Eiskalter Wind und eine Schneeschicht prägten heute das Ufer des Hariksees, als sich dort eine ungewöhnliche Menschenmenge versammelte: Mitglieder der griechisch-orthodoxen Gemeinde aus Mönchengladbach und dem Kreis Viersen hatten sich eingefunden, um die traditionelle „Große Wasserweihe“ zu begehen, ein uraltes Ritual zur Feier der Taufe Jesu im Jordan.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Sakis Tsivalidis
Niederkrüchten/Schwalmtal – Die Zeremonie, die in der orthodoxen Kirche auch als Megalos Agiasmos bekannt ist, hat ihre Wurzeln im vierten Jahrhundert. Dabei wird ein Kreuz dreimal in das Wasser geworfen und wieder herausgeholt, um Segen, Gesundheit und symbolische Reinigung von Sünden zu erlangen. Am Hariksee führte Pater Konstantinos von der Pfarrei Άγιος Νικόλαος – Sankt Nikolaus Mönchengladbach das Ritual durch. Mit feierlicher Stimme segnete er das Wasser, bevor er das Kreuz in die spiegelglatte Oberfläche tauchte. Beim dritten Eintauchen sprangen acht Gläubige in das eisige Wasser, um das Kreuz zurückzuholen – eine Handlung, die in der orthodoxen Tradition stellvertretend für die Taufe Christi steht.

Der 6. Januar, der in allen christlichen Konfessionen als „Theofania (Epiphanias) – Fest der Erscheinung des Herrn“ gefeiert wird, erinnert in westkirchlichen Traditionen an die Ankunft Christi und die Verehrung des neugeborenen Kindes durch die Heiligen Drei Könige. Während in der katholischen und evangelischen Kirche die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und Bräuche rund um das Christuskind nachspielen, liegt der Schwerpunkt in der orthodoxen Kirche auf der Taufe Jesu, die symbolisch das öffentliche Wirken Christi einleitet.
Die orthodoxen Traditionen unterscheiden sich dabei in der Jahresrechnung. Russisch- und serbisch-orthodoxe Gemeinden feiern Weihnachten nach dem julianischen Kalender erst am Abend des 6. Januar oder am 7. Januar, während die griechisch- und rumänisch-orthodoxen Kirchen Weihnachten wie die westlichen Konfessionen am 25. Dezember begehen. Die Zeremonien am 6. Januar dienen für sie der besonderen Segnung von Wasser und Gläubigen und sind somit ein Höhepunkt des Kirchenjahres.

Am heutigen 10. Januar wurde nun auch am Hariksee der Segen ausgesprochen. Kinder und Erwachsene beobachteten das Ritual, eingebettet in dicke Jacken und mit Mützen, während andere die kalten Luftzüge auf der Haut spürten. Die Teilnehmer sprachen leise Gebete, während Pater Konstantinos das Kreuz ins Wasser tauchte, begleitet vom Klang orthodoxer Gesänge. Das Wasser des Sees, klar und spiegelnd, wurde so zu einem Medium spiritueller Erneuerung.
Die Aktion am Hariksee markierte zudem eine Premiere: Zum ersten Mal versammelte sich die griechisch-orthodoxe Gemeinde der Region an diesem Ort für die „Große Wasserweihe“. Die Segnung des Sees sollte nach dem Verständnis der Gläubigen nicht nur den Menschen, sondern auch der gesamten Schöpfung zugutekommen. „Dieses Ritual trägt den Segen weiter in die Region“, erklärte ein Gläubiger, während das Kreuz erneut aus dem Wasser gehoben wurde und gerade in der heutigen Zeit ist dieser wichtiger denn je. (nb)







