Mit rund 1.200 Besuchern am Hohen Busch zeigte das neue Festival zum dreitägigen Auftakt von der ersten Sekunde an, dass es ein neues Highlight in Viersen gibt. Das Open Air brachte nicht nur gekonnt Festivalfeeling, es überzeugte dabei ebenfalls musikalisch und machte Lust auf Feiern, Freiheit und auf eine Geburtstagsparty.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Daniela Häming
Viersen – „Ooooh mein Gott! Mein Punkrock Gott! Was war das für ein Tag?!“, um mit den Worten der Veranstalter der Eventagentur „Terz machen“ und Christoph Jinkertz (DJ Budda) zu beginnen. Am Freitagabend startete erstmals das neue Festival „Da ist was im Busch“ und überzeugte direkt am Eröffnungstag mit einem Programm, an dem rund 1.200 Feierwütige teilnahmen.
Begleitet von einem angenehmen Sonnen-Wolken-Mix, und natürlich abgerundet mit einem passenden kulinarischen Angebot, eröffneten auf der Bühne an diesem Abend das Programm allerdings nicht die Tourettes, die kurzfristig absagen mussten. Dafür gab die Newcomer-Band „Little Brother“ ihr Stelldichein mit rotzigem Punk und sorgten für den ersten positiven Stimmungsschub, schließlich wollte das Publikum am Rande der Viersener Wälder feiern. Frei sein, den Takt spüren, die Musik fließen lassen – erfolgreich und energiegeladen.

Mit Elfmorgen aus Frankfurt drang dann direkt noch ein wenig Geburtstagsparty in die kraftvolle Atmosphäre. Schließlich feierte Sänger und Gitarrist Andy Schmaus am Freitag passenderweise seinen Geburtstag. Das Publikum griff diese Chance gerne auf mit einem Geburtstagsständchen, denn Feste müssen eben so gefeiert werden, wie sie gerade fallen. Am Bass und ebenfalls am Mikrofon zudem Chris Kautz, am Schlagzeug Fred Fink. Ihre Musik – irgendwo zwischen Punk, Rock und Pop – ist in Viersen bekannt, denn Elfmorgen sind gern gesehene Gäste am Hohen Busch. Ein Prost der Band in Gedenken an Vergangenes durfte dabei ebenso nicht fehlen, wie ihr ehrlicher und humorvoller Sound, der dem Neuen einen passenden Anschub gab. Einem Festival, welches mit drei Tagen „Halli Galli“ bereits jetzt einen festen Platz in der Eventlandschaft des Niederrheins errungen hat.
Während sich die Bühne fein machte für Kapelle Petra, ebenfalls bekannt am Hohen Busch, herrschte ein emsiges Treiben beim Gastro-Team. Viele der rund 70 Helfer kennen das Gelände bereits, sind nicht das erste Mal hier im Einsatz. Gut so, denn mittlerweile hatte sich der erste Hunger eingestellt, für den sich Schlangen mit bestgelaunten Wartenden bildeten. Kaum das Gewünschte auf der Hand ging es umgehend zurück zur Bühne. Dorthin nämlich brachten Guido „Opa“ Scholz, Rainer „Der tägliche Siepe“ Siepmann, Markus „Ficken“ Schmidt sowie Timo „Gazelle“ Sprenger Indie-Poppunk aus Hamm mit. Gegründet 1996 war es temperamentvolle „Eine schöne Geschichte“, passend zum im vergangenen Jahr erschienenen Album „Die Vier Jahreszeiten“.

An Indie-Poppunk reihte sich deutscher Irish-Folk-Punk aus Münster an. Mr. Irish Bastard ist eine deutsche Irish-Folk-Punk-Band aus Münster auf den Spuren des klassischen Punks von The Pogues und dem traditionellen Irish Folk. Auf mehr als 600 Konzerten rissen auch Coverversionen in bis dahin unbekanntem Stil mit. In Viersen sollte sich dies nicht anders darstellen, schließlich läuteten die Musiker gemeinsam mit Sänger Mr. Irish Bastard den letzten Höhepunkt des Abends ein.
Am Mikrofon Kai „Havaii“ Schlasse, an den Gitarren Stefan „Kleinkrieg“ Klein und Bubi Hönig, am Bass Lars „Larsson“ Hartmann sowie am Schlagzeug Rolf Möller. Die ersten Leser wissen nun sicherlich bereits Bescheid. Die Gruppe Extrabreit gilt als eine der kommerziell erfolgreichsten Neue-Deutsche-Welle-Bands der 1980er Jahre. Aus Hagen angereist, finden sich ihre Wurzeln in der Punk-Bewegung, teilweise sogar in der NDW. Auf ihrer Website schrieben sie dazu: „Ja, wir haben den Scheiß eben mitgemacht!“ Ursprünglich 1978 gegründet, hatte Extrabreit einiges überstanden, bis zu einer Auflösung und natürlich der glücklicherweise der erfolgten Neugründung. Ein stetiger Wandel des eigenen musikalischen Stils in den vergangenen Jahrzehnten macht Extrabreit so erfolgreich.

Die Musiker verspotteten die Polizei, zündeten die Schule an und besangen düster den Tod des Präsidenten. Sie ließen auf Partys den Flieger abheben, wollten Annemarie ficken, beschworen die Wonnen der Kleptomanie und die Abgründe des Kokains. Die rotzig-subversiven Texte der ursprünglich punk-infizierte Garagen-Deutschrockband nahmen 1998 eben doch kein Ende, seit 2002 ist Extrabreit wieder aktiv – und das ist auch gut so. Sie waren die Krone zum Abschluss des ersten Abends bei „Da ist was im Busch“. Die letzten Klänge eines erfolgreichen Starts, die bis zum Morgen nachhallen sollten in Vorfreude auf Teil II. (nb/dh)





