Eine ausverkaufte Halle, drängende Vorfreude schon lange vor Konzertbeginn und schließlich eine Künstlerin, die mit unerschütterlicher Energie und entwaffnender Nahbarkeit das Publikum in Besitz nimmt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Sabine Jandeleit
Köln – Amy Macdonald hat mit ihrem Auftritt im Kölner Palladium eindrucksvoll unter Beweis gestellt, weshalb sie seit beinahe zwei Jahrzehnten zu den konstantesten Stimmen des europäischen Folkrock zählt. Die Rheinmetropole war eine Station ihrer aktuellen „Is This What You’ve Been Waiting For?“-Tour – jener Konzertreise, die ihr gleichnamiges sechstes Studioalbum begleitet.

Schon früh am Abend war das Palladium bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 4000 Besucher drängten sich in der Halle, viele von ihnen sichtlich mit den Songs der Schottin aufgewachsen. Noch bevor der Hauptact die Bühne betrat, eröffnete die Formation Better Joy den Abend. Im Zentrum steht die aus Manchester stammende Sängerin Bria Keely, die mit „What a Day“ begann – einem Stück, das sich mit Generationentrauma auseinandersetzt. Keely sprach offen über familiäre Prägungen und die Weitergabe seelischer Wunden, doch musikalisch wählte sie einen energetischen Zugriff: treibende Rhythmen, changierende Gitarrenflächen, eine Stimme zwischen Melancholie und Aufbruch. Die halbstündige Darbietung verband düstere Themen mit jugendlicher Leichtigkeit, ehe sich die Band unter herzlichem Applaus verabschiedete.

Punkt 20 Uhr dann der Moment, auf den die Menge gewartet hatte. Unter lautem Jubel betrat Amy Macdonald die Bühne, die Akustikgitarre umgehängt, die Band hinter sich. Ohne Umwege setzte sie mit dem Titelsong „Is This What You’ve Been Waiting For?“ ein – kraftvoll, direkt, mit jener Mischung aus rauer Klarheit und melodischer Eingängigkeit, die ihr Markenzeichen geworden ist. Die 1987 im schottischen Bishopbriggs geborene Musikerin, die mit zwölf Jahren – beeinflusst unter anderem von Travis – zur Gitarre fand und einen Auftritt von Pete Doherty als prägendes Erlebnis beschreibt, zeigte sich an diesem Abend in Hochform. Gut gelaunt, publikumsnah und mit trockenem schottischem Humor kommentierte sie zwischen den Songs das Tourleben. „Willkommen Köln“, sagte sie auf Deutsch und schob augenzwinkernd hinterher, dass sie sich jedes Mal freue, wenn sie hier spiele.
Musikalisch spannte das Konzert einen Bogen durch nahezu alle Schaffensphasen. Von den frühen Erfolgen wie „Mr Rock & Roll“ und „This Is the Life“ bis zu späteren Stücken aus „The Human Demands“ und dem aktuellen Album reichte das Repertoire. „Don’t Tell Me That It’s Over“ entfaltete seine hymnische Wucht, während „Slow It Down“ zu einem kollektiven Mitsingmoment geriet: Macdonald dirigierte förmlich die Backing Vocals des Publikums, das mit sichtlicher Begeisterung einstimmte.

Dass sie im Vereinigten Königreich jüngst für das neue Album mit einem Scottish Music Award ausgezeichnet wurde, wirkte angesichts dieser Bühnenpräsenz folgerichtig. Die Band agierte eingespielt und druckvoll, Gitarren und Schlagzeug verliehen selbst den ruhigeren Passagen eine tragfähige Dynamik. Immer wieder suchte Macdonald die Nähe zum Publikum, trat an den Bühnenrand, kniete sich nieder, warf Plektren in die ersten Reihen. Der federnde Rhythmus, der Anklänge an schottische Folktraditionen erkennen ließ, verband sich mit rockiger Direktheit. Die Halle klatschte im Takt, tanzte, sang – die Stimmung war durchweg ausgelassen.
Als während „Can You Hear Me?“ ein medizinischer Notfall im vorderen Bereich Aufmerksamkeit erforderte, unterbrach Macdonald das Konzert umgehend. Die Musik verstummte, Sanitäter bahnten sich ihren Weg, erst nach Entwarnung wurde der Auftritt fortgesetzt. Am Ende stand ein Abend, der von überschäumender Stimmung, musikalischer Präzision und spürbarer Freude am gemeinsamen Erleben geprägt war. Köln erwies sich als begeisterungsfähige Station einer Tournee, die eindrucksvoll zeigt, dass Amy Macdonald auch nach fast zwanzig Jahren Karriere nichts von ihrer Energie und Bühnenlust eingebüßt hat. (sk)





