Telekom baut Netz in Dülken aus – Süchteln wehrt sich gegen Funkmast

Mit einem neu errichteten Mobilfunkstandort sowie der technischen Aufrüstung eines weiteren Sendemastes auf 4G und 5G hat die Deutsche Telekom die Netzqualität im Kreis Viersen weiter verbessert.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz

Viersen-Dülken/Süchteln – Nach Unternehmensangaben steigt die Versorgung dadurch auf nun rund 95 Prozent der gesamten Kreisfläche. Der neue Standort befindet sich an der Dülkener Brabanter Straße, Ecke Wacholderweg. Auch entlang der Bahnstrecke Nordrhein-Westfalen-West und der Autobahn A61 wurde die Netzabdeckung durch die jüngsten Maßnahmen spürbar verdichtet.

Der Mobilfunkausbau, so betont eine Unternehmenssprecherin, sei angesichts einer jährlichen Steigerung des Datenbedarfs um etwa 30 Prozent zwingend notwendig. Im gesamten Kreis betreibt die Telekom inzwischen 115 Standorte. In den kommenden drei Jahren sollen weitere 16 Anlagen neu entstehen und 35 bestehende Standorte zusätzliche Kapazitäten für 4G und 5G erhalten. Die Funkstandorte unterstützen notfallrelevante Technologien wie Advanced Mobile Location (AML) und Cell Broadcast, wodurch sowohl die automatische Standortübermittlung bei Notrufen als auch die Versendung offizieller Warnmeldungen möglich ist.

Damit der Ausbau zügig vorankommt, ist die Telekom auf Flächen in kommunaler oder privater Hand angewiesen. Vermieter stellen Grundstücke oder Dachflächen zur Verfügung und erhalten dafür eine ortsübliche Miete. Die Deutsche Funkturm, die sämtliche Mobilfunkstandorte der Telekom plant und errichtet, nimmt entsprechende Angebote entgegen.

Gleichzeitig sorgt ein neuer, mehr als 25 Meter hoher Mast im Viersener Stadtteil Süchteln weiterhin für erheblichen Unmut. Das Bauwerk, das auf einem privaten Grundstück nahe der Mosterzstraße entstanden ist und nur wenige Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt steht, wurde von zahlreichen Anwohnern erst bemerkt, als der Mast bereits sichtbar aus dem Boden ragte. Hinweise auf das Vorhaben oder gut erkennbare Baustellensicherungen fehlten zu Beginn. Viele Menschen im Quartier zeigten sich überrascht, teilweise auch verärgert über die fehlende Information.

Wie die Viersener Bauaufsicht erläutert, handelt es sich um ein verfahrensfreies Projekt. Für Funkmasten im Außenbereich ist demnach keine klassische Baugenehmigung nötig, solange technische Vorgaben und Abstandsflächen eingehalten werden. Die Kontrolle liegt in solchen Fällen nicht bei der Kommune, was auch die Stadt Viersen bestätigt. Diese Regelung sorgt bei vielen Betroffenen für Kopfschütteln, zumal sich in unmittelbarer Nähe zwei Kitas sowie eine Schule befinden. Neben gesundheitlichen Bedenken werden auch optische Beeinträchtigungen und mögliche Wertverluste der Immobilien angeführt. Zahlreiche Anwohner betonen, dass sie den Netzausbau grundsätzlich befürworten, jedoch eine so wohnortnahe Platzierung ablehnen.

Zudem verweisen Bürger auf ein nahegelegenes Baudenkmal. Einige sind der Ansicht, dass der Standort aus denkmalrechtlichen Gründen genehmigungspflichtig sein müsste. Die Stadt verweist jedoch auf die Mobilfunkvereinbarung von 2020, in der Netzbetreiber verpflichtet sind, geplante Standorte frühzeitig mitzuteilen und Alternativen zu prüfen. Aus einer Antwort der Verwaltung geht hervor, dass seit 2021 ein intensiver Austausch mit dem Betreiber stattfand. Die Stadt habe mehrfach ihre Bedenken formuliert und alternative Standorte vorgeschlagen. Diese seien geprüft, aber verworfen worden. Auch ein letztes Gesprächsangebot sei ergebnislos geblieben. Über den tatsächlichen Baubeginn wurde die Stadt demnach erst informiert, als die Bauarbeiten bereits liefen.

Da der Mast auf Privatgrund errichtet wird und das Baurecht nur begrenzt Handlungsmöglichkeiten bietet, sieht sich die Verwaltung an rechtliche Grenzen gebunden. Nach eigener Darstellung habe sie sämtliche zulässigen Schritte ausgeschöpft, um Einfluss auf den Standort zu nehmen.

Hiergegen wehrt sich die Telekom, die eine Stellungnahme herausgegeben hat: „Für den nun errichteten Mobilfunkmast in Viersen-Sittard 10 hat die Deutsche Telekom den Standort in enger und regelmäßiger Abstimmung mit der Stadt gesucht und festgelegt. Dabei haben wir der Kommune am 25.11.2021 erstmals ein Suchgebiet in Sittard gemeldet, woraufhin die Stadt am 06.12.2021 bat, auch Flächen südlich des Suchgebietes zu prüfen. Eigene Vorschläge hat die Kommune uns jedoch nicht unterbreitet.

Nach aufwändiger, beinahe zweijähriger Suche informierten wir am 05.09.2023 über einen technisch geeigneten Standort. Dabei handelt es sich um den nun realisierten Masten.
Die Stadt antwortete darauf am 15.09.2023 mit zwei weiteren Standortvorschlägen außerhalb des Suchgebietes. Am 18.09.2023 teilten wir mit, dass die Suche abgeschlossen sei. Am 17.10.2023 baten wir wegen ausbleibender Antwort erneut um Rückmeldung, worauf die Stadt am 19.10.2023 auf die nächste Sitzung verwies.

Am 06.11.2023 fragten wir nochmals nach. Am 05.12.2023 erkundigten wir uns ein weiteres Mal, nachdem uns der Mobilfunkkoordinator des Kreises von einem städtischen postalischen Schreiben berichtete, das uns bis dahin nicht zugegangen war. Noch am selben Tag erhielten wir per E-Mail das Schreiben der Stadt mit Bedenken zum gefundenen Grundstück und der erneuten Nennung zweier Alternativen.

Am 05.03.2024 teilten wir der Stadt mit, dass beide Alternativen nach finaler Prüfung verworfen werden mussten, da sie außerhalb bzw. zu sehr am Rand des Suchgebietes lagen und damit zu nahe an Bestandsstandorten. Die funktechnische Eignung der Alternativvorschläge war daher nicht zufriedenstellend bzw. gar nicht gegeben und die gewünschte Verbesserung der Mobilfunkversorgung vor Ort wäre so nicht bzw. nicht in dem angestrebten Maße erreicht worden.
Vor diesem Hintergrund weisen wir den Eindruck zurück, der Mast sei überraschend und ohne Information entstanden – die Abstimmung mit der Stadt erfolgte fortlaufend, schriftlich dokumentiert und entlang der üblichen Verfahren. Ebenso sind die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandswerte selbstverständlich eingehalten worden.“

In Süchteln hat sich inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet, die eine Petition sowohl an den Landtag NRW als auch an den Bundestag vorbereitet. Ihr Ziel ist es, die Standortwahl erneut prüfen zu lassen und künftig mehr Beteiligungsrechte für Anwohner zu erreichen. Am kommenden Samstag wollen Vertreter der Initiative den Mast gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Hopp in Augenschein nehmen. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz