Bismarckscher Privatbunker auf Hohem Busch entdeckt

In den geretteten Dokumenten des Kölner Stadtarchivs, das im März 2009 eingestürzt war, wurden Pläne gesichtet, die auf einen Privatbunker des Fürsten Otto von Bismarck in Viersen unter dem Bismarckturm auf dem Hohen Busch hinweisen. Die Verwaltung erwägt die Absperrung des betroffenen Gebietes. 

Viersen – Die Pläne aus dem Jahr 1867 ließen keine Zweifel zu, unter dem Bismarckturm auf dem Hohen Busch erstreckt sich ein Bunkersystem, welches noch vor dem Bau der Säule fertig gestellt wurde und als Fundament diente. Aufgetaucht sind sie jetzt in den gesichteten Unterlagen, die aus den Trümmern des im Frühjahr 2009 eingestürzten Kölner Stadtarchivs geborgen werden konnten. Laut den unvollständigen Bauplänen handelt es sich um einen privaten Schutzraum des Fürsten Otto von Bismarck. Planungstechnisch ein idealer Platz auf der Wilhelmshöhe und damit Viersens höchstgelegenstem Punkt mit 84,94 Meter über NN.
Prüfungen ergaben, dass die Räume noch erhalten sind. Erste Schatzsucher versuchen den Eingang des Fluchttunnels freizulegen, der im Bereich der Peter-Stern-Allee liegen soll.

Foto: Rheinischer Spiegel

Der Fund wirft weiterhin die Frage auf ob die vierundzwanzig Bürger, die am 27. Januar 1899 auf einer Kaisergeburtstagsfeier den Bau des Bismarckturmes anregen, versuchten mit dem Turm die Geheimhaltung des Bunkers zu gewährleisten. Unter dem Vorsitz von Amtsrichter Dr. Christian Johnen bildete sich im am 6. Februar 1899 ein „Vorläufiger Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes in Viersen“. Unter den großzügigen Spendern der Bausumme von rund 36.000 Mark auch der damalige Bürgermeister Peter Stern. Ein Zufall, dass der Fluchttunnel auf der nach ihm benannten Straße zu enden scheint? Gab oder gibt es in Viersen eine geheime Organisation, die bis heute das Geheimnis des Hohen Buschs schützt und deren Mitglieder sich im Schatten der Mispelblüte vermummt mit Kapuzen am Bismarckturm treffen?
Doch der Bau wurde nicht von allen Viersenern positiv gesehen. Unter den Gegnern war der Pfarrer Lorenz Richen aus Viersen-Bockert, der in einer Rede darauf hinwies, dass Bismarck nicht vom patriotischen und religiösen Standpunkt mit einer Säule geehrt werden solle und sprach von dem „Bedrücker der katholischen Kirche“. Er kritisierte den geplanten Bau als „Brandopferaltar für Neu-Wuotan Bismark“ – mit der Folge, dass er von im März 1899 aufgrund seiner „agitatorischen Art“ vom Kultusministerium von seinem Amt als Ortsschulinspektor suspendiert wurde.
Im Oktober 1899 wurde ein Holzgerüst erbaut um die Sichtwirkung des Turms zu prüfen – oder fungierte das Holzgerüst bereits zu diesem Zeitpunkt als Ablenkungsmanöver für den Schatz unter der Erde?

Die Kritiker wurden ignoriert und am 1. Mai 1900 begannen die Arbeiten, bei denen knapp über der Decke des Bunkers gearbeitet wurde, nach dem Entwurf des Dresdner Architekten Wilhelm Kreis und von der „Deutschen Studentenschaft“. Für Viersen plante der Architekt eine schlankere Form seiner „Götterdämmerung“, nach der zahlreiche Bismarcktürme errichtet wurden, aus Grauwacke-Quadern aus dem Wiehltal – den Bau überwachte als Leiter der Viersener Baugewerksmeister Karl Schnitzler. An der Grundsteinlegung am 30. Juli 1900, dem fünften Todestag Bismarcks, nahmen tausende von Menschen mit einem Festzug teil. Bereits im Juni 1901 wurde Bismarckturm mit einer Höhe von 18,22 Metern fertiggestellt. Die aufgebrachte Feuerschale wurde bis in die Zeit des ersten Weltkriegs jährlich am Geburtstag Bismarcks mit einer Flammenhöhe von bis zu fünf Metern befeuert und in der Zeit von 1901 bis 1906 wurde der Turm von 15.785 zahlenden Besuchern bestiegen – ohne zu wissen, was unter ihren Füßen lag. Ob der Bodenbereich des seit 1990 unter Denkmalschutz stehenden Turmes mit Blick auf die Standfestigkeit des Turmes geöffnet werden kann steht noch nicht fest.

Foto: Rheinischer Spiegel

Fürst Otto Eduard Leopold von Bismarck, der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, verstarb 1898. Er selbst hatte die Gründung des Deutschen Reiches vorangetrieben, galt als „Eiserner Kanzler“. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde er für seine Rolle gefeiert, die Züge einer nationalsozialistischen Idealisierung aufwies, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden immer mehr kritische Stimmen öffentlich – mit der Zeit glich sich die Waage der Darstellungen aus.
Historische Aufzeichnungen zeugen davon, dass er seinen Bunker in Viersen nie nutzen konnte. Für ihn wahrscheinlich bedauerlich, erste Untersuchungen einer Bodenkamera ergaben eine Festtagsausstattung zu seinem 84. Geburtstag mit einer mannshohen, konservierten Geburtstagstorte in Form eines bayerischen Bierkrugs und schwarz-weiß-rotem Zuckerguss, den Farben des Deutschen Reiches. Passend zu den Plänen, denn auf diesen ist neben einer Raketenabschussanlage ein Saunabereich nach römischem Vorbild mit Fetenmeile und Zigarrenlounge dargestellt.
Für Historiker und Freizeitparkarchitekten ist der Inhalt des „Party-Bunkers“ von großem Wert – nur der Geburtstagskuchen, der wird wahrscheinlich nicht mehr verträglich sein. (S. A. Tire)


Ein Bunker unter dem Bismarckturm? Wer weiß … aber einen Plan dazu gibt es nicht. Wenn Sie unseren Text bis hierhin gelesen haben, dann sind Sie allerdings auf unsere Geschichte hereingefallen, die wir erstmals im Oktober 2018 veröffentlicht haben. Sie ist nicht lustig, aber das muss sie als Satire auch nicht unbedingt sein, gibt es doch viele Varianten dieser Kunstform und dieser Text fällt eher als Gelehrtensatire auf. Streichen Sie nämlich den Bunker weg, dann haben Sie heute einen Blick auf die Geschichte des Bismarckturms geworfen. (dt – Pocke, deine Satireseite)

11 Kommentare

  1. Nun bin ich doch tatsächlich noch vor dem ersten Kaffee auf Ihre Satire hereingefallen. Ich freue mich bereits auf die nächsten Berichte.

  2. Wieder ein hervorragender Bericht. Die Verbindung von Satire mit Stadtgeschichte ist begeisternd.

  3. @Ralf Bis auf den Bunker sind die Daten alle richtig. Deshalb finde ich die Texte klasse. Hier kann die Jugend noch etwas lernen. Bitte schreiben Sie weiter liebes Redaktions-Team!

  4. Ich bin auch darauf hereingefallen. Super gemacht und auch informativ. Danke, weiter so

  5. Man lernt nie aus. Ich hatte als geschichtsbegeisterter Bürger den Bericht in mich aufgesogen, zumal ich erstmals seit 30 Jahren vor zwei Wochen wieder eine Fahrradtour dorthin gemacht hatte. Schade und schön.
    Interessant wäre aber auch ein Bericht über den alten Fluchttunnel aus dem Mittelalter entlang der Heimbachstr. in Richtung Friedhof. Und – den gibt es wirklich!

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