Hammer Bach: Willkommen bei Familie Biber

Ursprünglich bei einem Wiederansiedlungsprojekt in der Nordeifel freigelassen, hat der Biber einige Jahrzehnte gebraucht, doch nun ist er auch bei uns wieder heimisch. Am Hammer Bach sind seine Spuren unverkennbar, wenn er sanduhrenförmig den einen oder anderen Baum umnagt.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Dabei hatte es der Biber nicht leicht, wurde er doch im 19. Jahrhundert so sehr gejagt, dass er fast ausgerottet wurde. Ihr dichtes Fell war eine begehrte Trophäe und so verschwand der Biber deutschlandweit aus der heimischen Tier- und Naturwelt. Heute gehört der Biber zu den streng geschützten Arten und wurde bereits 1981 und 1989 in der Nordeifel zur Wideransiedlung ausgesetzt. Zwölf Tiere wurden damals in die Freiheit entlassen, wanderten über die Rur und die Maas in die Schwalm und von dort aus in die Niers und Nette – bis hin zum Hammer Bach an der Kreuzung Bachstraße/Neuwerker Straße. Nur selten und mit etwas Glück kann man den kunstfertigen Baumeister beobachten, ein Blick erfordert einiges an Wartezeit und Ruhe in den Abendstunden. Die Biologische Station Krickenbecker Seen freut sich über Bilder und Hinweise von aktuellen Sichtungen unter http://biber.bsks.de.

Foto: Rheinischer Spiegel

Die kleinen Nager, sehen dabei der Nutria und der Bisamratte sehr ähnlich und werden häufig verwechselt. Aus Amerika stammend sind sie mittlerweile weit verbreitet, sind wesentlich zutraulicher und kommen häufiger vor als der heimische Europäische Biber. Dennoch existieren einige wesentlichen Merkmale, die die Tiere unterscheiden – so ist der Biber mit einer Länge von durchschnittlich 1,30 m und einem Gewicht bis 30 kg nicht nur um einiges größer als die wesentlich kleineren Doppelgänger, auch der breite, abgeflachte Schwanz ist ein klares Merkmal des Bibers, denn die Schwänze der Nutria und der Bisamratte ähneln eben tatsächlich eher einer Ratte.

Da der Biber seinen Lebensraum gerne selbst gestaltet, muss der eine oder andere Baum dann schon einmal gefällt werden. Aus Ästen, Erde und Steinen bauen sie ihre Dämme, mit denen das Wasser gestaut wird. Selbst jedoch lebt der reine Pflanzenfresser in Erdbauten oder in sogenannten Knüppelburgen, deren Eingänge zum Schutz vor Feinden unter Wasser liegen.

Bereits 1997 wurde der erste Biber im niederrheinischen Kreis Viersen gesichtet, inzwischen leben ca. 30 Tiere in rund zwölf Revieren in der Schwalm, von den Niederlanden bis in den Kreis Heinsberg, der Niers und Nette. Tierschützer hoffen, dass er sogar mithelfen kann z. B. bei der Renaturierung der Niers laut EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese nämlich soll in großen Teilen wieder einen naturnahen Verlauf bekommen, weg von geraden Pappelalleen in gleicher Wuchshöhe und dem engmaschigen Korsett. Der Biber könnte ein natürlicher Helfer sein und der Niers wieder das zurückgeben, was die Niers sich ursprünglich im Laufe der Zeit hart erarbeitet hatte – bis sie auf den Menschen traf. (cs)