Smart City Projekt erforscht, ob Bienen helfen können, Starkregen zu prognostizieren und Pflanzenvielfalt zu messen. Bürger*innen können dazu beitragen.
Mönchengladbach – Bienen produzieren nicht nur Honig, sie bestäuben auch Pflanzen und sorgen für reiche Vegetation und üppige Ernten. Doch können die fleißigen Insekten vielleicht sogar noch mehr? Das versucht das Smart City Team der Stadt Mönchengladbach in einer Kooperation mit der Fachhochschule Südwestfalen herauszufinden. Ein Forschungsprojekt soll zeigen, ob Honigbienen als Bio-Sensoren genutzt werden können, um Starkregen vorherzusagen und Biodiversität zu messen.
Bürgerinnen und Bürger können das Projekt unterstützen.
Felix Karger von der FH Südwestfalen und Altstadtimker Norbert Kamps staunen nicht schlecht, als sie die Wabenrähmchen aus dem Bienenstock im Skulpturengarten am Museum Abteiberg ziehen. Es ist Mitte März, und die Bienen befinden sich erst seit einigen Tagen an ihrem neuen Standort. Doch die Rähmchen sind bereits gut gefüllt und die Beute muss um eine zusätzliche Zarge erweitert werden. Für das, was Bienen üblicherweise so tun, scheint der Standort am Museum also schon mal optimal. Doch können die Bienen hier auch helfen, lokale Starkregenereignisse frühzeitig zu erkennen – zusammen mit den drei weiteren Völkern des Smart City Teams am Königskarree, dem Flughafen und am Jugendzentrum Das Westend?
Vor dem Regen kehren die Bienen in den Stock zurück
Das ist die erste Forschungsfrage, die bei dem Projekt untersucht wird. „Starkregenereignisse wirken sich teilweise so lokal begrenzt aus, dass es auf Basis der normalen Wetterprognosen schwierig ist, zielgerichtete Warnungen auszusprechen“, beschreibt Felix Karger die Ausgangslage. Gleichzeitig weiß man, dass Bienen solche Wetterlagen spüren und 15 bis 30 Minuten vorher in den Stock zurückkehren. Dieses Wissen kann man nutzen, um Starkregenereignisse auf lokaler Ebene besser zu prognostizieren – so die Hypothese. Denn dann sollte die Rückflugrate der Bienen steigen, das Summen anschwellen und der Nektareintrag sinken.
Um das zu überprüfen, kombinieren die Forscher eine klassische Wetterstation, die direkt neben dem Bienenstock steht, mit verschiedenen Sensoren in dessen Innern., ein Frequenz- und Lautstärke-Sensor an einem Wabenrähmchen erfasst die Herz- und Dezibel-Werte des Bienen-Summens. Und eine Waage unter der Beute stellt Gewichtsveränderungen fest und dient dank integrierter SIM-Karte als Funkstation, um die Informationen direkt auf die städtische Datenplattform zu senden. Von hier aus können etwa die städtischen Starkregenexperten im Fachbereich Umwelt mit den Messergebnissen arbeiten.
„Ist das Pilotprojekt ein Erfolg und bietet einen Mehrwert, könnte man perspektivisch Imkerinnen und Imker einbeziehen, um stadtweite Werte zu erhalten“, umreißt Smart City Koordinator Chris Demmer seine Vision für die Zukunft. Dafür spräche auch, dass bewusst kostengünstige und wartungsarme Sensoren gewählt wurden. Doch eine mögliche Skalierung liegt noch in der Ferne. Zunächst einmal heißt es: Daten sammeln, auswerten und analysieren. „Hier geht es um Grundlagenforschung. Am Ende steht erstmal eine wissenschaftliche Ausarbeitung“, so Demmer.
Biodiversität bestimmen – mit Bienen und Bürger*innen
Und diese Ausarbeitung wird noch eine zweite Forschungsfrage beantworten. Nämlich, ob sich aus dem gesammelten Pollen der Bienen Rückschlüsse auf die Biodiversität in einem Umkreis von drei bis fünf Kilometern rund um den Stock ziehen lassen. Warum diese Frage komplizierter ist, als sie scheint, erklärt Karger am Beispiel des Bienenstocks am Flughafen „Hier gibt es auch einen Blühstreifen in der Nähe, doch viele Pflanzen davon sind eher für Wildbienen interessant.“ Die Forscher wollen deshalb wissen, ob auch die Honigbienen von diesen Pflanzen ausreichend Pollen eintragen, um verlässliche Aussagen über die gesamte Artenvielfalt der Flora treffen zu können. In regelmäßigen Abständen werden deshalb, am Flughafen ebenso wie am Museum und den anderen Standorten, Proben entnommen und im Labor auf ihre Zusammensetzung analysiert.
Um die gemessenen Werte überprüfen zu können, setzt das Smart City Team der Stadt auf die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Über die Pflanzenbestimmungsapp Flora Incognita können Interessierte Pflanzen in ihrer Umgebung bestimmen. Innerhalb der App ist es außerdem möglich, diese Informationen mit dem Smart City Projekt zu teilen. Stück für Stück ergibt sich so aus den Pflanzenbestimmungen in der App ein Bild über die Pflanzenvielfalt, das den Erkenntnissen aus den Probenentnahmen gegenübergestellt werden kann.
Auch bei diesem Thema könnten perspektivisch stadtweite Erkenntnisse einen großen Nutzen bringen. Etwa um datenbasiert zu entscheiden, in welchen Gegenden Begrünungen notwendig sind, welche Pflanzen in städtischen Grünanlagen ausgesät werden sollten etc. Ganz nebenbei macht die Pflanzenbestimmung via App auch noch Spaß – ebenso wie das Imkern. Das weiß auch Hobby-Imkerin Kira Tillmanns, die als Leiterin des städtischen Smart City Programms den Impuls für das Forschungsprojekt gegeben hat. „Es wäre schön, wenn viele mitziehen, sich daran erfreuen, neue Pflanzen kennenzulernen und uns über die App gleichzeitig dabei helfen, smarte Lösungen für den Arten- und Umweltschutz in Mönchengladbach zu entwickeln“, sagt Tillmanns.
Jetzt Pflanzenbestimmungs-App nutzen und mitmachen
Um Pflanzen zu bestimmen und an dem Forschungsprojekt zur Biodiversitätsmessung mitzuwirken, müssen Interessierte die App Flora Incognita auf ihrem Gerät installieren. Wer dann den passenden QR-Code scannt, kann dem Projekt „Smart City – Bienen als Datenquelle“ beitreten. Nachdem der persönliche Standort übermittelt wurde, kann die Bestimmung der Pflanzen direkt beginnen. Die Standortangabe ist wichtig, um die gewonnen Daten im Anschluss sicher einem bestimmten Bienenvolk und somit einer Pollenanalyse zuordnen zu können. Die Bestimmung ist kinderleicht. Die blühende Pflanze wird mit der App fotografiert und automatisch bestimmt. Im Anschluss müssen die bestimmten Pflanzen über den Plus-Button mit „SmartCityBees“ verknüpft werden, damit die Daten dem Projekt zugeordnet werden können.
Weitere Informationen und eine detaillierte Anleitung für die Verknüpfung des Forschungsprojektes in der App gibt es auf der Projekt-Website unter https://smartcity.mg (opm)





