Et is ja löblich, dass wir in Viersche wat für Radfahrer tun wollen. Klimaschutz, Bewegung, Verkehrswende – alles super. Nur: Unsere Radwege sind mittlerweile eher was für Leute mit Kletterausrüstung. Oder zumindest mit Vollhelm und stabiler Psyche.
Glosse von Jupp van’t Eck
Viersen – Ich bin neulich vom Busbahnhof Richtung Dülken geradelt – also: versucht zu radeln. Nach 300 Metern war ich emotional und physisch durchgeschüttelt wie ein Cocktail beim Mühlenfest. Da geht’s nur noch hopp, hopp, holterdipolter, Loch, Kante, Wurzel, Bruchkante, Abbruchkante – und zack: Hinterrad verzogen, Glaube an die Infrastruktur auch.
Der Toni vonne Fahrradwerkstatt sagt:
„Die Radwege hier sind keine Wege. Das sind Zustände.“
Und die Uschi vom Yoga meint:
„Mein Beckenboden hat noch nie so viel über sich ergehen lassen müssen.“
Asphalt? Wurde wohl vergessen.
Ich sach ja: Es gibt bestimmt irgendwo ein Originalstück Radweg aus den 60ern – noch mit DDR-Kopfsteinpflaster und eingebauten Fossilien. Da fährt man drüber und denkt: Vielleicht ist das hier denkmalgeschützt – oder einfach nur vergessen worden.
Aber keine Sorge, die Stadt wird schon reagieren: Mit einem offiziellen Warnschild. Da wird stehen:
„Radfahrer bitte absteigen.“
Genau! Und dann schieben – durch die Pfütze, über den Baum, rein ins Loch und wieder raus. Quasi Abenteuerurlaub. Nur ohne Landschaft.
Meine Vision fürs nächste Verkehrskonzept
Ich hab da ’ne Idee für Viersche: Statt neue Radwege zu bauen, erklären wir die kaputten zu offiziellen Trainingsstrecken. Machen wir gleich ’ne Tour de Viersche draus! Mit Startnummern, Helmkamera und am Ende kriegt jeder, der’s überlebt, ’nen Apfel und ein halbes Schmerzensgeld.
Oder wir lassen’s einfach – und malen mit Kreide auf die Löcher kleine Grüße:
„Hier war Viersen.“
„Betreten auf eigene Gefahr.“
Oder ganz ehrlich:
„Sorry, wieder kein Geld übrig.“
Bis dahin bleib ich auf’m Bürgersteig. Da is wenigstens nur der Hund vom Nachbarn gefährlich.
Euer
Jupp van’t Eck





