Die 38. Dreiband-Team-Weltmeisterschaft in der Viersener Festhalle hat am Freitagabend ein weiteres Kapitel an Spannung geschrieben.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Viersen – Als die letzten Bälle über die Tische liefen und das Murmeln im Rund in atemlose Stille überging, stand für die deutsche Auswahl ein 2:2 gegen Vietnam zu Buche – ein Resultat, das nüchtern betrachtet die Ausgangslage vor dem abschließenden Gruppenspiel am Samstagmorgen offenhält, dessen Zustandekommen jedoch von bemerkenswerter Dramaturgie war.

Nach dem Auftakterfolg gegen Frankreich war das Duo mit Martin Horn und Amir Ibraimov in seine zweite Begegnung gegangen, wissend um die Bedeutung eines weiteren Punktgewinns. Beide Partien entwickelten sich zu taktisch geprägten Duellen auf höchstem Niveau, in denen sich keiner der vier Akteure entscheidend abzusetzen vermochte. Die Begegnungen blieben bis in die Schlussaufnahmen hinein auf Messers Schneide.
Martin Horn traf auf Quyet Chien Tran, einen der profiliertesten Vertreter des vietnamesischen Dreibandsports. Über weite Strecken lieferten sich beide ein enges Rennen, das von kurzen, präzise gesetzten Serien und kontrolliertem Positionsspiel geprägt war. Immer wieder konterten sie einander, Fehler wurden umgehend bestraft, Vorteile blieben flüchtig. In der entscheidenden Phase gelang es Tran, sich den minimalen Vorsprung zu sichern, den er mit 40:38 ins Ziel brachte. Horn hatte bis zuletzt Anschluss gehalten, musste sich am Ende jedoch um zwei Punkte geschlagen geben.

Parallel dazu stand Amir Ibraimov unter besonderer Beobachtung. Der junge Deutsche sah sich mit Tran Thanh Tu Nguyen einem deutlich erfahreneren Kontrahenten gegenüber. Nguyen spielte abgeklärt, nutzte kleinere Ungenauigkeiten seines Gegenübers und lag in der Schlussphase mit 38:36 in Führung. Was folgte, war eine Demonstration von Nervenstärke: Ibraimov zwang seinen Gegner in die Defensive, erarbeitete sich die notwendigen Positionen und drehte mit zwei präzisen Aufnahmen die Partie zum 40:38-Erfolg. Der Ausgleich zum 2:2 war damit perfekt.
Mit einem Sieg und einem Unentschieden aus zwei Begegnungen geht die deutsche Mannschaft nun in das abschließende Gruppenspiel gegen Mexiko. Die Lateinamerikaner hatten sich zuvor von Frankreich mit 2:2 getrennt. Für Deutschland würde eine weitere Punkteteilung genügen, um den Einzug ins Viertelfinale zu sichern. Die Entscheidung fällt heute Vormittag.
Während in Gruppe B noch gerechnet wird, sind andernorts bereits Fakten geschaffen worden. Titelverteidiger Niederlande hat seine Vorrundengruppe als Erster abgeschlossen. Am Vormittag hatten sich Dick Jaspers und Glenn Hofman von Schweden 2:2 getrennt, ehe sie am Abend gegen Belgien ihre ganze Klasse aufboten. In beiden Einzeln erspielten sich die Niederländer frühzeitig Vorteile, die sie mit hoher Konzentration verwalteten. Das Resultat war ein klares 4:0, das keine Fragen offenließ.
Schweden seinerseits wahrte ebenfalls seine Ambitionen. Gegen Griechenland setzte sich die skandinavische Auswahl deutlich mit 4:0 durch. Torbjörn Blomdahl brachte sein Team in Führung, David Pennor legte nach. Dimitrios Seleventas hatte im Duell mit Pennor noch die Gelegenheit, zumindest zu verkürzen, verfehlte jedoch im Nachstoß den entscheidenden vierzigsten Punkt knapp. So blieb es beim souveränen Auftritt der Schweden, die gemeinsam mit den Niederlanden in die Runde der letzten Acht einziehen.
Eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse ergab sich in der Gruppe mit spanischer Beteiligung. Nach zwei Spieltagen noch in Front liegend, musste Spanien im abschließenden Match gegen die USA eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Sergio Jimenez und Ruben Legazpi fanden nie vollständig zu ihrem Rhythmus, während Pedro Piedrabuena und Raymon Groot die sich bietenden Gelegenheiten konsequent nutzten. Ohne spektakuläre Höchstserien, aber mit beständiger Präzision erspielten sich die Amerikaner in beiden Partien klare Vorteile. Zwei Einzelgewinne führten zu einem 4:0, das den USA nicht nur den Tagessieg, sondern auch den Gruppensieg einbrachte – Spanien rutschte auf Rang zwei.
Im Duell zwischen Südkorea und Ägypten endete der Wettkampf mit einem 2:2. Beide Mannschaften hatten sich mehr erhofft, doch die Punkteteilung reichte weder der einen noch der anderen Seite zum Weiterkommen.

Unangefochten präsentiert sich bislang die Türkei in Gruppe A. Tayfun Tasdemir und Berkay Karakurt setzten sich gegen Kolumbien mit 4:0 durch. Tasdemir kontrollierte sein Match gegen Pedro Gonzalez, indem er sich kontinuierlich einige Punkte Vorsprung erarbeitete und diesen bis zum Schluss verteidigte. Karakurt wiederum demonstrierte gegen Huberney Catano seine Klasse mit einer Serie von 13 Punkten – die höchste des Tages – und gewann letztlich deutlich mit 40:26 in zwanzig Aufnahmen. Auch im Parallelspiel zwischen Jordanien und Japan wurde geteilt: 2:2 lautete das Endergebnis, nachdem Takao Miyashita eine bereits verloren geglaubte Partie gegen Ahmed Al Ghababsheh noch zu seinen Gunsten gewendet hatte.
Die Resultate des zweiten Turniertages im Überblick: Niederlande – Schweden 2:2; Griechenland – Belgien 0:4; Deutschland – Vietnam 2:2; Mexiko – Frankreich 2:2; Türkei – Kolumbien 4:0; Jordanien – Japan 2:2; Spanien – USA 0:4; Ägypten – Südkorea 2:2; Niederlande – Belgien 4:0; Griechenland – Schweden 0:4. (nb)





