Mehr Struktur im Garten: Warum klare Linien wieder an Bedeutung gewinnen

Lange Zeit wurden viele Gärten sehr frei gestaltet und sollten dabei auch nicht zu geplant erscheinen. In vielen Wohngebieten im Rheinland zeigt sich mittlerweile aber eine andere Entwicklung: Struktur, Abgrenzung und klare Formen kehren zurück. Das passiert aber nicht in Form von starren Konzepten.

Service – Vielmehr ist es eine Antwort auf die veränderten Nutzungsgewohnheiten, auf dichtere Bebauung und den Wunsch nach Ruhe. Der Garten entwickelt sich damit zunehmend zu einem bewusst gestalteten Raum, der klare Funktionen erfüllt.

Foto: wal_172619/Pixabay

Struktur als Reaktion auf verdichtete Wohnräume

Grundstücke sind heute zunehmend kleiner, die Blickachsen sind kürzer und die Bebauung wird dichter. Dadurch wächst der Wunsch nach klar definierten Außenbereichen, die Rückzug ermöglichen.

Eine gute Struktur hilft dabei, Orientierung zu schaffen und Bereiche voneinander zu trennen, ohne sie vollständig abzuschotten. Lineare Elemente spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. So sorgen hölzerne Zaunelemente mit klarer Linienführung dafür, dass Außenbereiche übersichtlich bleiben und trotzdem offen wirken. Die Funktion ist auf diese Weise vollkommen klar, ohne dass die Strukturierung unnötig dominant wirkt.

Ordnung im Grünen als gestalterische Entscheidung

Struktur im Garten entsteht aus bewussten Entscheidungen. So sind gradlinigere Verläufe und klare Konturen kein Selbstzweck, sondern die Übergänge werden dadurch deutlich markiert. Diese Ordnung wirkt nicht kühl, sondern sie schafft Ruhe. Insbesondere in Gärten, die täglich genutzt werden, zeigt sich deutlich der Vorteil einer solchen klaren Gestaltung. Dabei werden unter anderem die folgenden typischen Elemente eingesetzt:

  • geradlinige Wege mit festen Kanten
  • klar abgegrenzte Sitz- und Nutzbereiche
  • gleichmäßige Materialien ohne starke Kontraste
  • reduzierte Farbpaletten

Solche Strukturen lassen Freiraum für Pflanzen, ohne den Garten beliebig wirken zu lassen.

Der Garten als funktionaler Lebensraum

Früher stand beim Garten oft die reine Optik im Vordergrund. Heute dagegen wird vermehrt funktional gedacht. Der Garten ist Rückzugsort, Arbeitsraum, Treffpunkt und Ausgleichsfläche zugleich. Diese unterschiedlichen Nutzungen finden oftmals parallel zueinander statt. Durch klare Linien und weitere Rückzugsorte wie zum Beispiel kleine Gartenhäuser können sie dennoch gut getrennt werden. Ein strukturierter Garten kann somit verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen, ohne dass sich die einzelnen Bewohner dabei gegenseitig stören.

Klare Linien als Gegenpol zur Dauerbewegung

Der moderne Alltag vieler Menschen ist stark von Reizen und ständiger Erreichbarkeit geprägt. Daher übernimmt der Garten zunehmend die Rolle eines stillen Gegenpols. Durch klare Linien kann dieser Effekt zusätzlich unterstützt werden. Sie reduzieren die visuelle Unruhe und wirken dadurch entschleunigend. Statt vieler kleiner Details treten nun größere Flächen und eindeutige Formen in den Vordergrund. Das Auge findet Halt, und gleichzeitig ist durch die Pflanzen Lebendigkeit vorhanden. Oft ist es gerade diese Kombination aus Beständigkeit und natürlicher Entwicklung, die den Reiz ausmacht. Ordnung wird dabei nicht als eine Einschränkung erlebt, sondern sorgt für einen stabilen Rahmen.

Struktur als langfristige Perspektive

Die klare Gestaltung im Garten ist auch eine Frage der Beständigkeit. Strukturelle Elemente altern nur langsam und lassen sich bei Bedarf anpassen, erweitern oder neu interpretieren, ohne dass sie dadurch ihren Charakter verlieren. Ist im Garten eine klare Grundordnung vorhanden, vertragen sich auch neue Elemente in der Regel gut mit dem bestehenden Gesamtbild. Struktur soll hier keine Starrheit erzwingen, sondern vielmehr wie ein leises Versprechen auf Verlässlichkeit wirken. Gerade in Zeiten, in denen sich Wohn- und Lebensformen schneller verändern, ist dies beruhigend und kann die Lebensqualität maßgeblich erhöhen. (opm)