Zu wenig Weihnachtsschmuck in der Viersener Innenstadt: „Ein Baum trostloser als der andere.“

Der Tannenbaum in der Viersener Kuhle wurde jahrelang durch Kinder geschmückt, doch irgendwann wurde diese Aktion durch die Stadt Viersen nicht mehr durchgeführt. Die Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“ nahm sich dem Problem an und bekam die Androhung einer Anzeige wegen Sachbeschädigung.

Viersen – Der meterhohe Baum stand verlassen und alleine mit ein paar Lichtern in der Viersener Innenstadt. Noch bis 2014 war das Schmücken gemeinsam mit dem selbstgebastelten Schmuck zahlreicher Kinder ein echtes Erlebnis, bis die Aktion eingestellt wurde. Zu trostlos fand eine Gruppe von Bürgern, die im Jahr danach ihren eigenen Weihnachtsschmuck mitbrachten und den Tannen- zu einem Weihnachtsbaum verwandelten. „Die Stadt Viersen rief dann an und fragte, ob wir ihn auch wieder abschmücken würden, schließlich sei sie nicht für die Entsorgung zuständig.“ Also plante die Initiative nehmen einer Baum-Schmück- auch eine Baum-Ab-Schmückaktion.

2016 dann schmückte die Bürgerinitiative erneut den Baum. „Einige Tage später erhielt ich einen Anruf vom Ordnungsamt, dass das Schmücken nicht mehr ohne Genehmigung möglich wäre und wir ohne Genehmigung mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung rechnen müssen“, erinnert sich Olaf Josten, Vorsitzender der rund 30-köpfigen Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“. „Wir einigten uns, dass der Baum direkt nach Weihnachten wieder abgeschmückt werden würde und die Androhung einer Anzeige verlief glücklicherweise im Sand.“

Ähnlich sollte es dann in 2017 und 2018 laufen, doch bei Anrufen erhielt die Initiative die Auskunft, dass die Stadtverwaltung eine Genehmigung erst prüfen müsse – die nie kam, ebenso wie keine Information. Also blieb der Baum alleine und „fast“ vergessen innerhalb der Innenstadt stehen. Der Unmut bei den Mitgliedern wuchs und die Initiative machte sich in einem sozialen Netzwerk Luft, schlug damit große Wellen.

Mitglieder der Bürgerinitiative (Martin Häming, Olaf Josten), Schmücker der ersten Stunde (u. a. Heike Nagel) und besorgte Bürger (darunter Anke Burken) trafen sich gestern am Baum in der Viersener Kuhle. Foto: Rheinischer Spiegel

„Zahlreiche Bürger meldeten sich und wollten uns unterstützen“, sagt Olaf Josten. Viele informierten die Presse, wollten sogar in einer Nacht- und Nebel-Aktion ein Schmückprojekt starten. Die Stadt Viersen versteht den Unmut nicht, selbstverständlich wäre das Schmücken erlaubt. „Wenn es selbstverständlich erlaubt ist, dann frage ich mich, warum dies im Vorfeld geprüft werden musste? Warum wurde uns mit einer Anzeige gedroht und warum brauchten wir eine Genehmigung? Warum hat die Stadt uns nicht einfach informiert, wenn es doch kein Problem ist? Auch die Bürgermeisterin wurde wohl bei ihrer Sprechstunde angesprochen und wollte sich über eine Genehmigung informieren – das ist eine gute Woche her, bisher hat uns immer noch niemand informiert und auch eine Genehmigung gibt es nicht. Ein Anruf hätte dann schnell Abhilfe geschaffen“, schüttelt einer der Schmücker der ersten Stunde den Kopf. „Die Kontaktdaten liegen schließlich vor.“

So fällt das Schmücken aus dieses Jahr aus, denn die Initiative hatte vor mehr als zwei Monaten nach einer Genehmigung gefragt, früh genug um Material zu sammeln welches den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen entspricht. „Schade für die Innenstadt“, sagt eine der anwesenden Bürgerinnen, die sich für die Aktion eingesetzt hatte und zeigt auf die weiteren Bäume, die ohne Schmuck in der Innenstadt aufgestellt wurden. „Ein paar Schleifen hätten sicherlich die Bäume aufgewertet, nun sind sie völlig unnütz abgeholzt worden.“ Gerne möchte die Gruppe im nächsten Jahr wieder schmücken, jedoch nicht ohne schriftliche Bestätigung damit die Mitglieder nicht im Nachhinein doch noch eine Anzeige erhalten. (nb)