Mit einem makellosen Auftakt hat die deutsche Mannschaft bei der 38. Dreiband-Team-Weltmeisterschaft in Viersen ein deutliches Signal an die Konkurrenz gesendet. In der Festhalle bezwang das Duo, Amir Ibraimov und Martin Horn, am ersten Turniertag die Auswahl aus Frankreich mit 4:0 und verschaffte sich damit eine hervorragende Ausgangsposition in der Gruppenphase.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker, Rita Stertz und Martin Häming
Viersen – Seit gestern Mittag ist die niederrheinische Stadt erneut Mittelpunkt der internationalen Karambolage-Szene. Sechzehn Nationen sind angereist, um bis Sonntag den Nachfolger des Titelverteidigers aus den Niederlanden zu ermitteln. Im vergangenen Jahr hatten sich Dick Jaspers und Jean Paul de Bruijn im Finale gegen Vietnam durchgesetzt. Nun soll in Viersen ein neues Kapitel der traditionsreichen Veranstaltung geschrieben werden.

Für die deutsche Auswahl begann dieses Kapitel mit einer Vorstellung, die in ihrer Geschlossenheit beeindruckte. Den Grundstein legte der erst 17-jährige Amir Ibraimov. Gegen den Franzosen Mickael Devogelaere entwickelte das Duisburger Talent von Beginn an eine bemerkenswerte Präsenz am Tisch. Ibraimov spielte konzentriert, variantenreich und mit jener Konsequenz, die man sonst eher routinierten Akteuren zuschreibt. Früh erarbeitete er sich eine Führung, die er kontinuierlich ausbaute. Während Devogelaere immer wieder um Anschluss bemüht war, zog der Deutsche sein Programm unbeirrt durch, nutzte kleinere Ungenauigkeiten seines Gegners konsequent aus und brachte seinen Vorsprung schließlich souverän ins Ziel.
Weniger geradlinig verlief der zweite Vergleich des Nachmittags. Martin Horn traf auf Jeremy Bury, einen erfahrenen und taktisch versierten Vertreter der französischen Schule. Horn geriet zunächst in Rückstand, fand dann jedoch zu seinem Rhythmus, egalisierte den Abstand und übernahm zwischenzeitlich sogar die Führung. Die obligatorische Pause zur Spielmitte unterbrach den Fluss der Partie – mit dem besseren Wiederbeginn für Bury. Der Franzose setzte sich erneut einige Punkte ab und schien das Momentum auf seiner Seite zu haben.

Was folgte, war eine Demonstration an Beharrlichkeit. Angetrieben von den lautstarken Anfeuerungsrufen der Zuschauer, die die Festhalle in einen Hexenkessel verwandelten, kämpfte sich Horn Aufnahme um Aufnahme zurück. Punkt für Punkt verringerte er den Abstand, spielte präzise Serien und bewies in den entscheidenden Momenten große Nervenstärke. In der Schlussphase gelang ihm schließlich der vollständige Umschwung. Mit 40:38 entschied Horn die Begegnung für sich und sicherte damit nicht nur seinen persönlichen Erfolg, sondern den 4:0-Gesamtsieg für Deutschland. Der Jubel im Saal war entsprechend groß.
Während die Gastgeber ihren Traumstart feierten, nahm das Turniergeschehen in den übrigen Gruppen ebenfalls Fahrt auf. In Gruppe A überraschte Kolumbien mit einem klaren 4:0 gegen Japan. Pedro Gonzalez und Huberney Catano kontrollierten ihre Partien über weite Strecken und hielten ihre Gegner konstant auf Distanz. Auch die Türkei erwischte einen erfolgreichen Auftakt und setzte sich mit 3:1 gegen Jordanien durch.

In Gruppe C begann der Titelverteidiger aus den Niederlanden mit einem 3:1-Erfolg über Griechenland. Glenn Hofmann sorgte dort für die entscheidende Partie, nachdem Dick Jaspers seine Begegnung mit einem Unentschieden beendet hatte. Auch Schweden startete mit einem Sieg: Gegen Belgien hieß es 3:1. David Pennor gewann seine Partie, während Torbjörn Blomdahl sich mit einem Remis begnügen musste.
Gruppe D entwickelte bereits am ersten Tag eine besondere Dynamik. Spanien setzte sich zunächst mit 4:0 gegen Ägypten durch und legte am Abend nach. Gegen Südkorea ließ das Duo Ruben Legazpi und Sergio Jimenez nichts anbrennen und gewann erneut mit 4:0. Damit sicherten sich die Iberer als erste Mannschaft vorzeitig den Einzug ins Viertelfinale. Südkorea hatte zuvor zum Auftakt gegen die USA ein 2:2 erreicht. Auch im späteren Duell zwischen Ägypten und den Vereinigten Staaten gab es eine Punkteteilung. Raymon Groot unterlag Sameh Sidhom, ehe Pedro Piedrabuena gegen Mahmoud Ayman den Ausgleich herstellte.

Ebenfalls mit einem Erfolg in das Turnier gestartet war Vietnam, das sich mit 3:1 gegen Mexiko behauptete. Auf dieses vietnamesische Duo trifft Deutschland nun im zweiten Gruppenspiel. Die Begegnung ist für Freitag um 14 Uhr angesetzt und könnte bereits eine Vorentscheidung über den Gruppensieg bringen.
Der Modus der Vorrunde sieht vier Vierergruppen vor, in denen im System „Jeder gegen Jeden“ gespielt wird. Die jeweils zwei besten Teams erreichen das Viertelfinale. Bereits am heutigen Vormittag wird das Programm mit der zweiten Runde fortgesetzt; ab 11 Uhr rollen wieder die Kugeln in der Viersener Festhalle.
Die Ergebnisse des ersten Tages im Überblick: Spanien – Ägypten 4:0; Südkorea – USA 2:2; Niederlande – Griechenland 3:1; Belgien – Schweden 1:3; Vietnam – Mexiko 3:1; Deutschland – Frankreich 4:0; Türkei – Jordanien 3:1; Japan – Kolumbien 0:4; Spanien – Südkorea 4:0; Ägypten – USA 2:2. (nb)





