Bunte Mahner für mehr Vorsicht im Kreis Viersen

Noch während in der KiTa Hüsgesweg der Alltag seinen gewohnten Gang ging, war draußen bereits zu sehen, worum es am Freitagmorgen ging: um Aufmerksamkeit, um Rücksicht – und um die Frage, wie sich der oft hektische Weg vor Kindertagesstätten und Schulen ein Stück sicherer machen lässt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Leo Dillikrath

Viersen/Kreis Viersen – Die neuen Verkehrshelden wurden in Viersen offiziell in Dienst gestellt, zwei davon direkt vor der Einrichtung am Hüsgesweg. Mit dabei waren Bürgermeister Christoph Hopp und Landrat Bennet Gielen, die der Aktion ebenso wie die Beteiligten aus Polizei, Verkehrswacht und Verwaltung sichtbar Gewicht verliehen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Die neuen Figuren sind keine Helden im klassischen Sinn, und gerade darin liegt ihre Wirkung. Sie stehen nicht für große Gesten, sondern für eine sehr konkrete, alltägliche Aufgabe: Sie sollen Kinder und Erwachsene im Straßenverkehr daran erinnern, langsamer zu fahren, aufmerksamer zu sein und Wege zu Fuß nicht vorschnell dem Auto zu überlassen. Bunt, freundlich und dennoch unübersehbar, tragen sie leuchtend gelbe Warnwesten, wirken in Bewegung und halten ein Schild mit einer klaren Botschaft hoch. Darauf stehen kurze Sätze, meist mit Ausrufezeichen, die keinen Interpretationsspielraum lassen: „Pass auf!“, „Denk an mich, brems dich!“ oder auch „Gemeinsam zu Fuß.“ Die Schilder sind beidseitig lesbar, austauschbar und so gemacht, dass sie der Witterung und dem Einsatz im Alltag standhalten. Dass es die Verkehrshelden sowohl in einer weiblichen als auch in einer männlichen Ausführung gibt, passt zum Anspruch, möglichst viele anzusprechen, ohne belehrend zu wirken.

Dass ausgerechnet der Bereich vor Kindergärten und Grundschulen im Mittelpunkt steht, hat einen ernsten Hintergrund. Tobias Stapper, Polizeihauptkommissar und Leiter der Verkehrsunfallprävention der Kreispolizeibehörde Viersen, sieht in den Aufstellern ein Mittel, um genau dort für Schärfe im Blick zu sorgen, wo Routine allzu leicht in riskantes Verhalten umschlagen kann. Die Situationen vor Schulen und Kindertageseinrichtungen seien oft heikel, sagte er sinngemäß, gerade wenn Eltern in bester Absicht möglichst nah an der Einrichtung halten, das Kind schnell aussteigen lassen und sofort wieder weiterfahren. Was als praktischer, fürsorglicher Gedanke beginnt, kann vor Ort zu Unübersichtlichkeit, Behinderungen und im schlimmsten Fall zu Gefahren für andere Kinder und Verkehrsteilnehmer führen. Genau an diesem Punkt sollen die Verkehrshelden ansetzen: nicht mit Verboten, sondern mit einem dauernden, freundlich formulierten Hinweis.

Im Kern geht es um ein Umdenken bei dem, was man gemeinhin als „Eltern-Taxi-Verkehr“ bezeichnet. Der Begriff steht für jene kurzen Autostrecken, die oft mit dem Wunsch nach Bequemlichkeit oder Sicherheit begründet werden, in der Summe aber den Verkehr vor Schulen und Kitas verdichten. Im Kreis Viersen soll mit der Aktion die Bereitschaft wachsen, Kinder häufiger zu Fuß zur Schule oder in die Kita zu begleiten. Bürgermeister Christoph Hopp verband damit auch einen erzieherischen Gedanken: Kinder könnten auf diese Weise mehr Selbständigkeit lernen. Das ist kein beiläufiger Nebenaspekt, sondern ein zentraler Teil der Idee. Der Weg zur Einrichtung ist eben nicht bloß ein logistischer Zwischenraum zwischen Haustür und Klassenzimmer, sondern ein Stück gelebter Alltagsbildung.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Auch Landrat Bennet Gielen stellte die Schutzfunktion der Verkehrshelden in den Vordergrund, betonte aber zugleich ihre Wirkung nach außen. Er empfinde die Aufsteller nicht nur als sinnvoll, sondern auch als ansehnlich; ihre Erscheinung habe eine gute Signalwirkung. Genau darin liegt wohl ein Teil ihres Erfolgs: Sie wirken nicht wie ein erhobener Zeigefinger, sondern wie ein freundlicher, farbiger Appell, der im Vorüberfahren hängen bleibt. Wer sie sieht, wird nicht nur an Kinder gedacht haben, sondern an eine ganze Verkehrssituation, die an manchen Stellen schneller kippt, als man es im Alltag wahrhaben möchte.

Getragen wird das Projekt von der Kreisverkehrswacht Viersen und der Verkehrswacht Viersen. Dieter Lambertz, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Viersen, und Silke Winkes, Vorsitzende der Verkehrswacht Viersen, bewerten die Anschaffung als sehr sinnvollen Beitrag zum Schutz von Kindern. Finanziert wurden die Präventionsaufsteller von den beiden Vereinen; zusammen mit Polizei, Stadt und Kreis wurde die Aktion auf den Weg gebracht. Die Kosten bewegten sich im vierstelligen Bereich. Hergestellt wurden die bunten Helfer von einem Unternehmen in Mackenstein. Sie sind so konstruiert, dass sie sich leicht tragen lassen, zugleich aber mit einem Kettenschloss an ihrem jeweiligen Standort gesichert werden können. Praktisch, robust und mobil; genau so, dass sie ihren Zweck erfüllen, ohne selbst zum Aufwand zu werden.

Die KiTa Hüsgesweg ist die erste Einrichtung, die von den neuen Verkehrshelden profitiert. Für Leiterin Silvia Bicker ist das mehr als eine symbolische Geste. Sie sagte, die Verkehrssituation am Morgen sei gerade wegen der Unübersichtlichkeit oft heikel. Wenn viele Eltern gleichzeitig ankommen, wird aus wenigen Minuten ein kritischer Verkehrsraum, in dem Übersicht, Geduld und Rücksicht schnell an Grenzen stoßen. Dass nun zwei der Aufsteller direkt vor ihrer Einrichtung stehen, wertet sie als spürbare Unterstützung. Ihre Hoffnung ist klar: mehr Aufmerksamkeit bei Autofahrern, zumindest für die ersten Wochen, in denen die Botschaft frisch und das Signal noch ungewohnt ist.

Genau diese Begrenzung gehört allerdings zur Konzeption. Die Verkehrshelden sollen nicht dauerhaft an einem Ort stehen, bis ihre Wirkung verblasst. Dieter Lambertz machte deutlich, dass die Aufsteller nach einer gewissen Zeit ihre Signalwirkung verlieren und deshalb an andere Stellen wechseln. Das ist Teil des Prinzips: Sie sollen wandern, in immer neuen Bereichen des Kreisgebiets auftauchen und so an verschiedenen Schulen und Kitas die gleiche Wirkung entfalten. Am Ende sollen sie im gesamten Kreis Viersen eingesetzt werden. Wer eine Einrichtung führt oder Verantwortung für einen vergleichbaren Standort trägt, kann sie anfragen. Polizeihauptkommissar Tobias Stapper verwies darauf, dass jede Kita und jede Grundschule diese Möglichkeit habe. Anfragen für einen Verkehrshelden können an die Abteilung Verkehr und Verkehrsunfallprävention gerichtet werden: v_vup.viersen@polizei.nrw.de.

Es zeigt sich sofort, dass die Aufmerksamkeit nicht ins Leere läuft: Die Autos fahren langsamer. Es ist eine kleine Szene, aber eine aufschlussreiche. Genau für solche Momente sind die Verkehrshelden gemacht; für den kurzen Blick, der das Tempo verändert, für den Hinweis, der nicht als Belehrung daherkommt, sondern als freundliche Erinnerung mit klarer Botschaft. In einer Welt, in der das Alltagsgeschäft an Schulen und Kitas oft von Eile bestimmt ist, setzen sie auf etwas fast Altmodisches: Rücksicht, Sichtbarkeit und ein bisschen Geduld. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath