Kindertagesbetreuung: Politik reagiert in Hauptausschusssitzung einstimmig auf Bedarfsrückgang und Haushaltslage.
Willich – Der Hauptausschuss der Stadt Willich hat sich am Dienstagabend mit der komplett veränderten Situation in Sachen Kindertagesbetreuung befasst – und einstimmig die nächsten konkreten, einschneidenden Schritte beschlossen.
Hintergrund: Die Bedarfssituation in Sachen Kindertagesbetreuung ist, wie in der Presse schon berichtet, de facto total gekippt. Einem massiven Bedarf, der in den letzten Jahren nicht immer gedeckt werden konnte, stehen nun geburtenschwächere Jahrgänge und nicht nur perspektivisch, sondern schon aktuell nicht mehr vertretbare Überkapazitäten gegenüber.
Als zum Beispiel das Projekt der Kita St. Irmgardis in katholischer Trägerschaft im ehemaligen Gebäude der städtischen Tageseinrichtung Bullerbü gestartet wurde, standen seinerzeit noch alle Zeichen auf Platzausbau, den der katholische Träger durch die Übernahme der Liegenschaft und den Start einer eigenen Kita dort sehr im Sinne der Stadt unterstützen wollte. Es kam anders: In Folge äußerer Faktoren (neben fehlenden Anmeldezahlen auch aufgrund von Fachkräftemangel) gelang der Ausbau der ursprünglich geplanten vier Gruppen bisher nicht annähernd wie erhofft – und zwischenzeitlich haben sich eben die faktischen Vorzeichen umgekehrt. Die Stadt kann angesichts des Bedarfsrückgangs und der angespannten Finanzlage des Haushalts nicht mehr zwei Neubauten für städtische Kitas (bisher geplant: Alperhof am bisherigen Standort und Villa Kunterbunt als Teil des Mehrgenerationenprojekts Reinershof) rechtfertigen.
Darum hat man sich konstruktiv gemeinsam auf den Weg gemacht, um Wege auszuloten, wie die umfassend modernisierten und vom katholischen Träger zuletzt nicht ausgelasteten Räume der Kita St. Irmgardis künftig für städtische Zwecke genutzt werden können. Damit möchte man gemeinsam auf die veränderte Lage reagieren. Auch perspektivisch wollen Stadt und Kirchengemeindeverband im Gespräch bleiben und die gute Zusammenarbeit mit Blick auf die künftige Bedarfsentwicklung und daraus resultierende Maßnahmen fortsetzen.
Der Hauptausschuss hat nun am Dienstagabend das von der Verwaltung vorgeschlagene und mit den betroffenen freien Trägern bereits besprochene Maßnahmenpaket empfohlen. Konkret soll also die Einrichtung St. Irmgardis zum Ende des Kitajahres 2026/2027 auslaufen; die Stadt wird mit dem katholischen Eigentümer über die Anmietung der Liegenschaft St. Irmgardis ab dem Kitajahr 2027/2028 verhandeln. Einziehen soll dort die Kita Villa Kunterbunt. In dem modernisierten und deutlich größeren Gebäude kann sie ihr Angebot zeitgemäß ausweiten (Mittagessen und Ganztagsbetreuung) und sich zukunftsfähig aufstellen.
Weiter wurde beschlossen, den freiwilligen Zuschuss für die AWO-Kita „Blaues Haus“ in Schiefbahn letztmalig bis zum 31. Juli 2027 zu verlängern – und die Verwaltung wird beauftragt, Gespräche mit dem Träger zum Auslaufen dieser Einrichtung zum genannten Termin zu führen.
Die Planungen für einen Neubau der Kita Alperhof sollen nicht an deren bisherigem Standort umgesetzt werden. Vielmehr soll diese Kita ihre neue Heimat im „Mehrgenerationenprojekt Reinershof“ finden. Dieses soll dann als einziges verbleibendes Kita-Neubauprojekt, so hat der Hauptausschuss empfohlen, einschließlich der geplanten viergruppigen Tageseinrichtung trotz des Bedarfsrückgangs weiterverfolgt werden.
Schließlich folgte der Hauptausschuss auch einstimmig und auch ohne Enthaltungen der Empfehlung, mit dem DRK-Ortsverband als Träger des Brückenprojekts „Schatzkiste“ ein Auslaufen des Projekts zum 31. Juli 2026 anzuvisieren.
Die abschließende Entscheidung zu dem Maßnahmenpaket ist für die Ratssitzung am 24. März. (opm)



