Schon lange bevor die ersten Besucher den Alten Markt in Dülken erreichten, lag am gestrigen Tag der Deutschen Einheit ein verheißungsvoller Duft in der Luft. Holzrauch mischte sich mit der Würze frisch gebratener Rostbratwürste, während ein süßer Hauch von Waffelteig durch die Gassen zog. Dülken erwachte zu einem Herbstmarkt, der seine Besucher eintauchen ließ in eine bunte Welt aus Handwerk, Ernte und Genuss.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Viersen-Dülken – Wir lieben ja solche Veranstaltungen, auch wenn der Herbsthimmel den ganzen Tag über keinen Sonnenstrahl durch die Wolken ließ … egal, dafür gibt es schließlich die passende Kleidung. Schon beim Betreten des Alten Marktes umarmte die Besucher eine heimatliche Atmosphäre. Kinder liefen mit großen Augen an Ständen vorbei, hielten kleine Kürbisse fest, während Erwachsene den Duft frisch gerösteter Nüsse oder den würzigen Geruch von Wildbratwurst aufsogen. „Es ist, als ob der Herbst selbst hier seinen Marktplatz gefunden hat“, schwärmte eine ältere Dame, die mit einer Tüte voller Honigbonbons weiterging.

Das City-Management der Stadt Viersen und Organisator Thomas Kohlhaas hatten für eine Vielfalt gesorgt, die weit über ein klassisches Marktgeschehen hinausging. Rund um den Alten Markt präsentierten sich mehr als dreißig Aussteller, jeder mit eigenem Charakter, mit regionalen Schätzen oder handwerklicher Leidenschaft.
Ein Magnet war die Edelfischräucherei Tönes aus Herten. Hier sah man, wie glänzende Forellen und Aale direkt vor Ort über glühendem Holz geräuchert wurden, während der Duft die Neugierigen anlockte. Gleich nebenan brutzelte der Grill des „Thüringer Rümo“, wo Moritz Abel deftige Rostbratwürste servierte – der würzige Rauch zog in die Nase und ließ so manchen stehen bleiben. Süße Verführungen fanden sich in den Händen derer, die am Waffelrad aus Wachtendonk Halt machten. Goldbraune Lütticher und Brüsseler Waffeln, belegt mit Schokolade, Früchten oder einfach nur mit Puderzucker bestäubt, gingen im Sekundentakt über den Tresen. Kinder hielten sie stolz wie Schätze in die Höhe.

Nicht weniger eindrucksvoll waren die farbenprächtigen Blumenstände aus Dülken selbst. Frank Bendfeldt bot üppige Chrysanthemen, Paul Krampe setzte auf Gehölze und filigrane Arrangements, während Barbara Winterhoff-Neikes gemeinsam mit Norbert Neikes kunstvolle Floristik zauberte. Überall strahlten Rot- und Gelbtöne, begleitet von feinen Düften, die den Herbst aufblühen ließen. Wer sich auf die Suche nach Handwerk machte, fand bei Julia Turrek aus Düsseldorf Körbe in allen Größen, geflochten mit sichtbarer Hingabe. Naturmaterialien und Weidengeflechte von Thomas Dittrich aus Nettetal verliehen dem Markt ein Stück Ursprünglichkeit. Tamara Poole aus Mönchengladbach wiederum ließ den Herbst sprechen: Ihre bunten Kränze aus Hagebutten, Efeu und Kürbissen brachten die Besucher zum Staunen.

Kulinarisch war der Herbstmarkt ein Rundgang durch die Heimatregion – und darüber hinaus. Thomas Degen bot würzigen Bergkäse aus den Alpen, während die Familie Zöller aus Kammerforst Wildspezialitäten wie Rehbratwurst und Wildschweinsalami servierte. Bei der „Mehlkiste“ aus Grevenbroich stapelten sich Backmischungen, Saaten und Mehle, die nach Heimat und Tradition schmeckten. Wer eher das Süße suchte, fand bei Regina Löscher aus Dülken fruchtige Liköre und Marmeladen oder ließ sich von den feinen Rosengelees von Manuela Will aus Köln überraschen.
Auch Getränke spielten eine Rolle: Ob kräftiger Kaffee von Peter Sander aus Viersen, internationale Weine aus dem „Weingang“ oder Metvariationen von der „Metwabe“ aus Willich-Anrath – die Palette an Aromen war kaum zu überblicken. Heide Eisenacher aus Rommerskirchen stellte edles Walnussöl vor, das aus eigener Mühle stammte, während die Kornbrennerei Hartges aus Schwalmtal feine Schnäpse und Liköre präsentierte. Die Gärtnerei Haas aus Wertheim brachte Raritäten mit, die selbst erfahrene Gärtner staunen ließen: alte Tomatensorten, scharfe Chiliplanzen und selbst Eingemachtes, das an lange Sommerabende erinnerte. Helmut Gotthardt aus Schwalmtal sorgte mit Bio-Beerenobst, Äpfeln und Kartoffeln für einen Hauch bäuerlicher Ursprünglichkeit.
Zwischen den Ständen kam man ins Gespräch, blieb stehen, probierte und erzählte. Ein Mann, der gerade an einem Glas Met nippte, fasste es schmunzelnd zusammen: „Hier schmeckt man nicht nur Produkte – hier schmeckt man Geschichten.“ Geschichten, die von Handarbeit, von Leidenschaft und von der Nähe zur Natur erzählten. Und so war der Alte Markt am gestrigen Feiertag nicht nur ein Ort des Einkaufens. Er war Bühne für Begegnungen, Schaufenster regionaler Schätze und ein lebendiger Treffpunkt für Jung und Alt. Mit jedem Stand, jeder Probe und jedem Lächeln entstand ein Stück gemeinsames Erleben, das noch lange nachklingen wird. (nb)





