Das Bürgerhaus Dülken verwandelte sich am vergangenen Samstag für mehrere Stunden in eine Art Operationssaal. Anlass war die Premiere des „Traumasymposiums Viersen“, bei dem die Teilnehmer nicht nur Fachvorträge, sondern auch zwei Live-Operationen verfolgen konnten. Möglich wurde dies durch eine hochauflösende Videoübertragung aus den OP-Sälen des Allgemeinen Krankenhauses Viersen.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath
Viersen-Dülken – Die erste Live-OP leitete Dr. Christian Rusu, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am AKH. Er stabilisierte minimal-invasiv die Wirbelsäule eines 41-jährigen Patienten, der sich beim Sturz eine Fraktur des dritten Lendenwirbels zugezogen hatte. Tarik Akar, Assistenzarzt am AKH, präsentierte zuvor sämtliche Patientendaten, darunter CT- und MRT-Aufnahmen, Begleiterkrankungen und das geplante Vorgehen inklusive der Schraubenparameter. Während der OP führte Rusu das Publikum durch die einzelnen Schritte der Stabilisierung, während Kameras Nahaufnahmen der kleinen Hautschnitte lieferten und ein Bildschirmschwenk die Röntgenkontrolle dokumentierte.

Parallel wurde eine zweite Operation gezeigt: die Implantation einer Schulterprothese bei einem weiteren Patienten. Hier demonstrierten Rusu und sein Team, wie präzise heutige chirurgische Techniken und moderne Bildgebung die Versorgung von Schulterverletzungen unterstützen. Die Live-Übertragungen ermöglichten es den Fachbesuchern, die komplexen Abläufe direkt mitzuerleben, ohne den OP-Saal betreten zu müssen.
Begleitend zu den Operationen bot das Symposium ein umfangreiches Vortragsprogramm. Prof. Dr. Helmut Lill vom DIAKOVERE Friederikenstift Hannover erläuterte aktuelle Konzepte bei Humeruskopffrakturen und die Indikation zwischen Osteothese und Endoprothese. Prof. Dr. Lars Müller vom Universitätsklinikum Köln referierte über operative Strategien bei komplexen Ellenbogenverletzungen, von Osteosynthese bis Endoprothese. Später sprach Prof. Dr. Christoph Katthagen vom Universitätsklinikum Münster über perioperative Komplikationen in Schulter- und Wirbelsäulenchirurgie sowie deren Prävention und Management.

Auch die Rehabilitation nach Frakturversorgung war Thema. Panagiotis Mazaris, Physiotherapeut aus Viersen, stellte evidenzbasierte Konzepte für Schulter, Ellenbogen und Wirbelsäule vor. Er betonte praxisnah, wie postoperative Bewegungstherapie und gezieltes Training die Heilung unterstützen können.
Die Veranstaltung bot neben fachlichen Inhalten auch Raum für direkten Austausch. Rund 40 Teilnehmer aus der medizinischen Fachwelt und interessierte Bürger verfolgten die sechs Stunden des Symposiums. Die Bildübertragung hatte die Düsseldorfer Firma Dickson realisiert, deren Technik besonders für die hohe Schärfe und Detailgenauigkeit gelobt wurde.

Das Traumasymposium wurde von Dr. Rusu, dem Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Allgemeinen Krankenhaus Viersen (AKH) initiiert, um den fachlichen Austausch zwischen Medizinern in Viersen zu stärken. „Genau das war die Idee“, sagt Rusu. Das Symposium diene dem Erfahrungsaustausch und präsentiere, nach welchen modernen Standards im AKH operiert werde. Neben der Vermittlung modernster OP-Techniken zeigte das Symposium auch den hohen Stand der orthopädisch-unfallchirurgischen Versorgung am AKH, das mit 315 Betten jährlich rund 15.000 Patienten stationär und fast 30.000 ambulant behandelt. Rund 1000 Mitarbeiter sichern die medizinische Versorgung in Viersen und der Umgebung.
Bereits die diesjährige Fachtagung verband moderne chirurgische Demonstrationen mit Theorie, Diskussion und praxisnahen Rehabilitationstipps und bot damit ein umfassendes Bild der aktuellen Traumatologie. Für die Teilnehmer bedeutete dies einen direkten Einblick in innovative OP-Techniken, patientenorientierte Versorgung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Chirurgen, Anästhesisten und Physiotherapeuten. Dr. Rusu zeigte sich nach der ersten Fachtagung zufrieden: „Ich habe sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, es war eine gelungene Veranstaltung, die wir gerne wiederholen.“ (cs)





