Stimmen einer Generation – Bob Geldof und die Kraft der Boomtown Rats

Mönchengladbach erlebte am Dienstagabend einen besonderen kulturellen Höhepunkt: Sir Bob Geldof gastierte gemeinsam mit der vollständigen Originalbesetzung der Boomtown Rats in der NEW Box. Anlass war nicht nur ein exklusiver Auftritt des irischen Musikers, sondern auch das 50-jährige Bestehen seiner Band – eingebettet in ein Veranstaltungsformat, das Gespräch und Konzert miteinander verband und zahlreiche Besucher anzog.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Sabine Jandeleit

Mönchengladbach – Bereits zu Beginn des gestrigen Abends stand in der NEW Box nicht die Musik, sondern das Wort im Mittelpunkt. Bob Geldof nahm sich Zeit für einen ausführlichen Talk, moderiert von Jaka Bizilj, in dem er Stationen seines Lebens und seiner außergewöhnlichen Laufbahn beleuchtete. Der 74-Jährige sprach offen über seine Herkunft, frühe Prägungen und die Jahre, in denen er mit Schulfreunden erste musikalische Schritte wagte. Aus der zunächst gegründeten Formation „The Nightlife Thugs“ entwickelte sich 1975 in Dún Laoghaire schließlich die Band, die unter dem Namen The Boomtown Rats internationale Bekanntheit erlangen sollte. Der neue Name, inspiriert von der Bezeichnung für Arbeiter in Ölfeldern aus der Autobiografie von Woody Guthrie, markierte den Beginn einer Karriere, die weit über die Grenzen Irlands hinausreichen sollte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit

Im Gespräch schilderte Geldof eindrücklich, wie ihn das Gefühl des Alleingelassenseins in seiner Jugend antrieb, einen eigenen Weg zu suchen. Musik wurde für ihn früh ein Ventil, aber auch ein Mittel, gesellschaftliche Themen zu verarbeiten. Er berichtete von musikalischen Einflüssen durch Bands und Künstler wie die Rolling Stones, The Who, The Police und Bob Marley, deren Stilrichtungen und Haltungen seine eigene Arbeit nachhaltig prägten. Auch die Entstehungsgeschichte des Songs „I Don’t Like Mondays“, einem der bekanntesten Titel der Boomtown Rats, kam zur Sprache und gab dem Publikum Einblicke in die Hintergründe eines Welthits.

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit

Neben der Musik nahm Geldofs humanitäres Engagement breiten Raum ein. Als Initiator des Projekts Band Aid und als treibende Kraft hinter den weltweiten Benefizkonzerten Live Aid hatte er Mitte der 1980er-Jahre Millionen Menschen mobilisiert, um auf die Hungersnot in Afrika aufmerksam zu machen. Dieses Engagement verschaffte ihm nicht nur weltweite Anerkennung, sondern brachte ihn bereits damals in den Kreis der Kandidaten für den Friedensnobelpreis. In Mönchengladbach erinnerte Geldof daran, wie eng für ihn Musik und gesellschaftliche Verantwortung bis heute miteinander verbunden sind.

Nach dem Gespräch verwandelte sich die NEW Box in einen Konzertsaal. Gemeinsam mit seinen Bandkollegen betrat Geldof die Bühne und präsentierte mit den Boomtown Rats ein Programm, das die gesamte Bandgeschichte umspannte. Die Reunion der Originalbesetzung, die Bob Geldof erstmals am 28. Januar 2013 angekündigt hatte und die seitdem wieder regelmäßig gemeinsam auftritt, verlieh dem Abend eine besondere Bedeutung. Zum ersten Mal seit 1986 hatte die Band damals wieder in ihrer ursprünglichen Formation zusammengespielt – ein Umstand, der auch beim Auftritt in Mönchengladbach spürbar war.

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit

Das Konzert war Teil des Abschlusses eines intensiven Jubiläumsjahres. Zuvor hatten die Boomtown Rats ihr 50-jähriges Bestehen mit einer ausgedehnten Tournee durch Großbritannien und Irland gefeiert, darunter ein ausverkauftes Konzert im legendären Hammersmith Apollo in London. Der Auftritt in Deutschland bildete nun den Schlusspunkt des Konzertjahres 2025. Eingeladen hatte der Initiativkreis Mönchengladbach, der sich aus Persönlichkeiten der lokalen Wirtschaft zusammensetzt und mit der Veranstaltung ein kulturelles Zeichen setzen wollte.

Musikalisch zeigte sich die Band in bestechender Form. Titel wie „Rat Trap“, „I Don’t Like Mondays“ und „Like Clockwork“ standen ebenso auf der Setlist wie weitere Stücke aus fünf Jahrzehnten Bandgeschichte. Dabei wurde deutlich, dass es sich nicht um eine reine Rückschau handelte, sondern um ein lebendiges Konzert, getragen von Energie und Präsenz. Bob Geldof nutzte den Raum auf der Bühne ebenso für kraftvolle Passagen wie für ruhige Momente, in denen die Texte und ihre Botschaften im Vordergrund standen. Trotz seines Alters überzeugte der Sänger mit einer intensiven Performance, die das Publikum bis zum letzten Titel fesselte.

Auch abseits der Bühne spielte die lange Geschichte der Boomtown Rats eine Rolle. Schlagzeuger Simon Crowe erinnerte am Rande der Veranstaltung an frühere Begegnungen in Deutschland und seine Zusammenarbeit mit Marius Müller-Westernhagen. Anfang der 1980er-Jahre hatte Crowe am Album „Stinker“ mitgewirkt und den deutschen Musiker auch auf Tour begleitet – ein weiteres Beispiel für die internationalen Verbindungen, die sich im Laufe der Bandkarriere ergeben hatten. Der Abend in der NEW Box verband damit mehrere Ebenen: die persönliche Lebensgeschichte eines Musikers, der sich stets politisch und gesellschaftlich positionierte, die Historie einer Band, die seit 50 Jahren existiert, und ein Konzert, das den Abschluss eines erfolgreichen Jubiläumsjahres markierte. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Sabine Jandeleit