Preisträger des Heimat-Preises 2025 in Viersen feierlich ausgezeichnet

Im historischen Saal des alten Rathauses an der Bahnhofstraße hat Bürgermeister Christoph Hopp am gestrigen Dienstag drei Einrichtungen geehrt, die nach dem Urteil der Jury in besonderer Weise für Zusammenhalt, lokale Verbundenheit und gelebte Mitmenschlichkeit stehen. Der Heimat-Preis, den das NRW-Heimatministerium jährlich auslobt und mit insgesamt 5000 Euro fördert, ging in diesem Jahr an die Hospizinitiative Kreis Viersen, das DORV-Zentrum Boisheim und die Kolpingsfamilie Süchteln.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming

Viersen – Den ersten Preis erhielt in diesem Jahr die Hospizinitiative Kreis Viersen. Bürgermeister Christoph Hopp widmete der Arbeit des Vereins eine ausführliche Würdigung und stellte dabei drei Angebote in den Mittelpunkt, die für unzählige Menschen in schweren Lebensphasen zu wichtigen Anlaufstellen geworden sind: der Trauerspaziergang, das Trauer-Begegnungscafé und die Trostmahlzeit. Diese Formate würden, so der Bürgermeister, nicht nur Räume für Trauer, sondern ebenso für Begegnung, Vertrauen und Mitmenschlichkeit schaffen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Jury habe sich überzeugt für die Hospizinitiative ausgesprochen, wie Hopp weiter erklärte. Diese würdigte insbesondere, dass der Verein seit vielen Jahren die Ausbildung von Trauerbegleitenden ermöglicht und damit Bürgerinnen und Bürger befähigt, anderen in Schmerz und Verlust beizustehen. Alle Angebote seien kostenlos zugänglich – unabhängig von Herkunft, Kultur, Religion oder Weltanschauung. Dieser offene Ansatz, der niemanden ausschließt, sei ein bedeutender Ausdruck gelebter Solidarität. Die Hospizinitiative, so Hopp, stehe für ein „mitfühlendes Miteinander“ und helfe Menschen dabei, aus der Einsamkeit wieder Schritte in ein geschütztes soziales Umfeld zu finden. Für den ersten Platz erhält der Verein 2500 Euro.

Der zweite Preis und 1500 Euro gingen an das DORV-Zentrum Boisheim – ein Treffpunkt, der im Stadtteil längst zu einem festen sozialen Mittelpunkt geworden ist. Christoph Hopp erinnerte in seiner Rede an die Feier zum zehnjährigen Bestehen des Boisheimer Dorfladens, bei der sich der Platz vor der Kapelle dicht mit Menschen gefüllt habe. Dieses Bild, sagte er, stehe sinnbildlich für ein Engagement, das alle Generationen erreicht und den Stadtteil zu einem Ort der Begegnung mache.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Das DORV-Zentrum sei weit mehr als ein Laden oder Versorgungsangebot. Es sei ein Projekt, das von vielen Ehrenamtlichen getragen werde und das Selbstverständnis des Stadtteils maßgeblich prägt. Besonders hob der Bürgermeister den traditionell am dritten Donnerstag im Dezember stattfindenden Dorfabend hervor. Zahlreiche Vereine und Organisationen – darunter die St.-Petri-Schützenbruderschaft 1622, der TV Boisheim, der TSV Boisheim, die Karnevalsgesellschaft Ki Ka Kai a, der St.-Martinsverein, der Bürgerverein und die Freiwillige Feuerwehr – gestalteten diesen Abend gemeinsam mit dem DORV-Zentrum und machten ihn zu einem jährlichen Höhepunkt. Ergänzt werde das Programm durch einen Weihnachtsbasar, an dem sich viele private Initiativen beteiligen. Dass all dies über mehr als ein Jahrzehnt zu einer Erfolgsgeschichte geworden sei, die sogar landesweit Anerkennung finde, zeige, welche Kraft Gemeinschaft entwickeln könne.

Den dritten Platz und 1000 Euro erhielt die Kolpingsfamilie Süchteln für ihr Projekt „Apfelbänke für Süchteln“. Die Idee entstand im Herbst 2024 aus der Arbeit des Seniorenkreises, der sich seit Langem gegen Vereinsamung im Alter engagiert. In einer Kolping-Werkstatt wurden zwei robuste Holzbänke gefertigt, deren Seitenteile in Form leuchtend roter Apfelscheiben gestaltet sind. Was zunächst als optisch ansprechende Sitzgelegenheit gedacht war, entwickelte sich schnell zu einem sozialen Impulsgeber im öffentlichen Raum.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auf dem Propsteiplatz wurden die Apfelbänke zu Treffpunkten, an denen sich Menschen spontan niederließen, ins Gespräch kamen und Zeit miteinander verbrachten. Durch kurze, offen gestaltete Einladungen – die sogenannten „Viertelstündchen an der Apfelbank“ – entstand ein wachsendes Netzwerk aus Begegnungen. Lesungen, kleine Apfelspiele, selbst gebackener Kuchen und der ungezwungene Austausch hätten, so Hopp, innerhalb weniger Wochen eine neue Form nachbarschaftlicher Nähe geschaffen. Das Projekt, das durch die Volksbank, den Innenstadtfonds und die Kolpingsfamilie getragen werde, passe hervorragend zum Charakter Süchtelns, der von Offenheit und lokalem Zusammenhalt geprägt sei.

Der Heimat-Preis in Viersen basiert auf dem Förderprogramm „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“. Ziel des Landes ist es, regionale Besonderheiten sichtbar zu machen und den Wert lokaler Identität zu stärken. Kriterien für eine Auszeichnung sind vielfältig: Sie reichen vom Erhalt kultureller Traditionen über Maßnahmen der Geschichtsvermittlung bis hin zu Projekten, die das Zusammenleben attraktiver gestalten, Solidarität festigen oder Natur und Landschaft schützen. Ebenso berücksichtigt werden Initiativen, die Jugendliche einbinden, Inklusion fördern oder in besonderer Weise nachbarschaftliches Engagement zeigen.

Für die Stadt Viersen ist entscheidend, dass die prämierten Projekte vor Ort stattfinden, gemeinnützig sind und allen Menschen offenstehen. Die diesjährigen Preisträger erfüllen diese Anforderungen auf eindrucksvolle Weise. Sie zeigen, dass Heimat kein abstrakter Begriff ist, sondern dort entsteht, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen und das alltägliche Miteinander aktiv gestalten. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming