Eltern in Haft: Landesfachstelle in NRW unterstützt Kinder von Inhaftierten

Die Landesfachstelle „Netzwerk Kinder von Inhaftierten NRW“ richtet digitale Kick-Off-Veranstaltung aus. 200 Fachpersonen aus Kinder- und Jugendhilfe, freier Straffälligenhilfe sowie Justiz und Justizvollzug nehmen teil.

Region – Muss ein Elternteil ins Gefängnis, ist das für dessen Kinder sehr belastend. Durch die Trennung sind Kontakte und Beziehungen zueinander nur schwer aufrecht zu halten. Negative Auswirkungen auf das Leben der Kinder sind keine Seltenheit. Vor diesem Hintergrund engagiert sich die Landesfachstelle „Netzwerk Kinder von Inhaftierten NRW“ für betroffene Mädchen und Jungen, indem sie eine landesweite Unterstützungsstruktur für Kinder von Inhaftierten aus- und aufbaut. Die Landesfachstelle ist ein Kooperationsprojekt der Landesjugendämter bei den Landschaftsverbänden Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) in Zusammenarbeit mit dem NRW-Ministerien für Justiz sowie für Kinder, Jugend und Familie in NRW.

Die im April letzten Jahres gegründete Landesfachstelle hat mit der Kick-Off-Veranstaltung den Startschuss für ihre konkrete Arbeit gegeben. Das Ziel ist es, die Vernetzung zwischen Kinder- und Jugendhilfe, freier Straffälligenhilfe sowie Justiz und Justizvollzug voranzutreiben. Die Landesfachstelle versteht sich als zentrale Anlaufstelle sowohl für Betroffene als auch für Fachkräfte. Im Fokus der Arbeit stehen zunächst die Haftanstalten an den Modellstandorten Willich und Bielefeld-Brackwede. Zukünftig sollen die Vernetzungsstrukturen dann schrittweise in ganz NRW ausgeweitet werden.

In Deutschland sind schätzungsweise 100.000 Kinder und Jugendliche von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen. Trotz dieser beeinträchtigenden Lebenslage sind Kinder von Inhaftierten bisher als vulnerable Gruppe kaum im Fokus. „Die Landesfachstelle möchte die Kinder von Inhaftierten aus dem Dunkelfeld der öffentlichen Wahrnehmung herausholen. Sie besetzt eine Leerstelle im System, indem sie Kinder- und Jugendhilfe sowie Justiz und Justizvollzug für die Bedürfnisse dieser Kinder sensibilisiert. Dadurch unterstützen wir betroffene Mädchen und Jungen gemeinsam frühzeitig, wirken psychischen Erkrankungen und Straffälligkeit bei ihnen entgegen und entlasten damit das System der Jugendhilfe als Ganzes“, erläutert Knut Dannat, LVR-Dezernent für Kinder, Jugend und Familie.

„Kinder inhaftierter Eltern sind nicht verantwortlich für die Straftaten ihrer Eltern. Sie leiden jedoch unter den Konsequenzen dieser Taten und benötigen eine besondere Unterstützung, um trotz ihrer Lebenslage ein gutes Leben führen zu können – und das vor, während und nach der Inhaftierung“, sagen Johanna Gravermann und Jutta Möllers vom LWL-Landesjugendamt Westfalen.
Gravermann und Möllers bilden zusammen mit Hartmut Gähl vom LVR-Landesjugendamt Rheinland das Fachberater:innenteam der Landesfachstelle „Netzwerk Kinder von Inhaftierten NRW“. „Mit der Landesfachstelle begleiten und unterstützen wir innovative Wege, um die Unterstützungs- und Angebotslandschaft auszubauen. Wir verstehen uns als zentrale Anlaufstelle sowohl für Betroffene, als auch für Fachkräfte“, erklärt Gähl.
Hintergrund

Neben fünf weiteren Landesinitiativen ist die Landesfachstelle in NRW Teil der Bundesinitiative „Netzwerk Kinder von Inhaftierten“ des Treffpunkt e.V. Die Bundes-, wie auch die Landesinitiativen werden von der Auridis Stiftung gefördert. (opm)

Das Team der Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten NRW: Johanna Gravermann (v.l.), Jutta Möllers (beide LWL-Landesjugendamt Westfalen) und Hartmut Gähl (LVR-Landesjugendamt Rheinland). Foto: LWL

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführender Link

 

 

 

Landesfachstelle Netzwerk Kinder von Inhaftierten – Nordrhein-Westfalen ‎

 

 

 

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