Am Mittwochnachmittag verwandelte sich der Sparkassenvorplatz in Viersen trotz des Regens in einen Ort des Protests und der Solidarität: Hier versammelten sich Tanzende, um mit jeder Bewegung ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen – Teil der globalen Aktion One Billion Rising.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz
Viersen – Die Aktion — initiiert von der Gleichstellungsbeauftragten Swantje Day in Kooperation mit der Stadt Viersen, der Diakonie Krefeld und Viersen sowie dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) — setzte ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.
Die Veranstaltung blieb bewusst niedrigschwellig: Es waren keine Tanzerfahrungen oder besondere körperliche Voraussetzungen nötig, jede und jeder konnte mitmachen. Vor Ort informierte zudem das Frauenzentrum Viersen über Hilfsangebote und Unterstützungsstrukturen; ein Infostand bot Materialien und Ansprechpartnerinnen für Gespräche an. Die Viersener Aktion war Teil eines bundesweiten Protesttages — in Deutschland schlossen sich bis zum 11. Februar 2026 insgesamt 141 Orte der Initiative an.

Tanzen statt schweigen: das Motto der Bewegung kam auch an diesem Nachmittag zur Geltung. Unter dem Leitgedanken „Women on Fire – Ni una menos“ verband die Aktion die Symbolkraft von innerer Entschlossenheit mit internationaler Solidarität. „Women on Fire“ stand für das innere Feuer — Leidenschaft, Mut und die Bereitschaft zu handeln —, während „Ni una menos“ (spanisch: „Nicht eine weniger“) auf die 2015 in Argentinien entstandene Bewegung gegen Femizide und geschlechtsspezifische Gewalt verwies. Diese Kombination machte deutlich: Es geht nicht nur um Sichtbarkeit, sondern um die Forderung nach Konsequenz und Prävention.
Die Choreografie der Veranstaltung war einfach gehalten und auf Gemeinsamkeit ausgelegt. Musik, rhythmische Schritte und klare, wiederkehrende Bewegungen bildeten auch im Regen einen einprägsamen Rahmen, mit dem die Teilnehmenden lautstark ihre Botschaft in den städtischen Raum trugen. Sicht- und Hörbarkeit waren ausdrücklich Ziel der Aktion: Tanz und Klang sollten Passantinnen und Passanten erreichen, zum Nachdenken anregen und Gespräche anstoßen.

Inhaltlich knüpfte die Viersener Aktion an die deutschen Schwerpunkte von One Billion Rising 2026 an: Ursachen patriarchaler Gewalt erkennen, benennen und bekämpfen sowie Prävention durch Empathieförderung. Unter dem Hashtag #RiseForEmpathy werden in der Kampagne Maßnahmen wie Empathie-Training, Life-Skills-Programme und gewaltfreie Kommunikation als Wege zur Prävention thematisiert. Die Botschaft lautete klar: Gewalt darf nicht nur als individuelles Vergehen betrachtet werden — es bedarf struktureller Bildung und frühzeitiger Intervention, damit Täterverhalten erst gar nicht entsteht. Wichtig war den Organisatorinnen und Organisatoren, nicht Opferbilder zu reproduzieren, sondern Empowerment und kollektive Kraft zu zeigen: leuchtende Körper in Bewegung statt statischer Darstellungen von Leid.
Organisatorisch war die Veranstaltung ein Zusammenspiel verschiedener lokaler Akteure. Die Stadt Viersen stellte den öffentlichen Raum zur Verfügung; Diakonie und SkF brachten fachliche Expertise und Beratungsangebote ein; das Frauenzentrum war mit Informationsmaterial und Ansprechpartnerinnen präsent. Die Gleichstellungsbeauftragte Swantje Day hatte zur Teilnahme eingeladen und zusammen mit den Partnern die Aktion beworben — mit dem Ziel, das Thema im Alltag sichtbar zu machen und eine breite Debatte über Prävention und gesellschaftliche Verantwortung anzustoßen.

Obwohl die Tanzdemo symbolisch und künstlerisch anlegte, knüpfte sie ausdrücklich an konkrete Forderungen: Mehr Aufmerksamkeit für Femizide, bessere Angebote für Betroffene, Ausbau präventiver Maßnahmen in Schulen und Gemeinden sowie eine verstärkte Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, die Gewalt begünstigen. Die Kampagne forderte, gesellschaftliche Ursachen ernsthaft anzugehen — von bildungspolitischen Maßnahmen bis hin zu Unterstützungsnetzwerken für Betroffene.
Gespräche wurden geführt, Kontakte geknüpft, Informationsblätter verteilt. Viersen hat mit seiner Teilnahme an One Billion Rising 2026 deutlich gemacht, dass das Thema Gewalt an Frauen und Mädchen nicht irgendwo draußen stattfindet, sondern mitten in der Stadt. Die Feuer-Metaphorik — leidenschaftlich, wärmend und verbindend — blieb auch nach dem letzten Takt spürbar: ein Ruf zur Empathie, zur Prävention und zur Solidarität — nicht nur an einem Tag, sondern dauerhaft. (nb)





