Dülken etabliert sich weiter als internationaler Schwimmstandort

Mit einer in dieser Form bislang nicht erreichten Resonanz ist am vergangenen Wochenende das 47. Internationale Frühjahrsschwimmfest im Schwimmbad Ransberg zu Ende gegangen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming

Viersen-Dülken – Es war ein Wochenende geprägt von persönlichen Bestleistungen und einem starken Auftritt für die Stadt Viersen … der Dülkener Schwimmverein 06 e.V. als Veranstalter und Ausrichter des mittlerweile 47. Internationalen Frühjahrsschwimmfestes registrierte insgesamt 1.941 Meldungen und übertraf damit den Wert des Vorjahres deutlich, als 1.612 Starts gezählt worden waren. Die traditionsreiche Veranstaltung bestätigte damit ihren festen Platz im nationalen wie internationalen Wettkampfkalender des Schwimmsports. Für das heimische Dölker Schwimmbad ist dies ein grandioser Nachhall und für den Verein unterstreicht das Echo den Erfolg der arbeitsreichen Planungen.

Gäste aus Politik und Wirtschaft begleiteten die Eröffnung in Dülken. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ruhe? Nein, die gab es nicht in Dülken. Bereits in den frühen Morgenstunden herrschte an beiden Wettkampftagen reger Betrieb rund um die Anlage. Athletinnen und Athleten aus insgesamt 23 Vereinen nutzten die sechs 25-Meter-Bahnen, die mit sogenannten Wellenkiller-Leinen ausgestattet waren, um optimale Bedingungen für schnelle Zeiten zu schaffen. Bei einer konstant gehaltenen Wassertemperatur von etwa 26 Grad Celsius und unter Handzeitnahme entwickelte sich ein dicht gedrängtes Programm mit zahlreichen Läufen und entsprechend hoher Frequenz an Starts.

Das Teilnehmerfeld war dabei so international wie selten zuvor. Neben etablierten Gästen aus den Niederlanden, darunter Vereine aus Hoofddorp und Roermond, mit den Teams St. Patrick – De Roersoppers und ZPCH, reiste erstmals auch ein belgischer Club an. Die Genker Zwemvereniging Neptunus markierte mit ihrer Teilnahme eine weitere Öffnung des Wettbewerbs über die Landesgrenzen hinaus. Ergänzt wurde das Feld durch neue Mannschaften aus der Aachener Region, die erstmals in Dülken an den Start gingen und damit zur Ausweitung des Einzugsgebiets beitrugen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Natürlich blieben sie nicht alleine und so prägten weitere Vereine aus Nordrhein-Westfalen das Bild der Veranstaltung. Unter ihnen befanden sich unter anderem der ASV Einigkeit Süchteln, die SG Neuss, der Stolberger Schwimmverein 1910 e.V., der SV Grevenbroich sowie Delphin Ratingen-Lintorf im TuS 08 Lintorf. Sie alle trafen auf ein leistungsstarkes Teilnehmerfeld, das in vielen Disziplinen für enge Entscheidungen sorgte und den Zeitplan bis in die Abendstunden ausfüllte.

Trainerin Katja Baulig zeigte sich sichtlich stolz auf die Leistungen ihrer Schützlinge: Im Medaillenspiegel unter insgesamt 23 teilnehmenden Vereinen erreichte das Team des Dülkener Schwimmvereins einen hervorragenden 9. Platz. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte zudem die beeindruckende Rekordbilanz: Insgesamt 17 neue Veranstaltungsrekorde wurden aufgestellt – so viele wie noch nie zuvor. Allein 15 davon gingen auf das Konto von Schwimmerinnen und Schwimmern aus Hoofddorp. Historischen Charakter hatte dabei insbesondere ein Rekord aus Dülken: Ron Mattrick vom Dülkener SV 06 e.V. setzte über 200 Meter Freistil ein Ausrufezeichen und trug sich damit in die Geschichtsbücher des Wettbewerbs ein.

Während im Becken um Sekundenbruchteile gekämpft wurde, entwickelte sich das Umfeld der Veranstaltung erneut zu einem Treffpunkt für Sportler, Familien und Besucher. Die vereinseigene Cafeteria bot durchgehend ein umfangreiches Angebot an Speisen und Getränken und war stark frequentiert. Parallel dazu zog eine Tombola mit mehr als 1.500 Preisen zahlreiche Interessierte an. Darüber hinaus konnten sich Teilnehmer und Zuschauer an Verkaufsständen mit Bademode und Schwimmzubehör versorgen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Eine besondere Aufmerksamkeit galt in diesem Jahr erneut den Medaillen, deren Gestaltung traditionell einen lokalen historischen Bezug aufgreift. Das Motiv der Ausgabe 2026 führte tief in die Geschichte Dülkens zurück und erinnerte an eine Szene aus dem Jahr 1926: Eine Straßenbahn, die in ein Gebäude an der damaligen Kirchstraße – der heutigen Schöffengasse – gefahren war. Das Haus, das einst eine Colonial- und Manufakturwarenhandlung beherbergte und heute als Imbiss „Janou“ bekannt ist, wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg baulich verändert. Lang ist es her, denn der Vorfall ereignete sich am 4. November 1926, als eine Straßenbahn der Linie 11 auf ihrer Strecke von Dülken nach Viersen in einer engen S-Kurve die Kontrolle verlor und geradewegs in das Gebäude fuhr. Die Linie war Teil der sogenannten Dreistädte-Straßenbahn, die Dülken über Viersen mit Mönchengladbach verband und im 30-Minuten-Takt verkehrte. Ausgangs- und Endpunkt der Strecke war die Narrenmühle, wo sich auch das Straßenbahndepot befand. Die Strecke führte quer durch die Innenstadt und prägte über Jahrzehnte das Stadtbild.

Die Wahl des Straßenbahnmotives steht zugleich im Zusammenhang mit einem historischen Jubiläum. Im Jahr der Vereinsgründung des Schwimmvereins 1906 erhielt Dülken Anschluss an das Straßenbahnnetz, das bis zu seiner Einstellung am 2. August 1955 fast fünf Jahrzehnte lang in Betrieb war. Mit dem Ende der Straßenbahn begann der Übergang zum Busverkehr, ein Wandel, der von vielen Zeitgenossen mit Wehmut begleitet wurde. So spiegelte das Frühjahrsschwimmfest auch über den sportlichen Wettbewerb hinaus eine enge Verknüpfung von Tradition, Gemeinschaft und regionaler Identität wider. Die hohe Teilnehmerzahl, die internationale Beteiligung und die Einbindung historischer Elemente unterstrichen die gewachsene Bedeutung der Veranstaltung weit über die Grenzen Dülkens hinaus. Im nächsten Jahr wird am 13. und 14. März erneut um eine der begehrten Medaillen gekämpft, ein Termin, den es sich im Kalender zu markieren lohnt. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming