Als auf der Fachmesse Dach & Holz die Auszeichnungen für die besten Meisterstücke des Jahres vergeben wurden, fiel ein Name, der bislang vor allem in der Region Niederrhein bekannt war: Kai Plätzmüller aus Boisheim. In der Kategorie „Bester Klassiker“ wurde sein Werk mit dem zweiten Platz auf Bundesebene geehrt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Viersen-Boisheim – Insgesamt 71 Meisterstücke waren bundesweit eingereicht worden. Bereits der Einzug in die Endrunde der besten zehn Arbeiten galt in Fachkreisen als Auszeichnung. Innerhalb seiner Kategorie zählte Plätzmüller schließlich zu den vier Finalisten, die es bis zur abschließenden Bewertung durch eine unabhängige Fachjury schafften. Erfahrene Meister und Branchenexperten prüften die eingereichten Arbeiten nach handwerklicher Präzision, technischer Regelkonformität, gestalterischer Qualität und Dauerhaftigkeit der Ausführung.

Am Ende stand für den Boisheimer der zweite Rang; eine Platzierung, die im stark besetzten Teilnehmerfeld besonderes Gewicht besitzt. Für Kai Plätzmüller bedeutete dies nicht nur eine persönliche Würdigung, sondern zugleich ein sichtbares Zeichen für ein Gewerk, das im Westen Deutschlands vergleichsweise selten eigenständig vertreten ist.
Der Wettbewerb „Meisterstück des Jahres“ wird von der Fachzeitschrift Baumetall ausgerichtet, die seit Jahren herausragende Leistungen im Metall- und Dachhandwerk sichtbar macht. Prämiert werden Arbeiten in mehreren Kategorien, darunter moderne Gestaltungen ebenso wie klassisch-traditionelle Ausführungen. Gerade in der Sparte „Bester Klassiker“ liegt der Maßstab hoch: Gefordert ist nicht allein eine historisch anmutende Formensprache, sondern deren technisch einwandfreie und regelwerkskonforme Umsetzung unter heutigen baulichen Anforderungen.
Plätzmüllers Meisterstück überzeugte die Jury durch die Verbindung klassischer handwerklicher Techniken mit einer bemerkenswert präzisen Detailausbildung. Im Zentrum stand eine anspruchsvolle Arbeit der traditionellen Blechverarbeitung, insbesondere im Bereich der Stehfalztechnik. Diese Technik, bei der Bleche durch charakteristische, aufgekantete Falze miteinander verbunden werden, zählt zu den anspruchsvollsten Disziplinen im Klempner- beziehungsweise Spenglerhandwerk. Sie erfordert exaktes Arbeiten im Zehntelmillimeterbereich, um Dichtigkeit, Langlebigkeit und eine ruhige, klare Linienführung sicherzustellen.
Darüber hinaus widmete sich das Meisterstück der sorgfältigen Ausarbeitung historischer Details. Ornamentale Elemente, sauber gearbeitete Übergänge sowie die durchdachte Integration funktionaler Bauteile zeigten, dass hier nicht allein ästhetischer Ehrgeiz am Werk war, sondern ein tiefes Verständnis für Baugeschichte und konstruktive Logik. Ziel sei es gewesen, einen „Klassiker“ zu schaffen, der nicht nur optisch überzeuge, sondern auch technisch dauerhaft Bestand habe und sämtlichen einschlägigen Regelwerken entspreche, erläuterte der Preisträger im Umfeld der Preisverleihung.

Die Messe gilt als Deutschlands größte Fachveranstaltung für das Dachhandwerk und versammelt regelmäßig mehrere tausend Besucher aus Handwerk, Industrie und Planung. In diesem Umfeld ausgezeichnet zu werden, bedeutet Sichtbarkeit weit über die eigene Region hinaus. Für einen Handwerker aus einem Ortsteil wie Boisheim ist dies keineswegs selbstverständlich.
Das Klempnerhandwerk, im Süden und Osten Deutschlands häufig als Spengler-, Flaschner- oder Blechnerhandwerk bezeichnet, führt am Niederrhein eher ein Randdasein. Historisch wurden viele Arbeiten an Dachrinnen, Attiken oder Fassaden hier von Dachdeckern mitübernommen. Die eigenständige Meisterqualifikation im Klempnergewerk ist daher in der Region seltener anzutreffen als etwa in Bayern oder Baden-Württemberg. Umso bemerkenswerter ist der Weg, den Plätzmüller eingeschlagen hat.
Seine Meisterausbildung umfasste neben dem fachpraktischen Teil auch betriebswirtschaftliche und rechtliche Inhalte. Das eingereichte Meisterstück entstand im Rahmen dieser anspruchsvollen Qualifikation und war Ergebnis intensiver Vorbereitung über mehrere Monate hinweg. Materialauswahl, Fertigungsplanung, Maßberechnungen und die handwerkliche Ausführung mussten präzise aufeinander abgestimmt werden. Fehler verzeiht ein solches Prüfungsstück nicht; jeder Falz, jede Lötnaht und jede Kante bleibt dauerhaft sichtbar.
Dass gerade traditionelle Blechverarbeitung derzeit eine neue Aufmerksamkeit erfährt, ist kein Zufall. Metall als Werkstoff besitzt im Bauwesen eine lange Geschichte. Kupfer-, Zink- oder Aluminiumbleche prägen seit Jahrhunderten Dächer, Turmhauben und Fassaden. Ein markantes Beispiel in der Region ist die Turmspitze der Herz-Jesu-Kirche Dülken, deren Kupfereindeckung eindrucksvoll die gestalterische und technische Qualität dieses Materials zeigt. Solche Bauwerke stehen für Dauerhaftigkeit und Formklarheit; Eigenschaften, die im zeitgenössischen Bauen wieder verstärkt geschätzt werden.
Vor diesem Hintergrund erhält die Auszeichnung für den Boisheimer Handwerker zusätzliche Bedeutung. Sie dokumentiert, dass handwerkliche Exzellenz nicht an urbane Zentren gebunden ist. Auch aus kleineren Orten können Arbeiten hervorgehen, die im bundesweiten Vergleich bestehen. Der zweite Platz unter 71 eingereichten Meisterstücken belegt dies eindrücklich. (sk)





