Hohe Nitratbelastung im Viersener Grundwasser

Der VSR-Gewässerschutz teilte interessierten Bürgern erneut mit, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Viele Menschen kamen, in der Hoffnung, nicht von den Nitratbelastungen betroffen zu sein, an den Informationsstand in Viersen.

Viersen/Kreis Viersen – Mehr als die Hälfte der Brunnenbesitzer wurde enttäuscht und musste erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist. Insgesamt wurde das Wasser von 16 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Viersen – Nettetal analysiert.

„Ein Grund für die hohen Belastungen ist die Zunahme der intensiven Landwirtschaft. Diese wollen viele Bürger inzwischen nicht mehr unterstützen und kaufen mehr Bio-Lebensmittel. Doch leider finden sie diese viel zu selten aus regionalem Anbau. Dabei trägt die ökologische Landwirtschaft nachweislich zur Verringerung der Nitratbelastung bei und verbessert die Qualität des Grundwassers deutlich“, so der VSR-Gewässerschutz.
Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass der Bauernverband die Betriebe bei der Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft unterstützt und so zu einer gewässerschonenden Bewirtschaftung der Ackerflächen beiträgt.

Den höchsten Nitratwert haben die Umweltschützer mit 114 Milligramm pro Liter (mg/l) in Lobberich festgestellt. Weitere stark belastete Brunnen fanden die Umweltschützer in Kaldenkirchen mit 78 mg/l, in Schaag mit 84 mg/l, in Hinsbeck mit 67 mg/l, in Dornbusch mit 104 mg/l, in Süchteln mit 74 mg/l, in Dülken mit 73 mg/l und in Beberich mit 92 mg/l.

Harald Gülzow analysiert eine Brunnenwasserprobe im Labormobil. Foto: Marc Gater

„Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die hohen Nitratwerte der Region. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Ihnen wurde durch ihr eigenes Ergebnis klar, wie stark das Grundwasser in ihrer Region bereits belastet ist und möchten eine Änderung“, erklärt der VSR-Gewässerschutz weiter. Auf einer interaktiven Nitratkarte veranschaulicht der VSR-Gewässerschutz wie stark die Nitratbelastung im Kreis Viersen mit anderen Regionen in Deutschland im Vergleich ausfällt. (www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung). Gerade in Gebieten mit intensiv bewirtschafteten Ackerflächen sei eine hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat nachzuweisen. Dagegen stelle die gemeinnützige Umweltschutzorganisation in Gegenden mit ökologisch bewirtschafteten Flächen geringere Nitratbelastungen im Grundwasser fest.

Dabei hätte die Landwirtschaft ein großes Potenzial, die produzierten Bio-Lebensmittel aus der Region selbst zu vermarkten. Für den Öko-Landbau biete sich dadurch eine große Perspektive. So hat NRW bereits einige Projekte ins Leben gerufen, die Verpflegung in Kantinen und Mensen auf Bio-Produkte umzustellen. Gerichte mit Biolebensmittel, bei denen zum Teil sogar bekannt ist von welchem Hof sie kommen, stehen hoch im Kurs. Eine Direktvermarktung der ökologisch produzierten Lebensmittel lohne sich für alle Beteiligten: Die Produkte haben kurze Transportwege und kommen frisch geerntet mit bester Qualität und ohne Verpackung in die Großküchen. Der Landwirt erhält einen fairen Preis, ist nicht abhängig von Zwischenhändlern und kann so den Fortbestand seines Betriebes sichern. Schlussendlich sei der größte Gewinner jedoch die Umwelt: Durch die schonende Bearbeitung der Ackerflächen werden Boden, Klima und Gewässer geschützt. Dies ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Artenvielfalt wieder zunehmen kann. Und das sei vielen Bürgern auch wichtig, wie die Gespräche am Informationsstand des Labormobils in Viersen gezeigt haben. (opm/paz)