Es ist ein kühler Septembermorgen auf dem Lindenplatz in Süchteln. Zwischen bunten Flyern, frischem Kaffee und roten Rosen kommt Bewegung in die Fußgängerzone. Passanten bleiben stehen, manche neugierig, andere mit einem gezielten Schritt. „Viel Glück am Sonntag, Herr Schmitz!“ ruft eine ältere Dame lachend, die Blume noch in der Hand, und winkt ihm herzlich zu. Peter Schmitz, Kandidat der SPD, erwidert die Geste, nicht gespielt, sondern sichtlich berührt. „Solche Begegnungen geben mir Mut“, sagt er später.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz
Viersen – Am 28. September entscheidet sich, wer neuer Bürgermeister von Viersen wird. Nach dem ersten Wahlgang stehen nur noch zwei Namen auf dem Stimmzettel: Christoph Hopp für die CDU, der im ersten Wahlgang 45,70 Prozent erreichte – und Peter Schmitz, für den 25,07 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten. Der 44-Jährige ist kein Unbekannter, aber auch keiner, der je laut polternd auf sich aufmerksam gemacht hätte. Er vertraut auf ruhige Gespräche, Nähe und seine Überzeugung, dass Politik ohne Zuhören wertlos ist.
„Mir schlägt schon viel Sympathie entgegen“, sagt er, „aber ich merke in vielen Gesprächen auch, dass nicht alle wissen, dass es eine Stichwahl gibt, dass sie noch einmal abstimmen können und sollten.“ Auf Marktplätzen, an Haustüren, in Vereinen – er sucht die Begegnung.

Schmitz Wurzeln reichen tief in die Stadt hinein. Seit er denken kann, ist Viersen seine Heimat. Die Straßen, die Sportplätze, die Kirchen, die Schulen – er kennt sie alle nicht nur vom Vorbeifahren, sondern vom eigenen Erleben. In jungen Jahren Messdiener und Pfadfinder, später Vereinsmitglied und Vater von drei Kindern, heute stellvertretender Ortsbürgermeister: überall hat er gelernt, was Gemeinschaft bedeutet.
Seine berufliche Laufbahn begann bei der AOK, wo er als Auszubildender startete, später Dipl.-Kaufmann wurde und inzwischen stellvertretender Regionaldirektor ist. Dort führt er Teams, trifft Entscheidungen, trägt Verantwortung für Strukturen, die vielen tausend Menschen betreffen. „Alle Wahlberechtigten können sich neu entscheiden, und überlegen, was ihrer Vorstellung von einer guten Stadtführung am nächsten kommt.“
Politik versteht Schmitz pragmatisch. „Träumereien helfen niemandem. Wir müssen Lösungen finden, die funktionieren“, sagt er mit ruhiger Stimme. Und er hat klare Vorstellungen: Er will bezahlbaren Wohnraum schaffen – für junge Menschen, die am Anfang ihrer Ausbildung stehen, ebenso wie für ältere, die sich verkleinern möchten. „Es kann nicht sein, dass junge Leute zum Start ins Berufsleben nichts finden, was sie mit einem Ausbildungsgehalt finanzieren können“, so Schmitz. „Warum nicht gemeinsam mit Unternehmen Wohnheime schaffen, kleine, bezahlbare Einheiten. Das hilft am Ende beiden Seiten: Unternehmer können gute Konditionen bieten, und junge Menschen müssen für eine Ausbildung nicht weggehen, weil es anderswo billiger ist.“ Gleichzeitig denkt er an Familien, die Platz brauchen, und an Senioren, die ein barrierefreies Zuhause suchen. Seine Idee: Kooperationen mit Unternehmen, Wohnheime, flexible Modelle.
Auch in der Verwaltung sieht er Handlungsbedarf. Weniger Papierstapel, kürzere Wartezeiten, verständliche Formulare – eine Stadtverwaltung, die den Alltag erleichtert, nicht erschwert. Digitalisierung, ja, aber immer mit dem Blick darauf, ob sie den Menschen wirklich dient. Umweltfragen will er nicht mit großen Symbolprojekten lösen, sondern mit kleinen, sofort umsetzbaren Maßnahmen: mehr Grün in den Straßen, begrünte Dächer öffentlicher Gebäude, nachhaltige Pflege von städtischen Flächen.
Die Wirtschaftspolitik will er breit aufstellen: für den Handwerksbetrieb ebenso wie für Start-ups, für Logistikunternehmen wie für den Einzelhandel. Und er denkt an die Mobilität: bessere Radwege, ein Bürgerbus für abgelegenere Ortsteile, sanierte Straßen. Bei alledem betont er: Entscheidungen trifft man nicht allein im Rathaus. Bei all dem setzt Schmitz auf Mitwirkung: „Wir müssen erfahren, was die Menschen umtreibt – was brauchen Jugendliche, was ist in Süchteln anders als in Dülken? Wir müssen Schnittstellen schaffen – zwischen Politik, Einwohnenden, Verwaltung.
Wenn Schmitz über seine Stadt spricht, wird klar, dass es nicht nur um Konzepte geht. Es geht um eine Haltung. Seine Energie schöpft er aus den Menschen, die ihn umgeben – aus Freunden, mit denen er Skat spielt, aus seiner Borussia, die er begeistert verfolgt, und vor allem aus seiner Familie. Am Ende dieses Wahlkampfs wird nicht er allein entscheiden, sondern die Bürgerinnen und Bürger von Viersen. Peter Schmitz ist jedenfalls bereit. (cs)





