Düsteres Erbe in präziser Reinkarnation: The Obscure zelebrierten The Cure in der Muziekgieterij Maastricht

In der Maastrichter Spielstätte Muziekgieterij hat am Sonntagabend eine Formation aus Belgien die musikalische Ästhetik und klangliche Signatur von The Cure in bemerkenswerter Detailtreue auf die Bühne gebracht.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Musik & Kultur – Die Tribute-Band The Obscure widmete sich in der Muziekgieterij dabei nicht nur einzelnen Schaffensphasen der britischen Gruppe, sondern spannte den Bogen über mehrere Jahrzehnte Musikgeschichte hinweg – von den frühen postpunkgeprägten Jahren bis zu den popaffinen Erfolgen der 1990er Jahre.

Das Konzert, das im Kontext einer fortgesetzten europäischen Club- und Festivalpräsenz der Band stattfand, setzte auf eine bewusst reduzierte, zugleich atmosphärisch verdichtete Bühnengestaltung. Dunkel gehaltene Lichtstimmungen, kaum farbliche Akzente und eine insgesamt stark schattierte Ausleuchtung der Bühne verstärkten den Eindruck einer Inszenierung, die sich konsequent an der Ästhetik des Originals orientierte. Die visuelle Gestaltung blieb damit klar im Dienst des musikalischen Anspruchs, die Klangwelt von Robert Smith und seiner Band möglichst unverfälscht zu reproduzieren.

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit

The Obscure, deren Projekt im Herbst 2014 von einer Gruppe langjähriger Cure-Hörer in Belgien initiiert worden war, verstehen sich ausdrücklich nicht als punktuelle Hommage an eine bestimmte Schaffensperiode. Vielmehr zielt das Ensemble darauf ab, die stilistische Spannbreite der britischen Band in ihrer Gesamtheit abzubilden. Diese Herangehensweise erlaubte es, im Verlauf des Abends sehr unterschiedliche musikalische Texturen nebeneinanderzustellen: rohe, treibende Stücke aus der Frühphase ebenso wie die stärker melodisch geprägten Kompositionen späterer Jahre.

Im Mittelpunkt der Setlist standen unter anderem frühe Titel wie „Killing an Arab“ und „Boys Don’t Cry“, die mit klar konturiertem Gitarrensound und rhythmischer Strenge vorgetragen wurden. Ihnen folgten Stücke mit stärker tanzorientiertem Charakter wie „The Walk“ und „Close to Me“, bei denen das Publikum deutlich stärker in Bewegung geriet. Spätestens bei den international breit rezipierten Songs „Just Like Heaven“ und „Friday I’m in Love“ zeigte sich die Band in einer nahezu pophistorischen Rekonstruktion jener Phase, in der The Cure auch außerhalb der alternativen Musikszene breite Aufmerksamkeit fanden.

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit

Daneben fanden sich im Verlauf des Abends auch düster angelegte, atmosphärisch verdichtete Kompositionen, die an die stärker gothisch geprägten Werkphasen der Originalband erinnerten. Diese Stücke, darunter etwa „A Strange Day“ oder „Bloodflowers“, wurden mit gedehnterem Tempo und stärkerem Hallanteil interpretiert, wodurch sich ein Spannungsfeld zwischen rhythmischer Direktheit und klanglicher Schwere ergab.

Die musikalische Umsetzung lag in den Händen einer festen Besetzung, die sich seit der Gründung des Projekts weitgehend stabilisiert hat. An den Gitarren wirkten Wim Kempenaers aus Antwerpen sowie Roel Vekeman aus Beveren-Kruibeke-Zwijndrecht, während Dirk Vreys aus Old Turnhout zusätzliche klangliche und vokale Aufgaben übernahm. Das Schlagzeug wurde von Richard Scheeper aus Turnhout gespielt, die Keyboard- und atmosphärischen Klangflächen verantwortete Steph Van Uytvanck aus Erpe-Mere. Am Bass war Jarne Vreys aus Old Turnhout beteiligt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit

Die Bandmitglieder sind nach eigenen Angaben nicht nur interpretierende Musiker, sondern langjährige Hörer des Originalwerks, was sich in der konsequenten Detailarbeit an Klangfarbe, Arrangement und Dynamik widerspiegelte. Insbesondere die Gitarrenarbeit orientierte sich deutlich an den charakteristischen Effekten und Klangschichtungen, die The Cure seit den späten 1970er Jahren prägen.

The Obscure haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 2014 in der europäischen Tribute- und Clubszene etabliert und treten regelmäßig in Belgien sowie den angrenzenden Ländern auf. Für das laufende Jahr und die kommende Saison sind weitere Auftritte angekündigt, darunter Stationen in Machelen, Scherpenheuvel-Zichem, Waasmunster, Izegem sowie Almelo in den Niederlanden. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit