Auf dem Höhentrail zwischen Hoher Busch und Süchtelner Höhen unterwegs

Wer in den Tagen nach Weihnachten frische Luft sucht, findet am Hohen Busch seit diesem Jahr ein ganz besonderes Angebot.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Rita Stertz

Viersen-Süchteln – Der neue Höhentrail verbindet auf mehr als fünf Kilometern Bewegung, Naturerlebnis und digitale Wissensvermittlung – ein modernes Konzept, das sich ganz bewusst in die Landschaft einfügt und dennoch völlig neue Perspektiven eröffnet. Der Rundweg kann von mehreren Punkten aus begonnen werden, und Holzschilder führen zuverlässig durch ein Gelände, das von offenen Wiesen bis zu dichtem Buchenbestand reicht.

Schon am Startpunkt an der Lindenallee zeigt sich, wie sorgfältig das Projekt umgesetzt wurde. Die ersten Tafeln, unauffällig an Holzbrettern montiert, vermitteln einen Überblick über den Streckenverlauf und die Idee hinter dem Lehrpfad. Ein QR-Code führt zu einem kurzen Video, in dem Journalist und Moderator Dieter Könnes den Höhentrail vorstellt. Könnes, in Süchteln aufgewachsen und Botschafter der Stiftung Robin Gut, brachte das Konzept in seine Heimatstadt. Gemeinsam mit den Fachleuten der Abteilung Stadtgrün und Forsten – Matthias Pasch, Moritz Museller und Stadtförster Markus Manns – entstand ein Gemeinschaftswerk, das nun Menschen aller Generationen in den Wald lockt.

Gleich an der ersten Station erklärt ein weiteres Video, produziert von Mitgliedern des Imkervereins Viersen, warum die Lindenallee ein so wertvoller Ort ist. Die über Jahrzehnte gewachsenen Linden dienen als Futterquelle für zahlreiche Insekten und markieren den Zugang zu einem historischen Parkbereich, der später zum Wald umgestaltet wurde. Schon hier zeigt sich die Grundidee des Trails: keine langen Texte, sondern kurze, filmische Einblicke, die Wissen niedrigschwellig vermitteln.

Der Weg führt anschließend in den Wald hinein. Vorbei am belebten Waldkindergarten, an alten Weggabelungen und an einem Gedenkstein für Friedrich Greff leitet der nächste Wegweiser zur zweiten Station. Dort geht es um die Naturverjüngung von Berg- und Spitzahorn – ein Thema, das im Video anschaulich erklärt wird. Kurz darauf öffnet sich ein Seitenweg zum Bismarckturm, einem markanten, 18 Meter hohen Bauwerk aus dem Jahr 1900. Wer einen kleinen Abstecher macht, erlebt einen historischen Aussichtspunkt, der besonders am Morgen von der tief stehenden Sonne atmosphärisch in Szene gesetzt wird.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zurück auf der Route taucht die dritte Station auf. Hier erläutern Schülerinnen und Schüler des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums die Bedeutung eines Wurzelstocks als Lebensraum. Auf den ersten Blick unscheinbar, zeigt sich Totholz im Video als ökologisches Kraftzentrum, das zahlreichen Arten Unterschlupf bietet. So setzt sich die Wanderung fort – mal geradeaus, mal mit einem leichten Anstieg oder einer scharfen Abbiegung, immer geführt durch die kleinen, stilistisch einheitlichen Holzschilder.

An der vierten Station geht es um eine Waldlichtung, an der fünften um die Aufforstung eines Nadelwaldes. Beiträge von Schülerinnen und Schülern des Albertus-Magnus-Gymnasiums erklären, warum verschiedene Nadelbaumarten an diesem Standort bewusst neu gepflanzt wurden. Der nächste Abschnitt führt zu einer großflächigen Farnzone. Die sechste Station widmet sich dem Adlerfarn, dessen ökologische Bedeutung die Deutsche Waldjugend im passenden Video anschaulich macht. Die Pflanze gedeiht besonders gut auf sauren, nährstoffarmen Böden und dient als geschützter Rückzugsort für Tiere wie Rehe, Wildschweine oder Waldschnepfen.

Der Weg verläuft weiter entlang des Süchtelner Wildgeheges. Große Felder öffnen sich zur rechten Seite, während links der Wald dicht bleibt. Die nächsten Stationen beschäftigen sich mit stehendem Totholz, jungen Buchenbeständen und einer Wildwiese. Kurz darauf gelangt man in die Nähe eines Waldfriedhofs, bevor der Pfad wieder zurück in ein bewaldetes Gebiet führt.

Ab der elften Station beginnt ein Anstieg hinauf zum Lindenplatz. Dort steht die weiße Irmgardiskapelle, ein Ort mit jahrhundertealter Pilgertradition. Der Platz, umgeben von alten Bäumen, verleiht dem Trail einen fast spirituellen Moment. Der QR-Code an Station 12 führt zu einem Beitrag des Süchtelner Heimat- und Verschönerungsvereins, der erklärt, weshalb Lindenbäume einst zentrale Treffpunkte in Dörfern waren und welche symbolische Bedeutung sie bis heute besitzen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Hinter diesem ruhigen Abschnitt gestaltet sich der Weg wieder abwechslungsreicher. Zwischen Wald, offenen Wiesen und kleinen Lichtungen liegen die nächsten vier Stationen, die ein Feuchtbiotop, eine Esskastanien-Aufforstung, eine Blühwiese und die Stechpalme thematisieren. Jede Station wird von einem kurzen Film begleitet, viele von Kindern und Jugendlichen produziert, die als Projektpatinnen und -paten Verantwortung übernehmen und ihr Wissen teilen.

Nahe des Sportparks Süchtelner Höhe befindet sich ein weiterer möglicher Einstiegspunkt in den Trail. Kurz darauf erreicht man Station 16 an der Kastanienallee, gefolgt von Station 17 am ehemaligen Gelände des Kletterwaldes, wo heute die Deutsche Waldjugend Viersen aktiv ist. Auch hier stammt das Video direkt von den Jugendlichen, die den Wald aus ihrer eigenen Perspektive zeigen.

Die letzten vier Stationen schließen den Rundweg ab, bevor man nach insgesamt rund zwei Stunden zurück den Ausgangspunkt erreicht. Was bleibt, ist der Eindruck eines Pfades, der den Wald nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht. Die Vielfalt der Beteiligten – von Schulklassen über Vereine bis zur Feuerwehr – spiegelt die Verbundenheit der Region mit ihrem Wald wider und macht den Höhentrail zu einem Gemeinschaftsprojekt im besten Sinne.

Wer sich auf diese Runde einlässt, erlebt den Hohen Busch auf eine Weise, die Tradition und moderne Wissensvermittlung verbindet. Und mit jedem QR-Code öffnet sich ein neuer Blickwinkel auf die Natur, die diesen Höhenzug seit Jahrhunderten prägt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz