Ein Zukunftshaus für Dülken – Wie die VAB nachhaltiges Wohnen mitten in der Altstadt gestaltet

Wo einst eine unscheinbare Brache die Verbindung zwischen Lange Straße und Melcherstiege verdüsterte, wächst nun ein Stück Zukunft. Der Neubau der Viersener Aktien-Baugesellschaft (VAB) am Kesselsturm ist nicht einfach ein weiteres Wohnhaus: Er ist ein Musterbeispiel dafür, wie nachhaltiges Bauen, bezahlbarer Wohnraum und städtebauliche Harmonie zusammenfinden können.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath

Viersen-Dülken – Gestern Nachmittag lud die VAB Aufsichtsrat, Fachleute und Gäste ein das neue Projekt in seiner fast fertigen Form zu begutachten. Ein kräftiger Regenschauer verkürzte zwar den Rundgang, konnte aber die Begeisterung für die neuen Möglichkeiten, die dieses Gebäude eröffnet, nicht trüben.

Foto: VAB Viersen

Wer das „Zukunftshaus Dülken“ von außen betrachtet, erkennt zunächst ein Gebäude, das sich mit Gauben, Giebeln und geneigten Dächern nahtlos in das historische Stadtbild fügt. Doch der Schein trügt – und das im besten Sinne. Hinter der Fassade verbirgt sich eine Fülle technischer Innovationen und ökologischer Konzepte, die das Haus zu einem Pionierprojekt machen.

VAB-Vorstandsvorsitzender Albert Becker beschreibt es so: „Man sieht dem Gebäude seine Nachhaltigkeit nicht an, und genau das ist unser Ziel: modernste Technik in einem vertrauten Gewand. Damit sind wir unserem Ziel, auch in schwieriger Zeit bezahlbaren und gleichzeitig nachhaltigen Wohnraum anzubieten, ein ganzes Stück nähergekommen.“ Die Liste der Maßnahmen liest sich wie ein Baukasten für die Zukunft: vom Einsatz CO₂-armer Baustoffe über eine Bauweise, die Recycling und Wiederverwendung ermöglicht, bis hin zu einer innovativen Infrarotheizung und Solarstrom für die Mieter. Sogar beim Aufzug wurde umgedacht: Statt einer energieintensiven Kabinenlösung sorgt ein Plattformlift für mehr Effizienz.

Das Zukunftshaus schafft nicht nur einen architektonischen Akzent, sondern vor allem dringend benötigten Wohnraum. 19 öffentlich geförderte Wohnungen entstehen hier – alle bereits vermietet, noch bevor der erste Umzugskarton gepackt ist.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Im November sollen die ersten Mieterinnen und Mieter einziehen, darunter junge Familien, ältere Menschen und Alleinstehende. Für sie bedeutet das Haus mehr als ein Dach über dem Kopf: Es steht für ein Leben in einer Gemeinschaft, die Nachhaltigkeit im Alltag erfahrbar macht. Zusätzlich zieht auch das VAB-Büro für Dülken in den Neubau ein – ein klares Signal für die Bedeutung des Stadtteils in der Unternehmensstrategie.

Für Stephan Sillekens, Aufsichtsratsvorsitzender der VAB, ist das Projekt mehr als nur ein einzelner Bau: „Dülken ist aktuell Entwicklungsschwerpunkt für die VAB und es ist noch mehr geplant.“ Schon jetzt sind weitere Pläne konkret: An der Melcherstiege soll ein ganzes Wohnquartier entstehen – über 70 Wohnungen, eingebettet in Grünflächen, mit vielfältigen Grundrissen und einem Fokus auf soziale Durchmischung. Eine zweistellige Millionensumme will die VAB dafür investieren. Besonders der Einsatz von Holz als Baustoff soll die Nachhaltigkeit noch einmal steigern.

Rund 4,5 Millionen Euro hat die VAB in das Haus am Kesselsturm investiert. Für Becker ist es gut angelegtes Geld: „Wir zeigen, dass Klimaschutz und Bezahlbarkeit keine Gegensätze sind. Im Gegenteil – durch clevere Bauweisen sinken die Betriebskosten, und davon profitieren am Ende die Mieter.“ Dass alle Wohnungen schon vergeben sind, bevor das Gebäude eröffnet ist, spricht für das Konzept. Es zeigt, wie groß die Nachfrage nach erschwinglichem und gleichzeitig modernem Wohnraum ist – gerade in Zeiten steigender Baukosten und angespannter Wohnungsmärkte.

Mit der Fertigstellung des Neubaus gewinnt Dülken nicht nur ein Gebäude, sondern ein Symbol. Die ehemals brachliegende Fläche verwandelt sich in einen lebendigen Ort, der Tradition und Zukunft miteinander verbindet. Für die Menschen, die hier bald einziehen, bedeutet das ein Zuhause im Herzen der Altstadt. Für die Stadt bedeutet es einen sichtbaren Fortschritt in der Entwicklung – ein Zeichen, dass nachhaltige Stadtplanung funktionieren kann. Und für die VAB ist es ein weiterer Schritt auf dem Weg, ihre Vision umzusetzen: Wohnen, das zugleich effizient, umweltfreundlich und für alle bezahlbar bleibt. Wenn im November die ersten Lichter in den Wohnungen angehen, wird am Kesselsturm mehr als nur ein Haus stehen. Dann erstrahlt ein Stück Zukunft – mitten in Dülken. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath