Eine Krebsdiagnose ist für Betroffene und Angehörige immer noch eine Herausforderung. Doch es gibt eine positive Nachricht: Trotz steigender Neuerkrankungsrate sinkt die Zahl der Sterbefälle aufgrund einer Krebsdiagnose.
Viersen – Ursachen für den Rückgang der Sterblichkeit sind verbesserte Behandlungsmethoden, Möglichkeiten zur Früherkennung und Prävention. Ein Team von Chefärzten am Allgemeinen Krankenhaus Viersen hat beim 3. Viersener Onkologietag die neuesten Erkenntnisse zu Vorsorge, Diagnose und Therapie verschiedener Krebsarten vorgestellt. Der Vorsorge und einem „gesunden Lebensstil“ kommen dabei eine entscheidende Rolle zu.
Schon zwei Zigaretten am Tag erhöhen das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken um 100 Prozent. Dabei ist das Risiko bei Männern fast doppelt so hoch wie bei Frauen. „Rauchen ist mit 85 Prozent die häufigste Ursache für Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)“, sagt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Pneumologie, Dr. Karsten Woelke. Lungenkrebs sei weltweit leider immer noch die häufigste Todesursache. Der entscheidende Faktor bei der Vorsorge sei der Verzicht auf das Rauchen. Seit April 2026 existieren regelhafte Lungen-Screenings für ausgewählte Risikogruppen, das sind Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren, als Leistung der Krankenkassen. Studien aus den USA zeigten, so Dr. Woelke, dass das Lungenkarzinom bei Patienten im Frühstadium dadurch besser entdeckt werden konnte und sich die Heilungschancen verbesserten. Gleichzeitig erhöhe sich aber auch die Zahl der sogenannten falsch positiv diagnostizierten Fälle, die am kompletten Diagnoseverfahren mit Zweitbefundung und Folgeuntersuchungen teilnehmen würden. „Für die optimale Therapieentscheidung bei einem Bronchialkarzinom ist die Feststellung der genauen Tumorausbreitung erforderlich sowie genaue histologische und molekularpathologische Untersuchungsmaterialien, resümiert der Chefarzt. Dazu seien spezielle endoskopische Verfahren wie z.B. der endobronchiale Ultraschall mit Möglichkeit der Lymphknotenpunktion dringend erforderlich, beides werde im AKH angeboten.
In Deutschland gibt es rund 55.000 neue Fälle von Darmkrebs jedes Jahr und knapp 23.000 Menschen, die mit dieser Diagnose sterben (Stand 2025). Im AKH arbeiten die beiden Fachabteilungen Gastroentererologie und Allgemeinchirurgie bei Diagnose und Therapie dieser Krebsform eng zusammen.
Der Chefarzt der Gastroenterologie, Dr. Mathias Friebe, stellt sinnvolle Früherkennungskonzepte, Risikofaktoren und Präventionsmethoden vor und sagt: „Keine andere Krebsart lässt sich durch Früherkennung so zuverlässig abwenden wie Darmkrebs.“ Denn er wachse extrem langsam, so sei das Zeitfenster eines Eingriffs groß. Ein gesunder Lebensstil senke auch bei Darmkrebs das Risiko. Bei erblicher Vorbelastung empfiehlt Friebe, die erste Darmspiegelung rund zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Verwandten durchzuführen, spätestens mit 40 bis 45 Jahren. Die Koloskopie sei bei der Früherkennung, neben der Stuhlprobe, die sicherste Methode (Goldstandard), Krebs zu erkennen, bevor er entsteht. Denn während der Untersuchung könnten schon Vorstadien endoskopisch entfernt werden.
Reicht dieser Eingriff nicht aus, wird der Patient im zertifizierten Darmzentrum der Allgemeinchirurgie weiterbehandelt. Für Operation, Anschlussbehandlung und Nachsorge würden individuelle Konzepte, bei denen der Patientenwille an oberster Stelle stehe, entwickelt, sagt die Chefärztin der Klinik für Viszeral- und Allgemeinchirurgie, Prof. Dr. Nadja Lehwald-Tywuschik. Der am meisten betroffene Bereich des Darms ist mit rund 76 Prozent der End- und Krummdarm. Glücklicherweise können die meisten Operationen heute minimal-invasive durchgeführt werden. „Ein entscheidender Vorteil für den Patienten, da sich die Regenerationszeit verkürzt und das Komplikationsrisiko sinkt“, sagt Lehwald-Tywuschik. Außerdem arbeiteten im Darmzentrum des AKH spezialisierte Chirurgen, die durch Vorgaben von Mindestmengen große Erfahrung haben und hohe Behandlungsqualität garantieren.
Der Chefarzt der Urologie, Dr. Knut Franke, ergänzte mit den neuesten Empfehlungen von August 2025 zur S3-Leitlinie bei Prostatakarzinom. Demnach wird zur Erstdiagnostik keine digital rektale Untersuchung mehr empfohlen, sondern nur der spezielle Prostatawert (PSA) gemessen. Bei Auffälligkeiten würde dann frühzeitig ein MRT gemacht. Neu aufgenommen seien außerdem verschiedene neue Medikamente zur Therapie des Prostatakarzinoms, die oral verabreicht werden können, so Franke.
Was neben der schon sehr erfolgreichen „klassischen“ Therapie hilft, wenn man schon erkrankt ist, stellt Dr. Ralph Thoms vom MVZ Onkonett Viersen in seinem Kurzvortrag „Integrative Onkologie“ vor und erklärt, was zu einem „gesunden Lebensstil“ beiträgt. Nikotinverzicht steht auch hier an erster Stelle. Regelmäßige körperliche Bewegung – so wie es für den Patienten möglich ist – und gesunde Ernährung, ballaststoff-, vitamin- und eiweißreich. Thoms betont, dass es keine Krebsdiät gebe, sondern das Ziel sei, Gewicht zu stabilisieren und die Lebensqualität zu erhalten.
In einer Abschlussdiskussion, die der Chefarzt der Onkologie, Dr. Johannes Steiff, leitete, wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet. (opm)





