Ehemaliger Viersener Politiker und Autohändler zu acht Jahren Haft verurteilt

Das Landgericht Mönchengladbach hat am Freitagmittag den Viersener Unternehmer und Ex-Kommunalpolitiker Udo van Neer (68) wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung in 37 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Nach Überzeugung der 8. Großen Strafkammer hatte der frühere Autohändler über Jahre hinweg ein ausgeklügeltes System fingierter Autoverkäufe betrieben und den Staat so um knapp 38 Millionen Euro betrogen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath

Viersen/Mönchengladbach – Zwischen 2009 und 2023 habe van Neer als Betreiber eines Autohauses in großem Stil Scheinrechnungen ausgestellt und unrichtige Steuererklärungen beim Finanzamt eingereicht haben. Besonders ins Gewicht fiel dabei der angebliche Export von insgesamt 2.687 Fahrzeugen – überwiegend nach Japan. Tatsächlich existierten die Wagen mit den auf den Rechnungen angegebenen Fahrgestellnummern nicht, wie später eine Anfrage bei der Mercedes-Benz Group ergab. Monat für Monat ließ sich van Neer so Umsatzsteuerrückerstattungen im sechsstelligen Bereich auszahlen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Van Neer, der in der Vergangenheit als Mitglied des Viersener Stadtrates und stellvertretender Landrat tätig war, genoss lange gesellschaftliches Ansehen. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenritter der Malteser. Auch in der Automobilbranche galt sein Unternehmen als angesehen: Selbst Bundes- und Staatsoberhäupter zählten zu seinen Kunden. Doch spätestens seit einer Betriebsprüfung im Jahr 2023 geriet sein Lebenswerk ins Wanken. Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, sein System „eigenhändig entwickelt“ und sämtliche Dokumente selbst erstellt zu haben.

In seiner Einlassung erklärte der 68-Jährige, die weltweite Finanzkrise habe sein Unternehmen 2008 in eine tiefe Schieflage gebracht. Anstatt Insolvenz anzumelden habe er versucht die Verluste mit manipulierten Unterlagen auszugleichen. Das Geld sei, so van Neer, überwiegend in seine Firmen und Immobilien geflossen, aber auch in soziale Projekte im Kreis Viersen. Er habe Kindergärten, Seniorenheime und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung unterstützt. Für diese Aktivitäten war er 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden – eine Ehrung, die er nun zurückgeben muss.

Sein Verteidiger Björn Hühne betonte van Neer habe die Tatvorwürfe vollständig eingeräumt und zur Aufklärung beigetragen. Dennoch folgte die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die bis zu 10 Jahren Haft gefordert hatte, und verhängte eine Gefängnisstrafe von acht Jahren. Die Insolvenzverfahren gegen seine Firmen laufen bereits, Immobilien und Vermögenswerte sind beschlagnahmt. In seinem letzten Wort äußerte van Neer Reue: „Ich habe mich strafbar gemacht, ich hätte das wissen sollen. Ich bereue zutiefst, was ich getan habe.“ Die Verteidigung kündigte an, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath