeschlossen.

Die Mitbetroffenheit der Kinder ist der Schlüssel

Wie früh die notwendige Präventionsarbeit ansetzen muss, verdeutlicht Roland Hertel, Geschäftsführender Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt. Schon in den Grundschulen sei über einen fairen partner-schaftlichen Umgang und sein Gegenteil aufzuklären. Bei Partnerschaftsgewalt gehe es immer um Krisen, um ein gewaltbelastetes Familiensystem. „Die Mitbetroffenheit der Kinder ist der Schlüssel“, weiß Roland Hertel aus eigener Erfahrung. 12.000 zur Strafanzeige gebrachte, so genannte „Hellfälle“ häuslicher Gewalt hat seine Interventionsstelle in der Südpfalz seit 1996 begleitet. „95 Prozent der Männer aus unseren Tätergruppen haben häusliche Gewalt schon als Kinder in ihren Familien erlebt.“

Partnerschaftsgewalt ist eine Frage des Gemeinwesens

In Deutschland werde eine sehr wichtige Ressource der Gewaltprävention vernachlässigt, bemängelt Sabine Stövesand, Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg. Die von ihr ins Leben gerufene Initiative „StoP – Stadtteile ohne Partnerschaftsgewalt“ ist ein Modellprojekt dafür, wie die ganze Nachbarschaft in der Präventionsarbeit zusammenarbeitet und von der Schulsozialarbeit über den Kiosk bis zum Supermarkt auch die Institutionen und Treffpunkte eines Viertels einbezogen sind. „Partnerschaftsgewalt ist keine Beziehungsfrage, sondern eine Frage des Gemeinwesens“, betont Sabine Stövesand. Einig waren sich alle Online-Panelgäste darin, dass diese Ansätze gestärkt werden sollen und Täterarbeit viel früher ansetzen muss.

Wir sind nicht so weit, wie wir gerne sein würden

Mit aktuell einer Personalstelle plant der Bund für die von GREVIO angemahnte zentrale Koordinierung zur Umsetzung der Istanbul-Konvention. „Das kann natürlich nur der Startschuss sein“, sagt MdB Ariane Fäscher bei der Zonta Says NO-Auftaktdiskussion zum Thema „Prävention. Jetzt!“. Es fehle nicht an politischem Willen, bekräftigt die Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg und verweist auf die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Ziele, zu denen bis 2023 Taten folgen sollen. Vor dem Hintergrund von Ukrainekrieg und Energiekrise gehe es jetzt zunächst darum, Familien gezielt zu entlasten, so Ariane Fäscher weiter. „Auch das ist Prävention. Wir erkennen ja auch, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder oftmals eine Ohnmachtsreaktion in Überforderungssituationen ist“. (opm/Zonta)

Ein Kommentar

  1. Ohnmachtsreaktion und Überforderungssituationen können keine Freibriefe sein, dann kann jeder zweite machen was er will, weil das ein Freibrief ist. Konsequent wer eine Frau oder Kind Gewalt antut, ist nicht in der Lage eine Familie zu haben. Er gehört in die Psychiatrie für immer.

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