Von Süchteln in die ArsKRIPPANA: Maria Kohnen zeigt Krippen, die Fragen stellen

Wer in diesen Wochen die Räume der ArsKRIPPANA an der deutsch-belgischen Grenze betritt, begegnet einer Welt, die weit mehr ist als ein klassischer Blick auf die Weihnachtsgeschichte. Zwischen kunstvollen Krippenlandschaften aus aller Herren Länder stehen auch besondere Werke einer Frau, deren Kunst heute eindrucksvoll wirkt: Maria Kohnen aus Süchteln.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Viersen-Süchteln/Hergersberg/Büllingen – Geboren 1931, führte die Süchtelnerin lange ein erfülltes Leben als berufstätige Mutter und Hausfrau – mit viel Sinn für Kunst, aber ohne jede Absicht, selbst einmal kreativ tätig zu werden. Erst im Ruhestand wagte sie den Schritt zum eigenen künstlerischen Schaffen. In Kursen der Familienbildungsstätte eignete sie sich das handwerkliche Fundament an, alles Weitere entwickelte sie autodidaktisch, mit stillem Ehrgeiz und präziser Beobachtungsgabe.

Der entscheidende Funke sprang eher zufällig über: Eine Zeitungsanzeige machte sie neugierig auf die Krippenausstellung ArsKRIPPANA. Beim ersten Besuch ließ sie sich von der Vielfalt der Darstellungen rund um die Geburt Christi überraschen – und fand ein Ausdrucksmittel, das sie seither nicht mehr loslässt. Als sie 1998 von einem Wettbewerb erfuhr, nahm sie teil, ohne große Erwartungen, aber mit einer Idee: Das Thema „Uns kommt ein Schiff gefahren“ interpretierte sie auf ihre eigene Weise – und gewann auf Anhieb den ersten Platz. Damit begann ein Weg, der sie aus Süchteln bis nach Losheim/Eifel führte und ihr einen festen Platz in einer der größten Krippenausstellung Europas sicherte.

Foto: Copyright KRIPPANA

Ihre Werke unterscheiden sich klar von den romantischen, lichterfüllten Inszenierungen, die viele Besucher mit Weihnachtskrippen verbinden. Kohnen verzichtet bewusst auf dekoratives Beiwerk. Ihr Fokus liegt auf der Aussage. In ihren Darstellungen stehen Menschen und ihre Lebensrealitäten im Zentrum – die heile Welt wird hinterfragt, Ungerechtigkeit thematisiert. Gut und Böse, Licht und Schatten, Hoffnung und Verzweiflung treten in ihren Krippen sichtbar nebeneinander. Immer wieder fügt Kohnen die Frage ein, wie eine Begegnung mit Jesus heute aussehen könnte – mitten in einer Welt voller Widersprüche.

Nicht selten lösten ihre Miniaturwelten Diskussionen aus. Eine ihrer Krippen musste sogar einmal eine Ausstellung verlassen, zu deutlich war der Fingerzeig auf gesellschaftliche Missstände. Und doch – oder gerade deshalb – zieht ihr Werk Menschen an, die bereit sind, genauer hinzuschauen.

Unter den ausgestellten Exponaten ragt eine Arbeit besonders hervor: eine Krippe, die eine Brücke als zentrales Symbol zeigt. Auf ihr steht die Heilige Familie – zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen. Rundherum Figuren, die aufgerufen scheinen, Grenzen zu überwinden: zwischen Arm und Reich, zwischen Religionen, Generationen und Weltanschauungen. Kohnens Botschaft bleibt offen, aber eindeutig genug, um jedes Publikum zum Nachdenken zu bringen.

Die ArsKRIPPANA bietet dafür den passenden Rahmen. Auf mehr als 2.500 Quadratmetern entfaltet sich ein faszinierendes Krippenuniversum, das Besucher aus dem Alltag herausnimmt und in eine Atmosphäre der Ruhe und Besinnlichkeit führt. Neben Kohnens Werken lassen sich traditionelle, moderne, mystische oder kunsthandwerklich herausragende Krippen aus vielen Ländern entdecken – ergänzt durch aufwendige Installationen wie die aktuelle 3D-Darstellung eines Werks von Pieter Bruegel, an der eine Münchner Künstlerin mehr als 3.500 Stunden gearbeitet hat.

„Wer die schönsten Krippen der Welt sucht, findet sie hier“, sagt ein Besucher begeistert. Andere sprechen von einer „Wunderwelt“, die man erlebt haben muss. Denn die ArsKRIPPANA lebt von einer Offenheit, die Kunst, Glauben, Handwerk und Fantasie gleichermaßen Raum gibt. Sie bleibt nicht bei weihnachtlicher Nostalgie stehen, sondern zeigt, dass Krippen Geschichten von Menschen erzählen – und dass diese Geschichten berühren, herausfordern und verbinden können.

Ein Ausflug nach Losheim/Eifel, direkt an der belgisch-deutschen Grenze, lohnt sich nicht nur in der Adventszeit. Die Ausstellung ist im Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im Eintritt enthalten ist zugleich der Zugang zur historischen Puppen- und Automatensammlung ArsFIGURA. An mehreren Tagen erweitert die Modelleisenbahnschau ArsTECNICA das Angebot, und das Café-Bistro „Old Smuggler“ rundet den Besuch kulinarisch ab.

Für Maria Kohnens sozialkritische Krippen jedoch nehmen sich viele Gäste besonders viel Zeit. Ihre Arbeiten laden ein, nicht nur zu sehen, sondern zu spüren – und die eigene Haltung zur Welt zu befragen. Aus Süchteln hinaus hat ihre Kunst den Weg in eine der bedeutendsten Krippenstätten Europas gefunden. Und dort erinnert sie daran, dass die Weihnachtsgeschichte nicht nur erzählt, sondern verstanden werden will. (sk)


ArsKrippana ist im Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 9,50 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder (unter sechs Jahren freier Eintritt). Im Preis enthalten ist der Zugang zu einer weiteren Ausstellung am selben Standort: „ArsFIGURA“, eine historische Puppen- und Automatenausstellung.

Von Donnerstag bis Samstag ist überdies von 12 bis 18 Uhr die Modelleisenbahnausstellung „ArsTECNICA“ geöffnet, die sich nebst Dauerausstellung zur Geschichte des deutsch-belgischen Grenzübergangs im Alten Zollamt befindet, das ebenfalls besichtigt werden kann. Mit dem Café-Bistro „Old Smuggler“ verfügt der außergewöhnliche Standort zudem über ein eigenes gastronomisches Angebot.

Direkt an der deutsch-belgischen Grenze
Hergersberg 1
B-4760 Büllingen
www.arskrippana.net

Foto: Copyright KRIPPANA