Im Rahmen des 3. Internationalen Orgelfestivals in Viersen-Dülken wurde dem Publikum ein bewegendes und historisches Konzert geschenkt: Die große Montserrat Torrent Serra, eine lebende Legende der europäischen Orgelkunst, trat mit 99 Jahren in der Kirche St. Cornelius auf – und hinterließ ein tief berührtes und staunendes Publikum.
Viersen-Dülken – Es war ein symbolischer und emotionaler Rückkehrmoment: Noch vor wenigen Wochen war der Projektchor St. Cornelius unter der Leitung von Giovanni Solinas in Barcelona, um anlässlich ihres Geburtstages ein festliches Konzert zu Ehren der Künstlerin mitzugestalten. Nun war Montserrat Torrent Serra in Viersen zu Gast – ein musikalischer Kreis, der sich auf eindrucksvolle Weise schloss.
Zusammen mit ihrem ehemaligen Schüler Giovanni Solinas, Kantor der Pfarrei St. Cornelius und Peter, präsentierte sie ein besonderes vierhändiges Orgelprogramm, das Generationen, Kulturen und Klangwelten miteinander verband.
Das Programm führte durch verschiedene Epochen und Stile mit einem Schwerpunkt auf der Wiener Klassik: Zu hören waren unter anderem die beiden Fantasien in f-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 494 und KV 608), die eindrucksvolle vokale Fuge in g-Moll KV 401 sowie selten gespielte Stücke für mechanische Orgel von Ludwig van Beethoven. Ergänzt wurde das Konzert durch solistische Werke von Johann Sebastian Bach und dem spanischen Komponisten José Lidón.
Die Kirche St. Cornelius war außergewöhnlich gut besucht: Rund 300 Personen kamen, um die große Künstlerin live zu erleben. Das Publikum verfolgte das Konzert in gespannter Stille und wachsendem Staunen – am Ende gab es lang anhaltenden Applaus und sichtlich gerührte Standing Ovations.
Inmitten dieses bewegenden Moments hörte man leise Stimmen im Publikum: „Das Konzert war für mich ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis und wunderschön“, sagte Astrid, die mit glänzenden Augen den Applaus begleitete. Besonders beeindruckt habe sie das harmonische Zusammenspiel der beiden Musiker. „Da wir alles auf einer Leinwand beobachten konnten, bekamen wir einen wunderbaren Eindruck davon, wie gut sie aufeinander eingespielt sind. Es war wirklich etwas ganz Besonderes.“
Auch Emmi, 93 Jahre alt, zeigte sich tief bewegt. Mit fester Stimme sagte sie nach dem Konzert: „Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass Musik heilende Kräfte hat. In einem langen Leben sind schwere Zeiten für jeden von uns vorbestimmt. Montserrat Torrent Serra hat uns einen unvergesslichen Eindruck ihrer Kunst geschenkt – dafür bin ich sehr dankbar.“
Unter den Zuhörenden war auch Schwester Prameela, die sich nach dem Konzert sichtlich gelöst zeigte: „Ich bin tief beeindruckt – es war nicht nur musikalisch wunderschön, sondern auch ein bewegendes Zeugnis von Lebenskraft und Leidenschaft. Ich konnte mich vollkommen entspannen. Vielen Dank für dieses besondere Erlebnis.“
Besonders bemerkenswert war, wie sehr auch das jüngere Publikum berührt wurde. Hugo, 14 Jahre alt, selbst junger Musiker, fasste es begeistert zusammen: „Das Konzert hatte für mich als junger Mensch eine ganz besondere Seite. Montserrat Torrent macht in ihrem Alter noch Musik – und das mit so viel Energie! Das ist fast schon ansteckend.“ Sein Freund Paul (16) ergänzte mit leuchtenden Augen: „Ich fand das Konzert extremst toll – wie die beiden zusammen gespielt haben, das hat mich wirklich begeistert.“
Auch Michael Hennen, PolPfr. und PfV., teilte seine Eindrücke: „Mit den anderen KonzertbesucherInnen habe ich die Freude über das vierhändige Orgelkonzert geteilt, die Geistesverwandtschaft der älteren Künstlerin mit Ihnen (Giovanni Solinas) und nicht zuletzt Ihren Dank an sie sowie die anrührende Geste ihres Dankes an Sie. Durch die Videokamera wurde das gesamte Publikum Zeuge, dass ihre körperliche und geistige Fitness es ihr ermöglichte, auch im biblischen Alter von 99 Lenzen ihr in Jahrzehnten erworbenes Können zu zeigen. Sie hat sich natürlich auch selbst ein Geschenk gemacht, mit Ihnen an der Orgel vierhändig dieses Können uns zu präsentieren. Es war ein Gewinn für alle.“
Montserrat Torrent Serra zeigte eine außergewöhnliche Konzentration und eine meisterhafte musikalische Ausdruckskraft – jede Geste, jede Phrase war erfüllt von Leben, Erfahrung und Tiefe. Giovanni Solinas begegnete ihr mit großem Respekt und künstlerischer Leidenschaft; es entstand ein musikalischer Dialog, geprägt von Wechseln, Solo-Momenten und gemeinsamen Passagen.
So wurde dieser Abend mehr als ein Konzert – er wurde zu einem Akt der Dankbarkeit gegenüber dem Leben, der Musik und der Kunst. Ein Ereignis, das Menschen unterschiedlichster Herkunft, Generation und Perspektive in der gemeinsamen Sprache der Musik verbunden hat. (opm)





