Um das Haushaltsloch zu füllen – Verwaltung will historische Fenstersteuer wieder einführen

Der Stadtrat hat nach hitziger Diskussion der Einführung einer Fenstersteuer zugestimmt. Damit werden die Kosten für Mieter, Hauseigentümer und Bauherren ab Sommer 2021 in die Höhe schießen. Neu ist die Idee nicht, denn im von Frankreich besetzten linksniederrheinischen Gebiet wurde bereits ab 1798 eine Tür- und Fenstersteuer eingeführt.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – Wohnen wird ab 1. Juli um einiges teurer werden, denn um das durch Corona gewachsene Haushaltsloch wieder schließen zu können, greifen die Behörden nach einer ungewöhnlichen Einnahmequelle: Mit einer Fenster- und Türensteuer nach französischem Vorbild soll neues Geld in die Stadtkasse fließen.

Tatsächlich hat eine solche Steuer das ländliche Frankreich beeinflusst. Wer die lavendelgesäumten Häuser besucht, dem fällt schnell auf, dass kaum Fenster und Türen verbaut wurden. Keine architektonische, skurrile Idee, sondern das Ergebnis des Steuerrechts. Bis in das 19. Jahrhundert und gut 100 Jahre lang fiel eine Fenster- und Türensteuer an, die sich nach Größe und Umfang richtete. Angelehnt an dieses Vorbild soll nun auch die städtische Abgabe geschaffen werden. Aktuell arbeitet ein eingekaufter Berater an den möglichen Parametern, der seine Empfehlungen noch vor Beginn der Sommerferien der Verwaltung vorlegen soll um eine möglichst zeitnahe Umsetzung gewährleisten zu können.

Bei den Viersener Bauherren wird die Reaktion sicherlich ebenso ausfallen wie im benachbarten Frankreich oder in den linksrheinischen Gebieten ab 1797, denn auch hier hatten die Franzosen während der Besetzungszeit diese Steuer eingesetzt. Blindfenster und zugemauert Fenster sollen damals wie heute von der Steuer bereit sein.

Ab 1811 gab es ebenfalls eine solche Abgabe im Königreich Westphalen, noch heute erinnert in der Hauptstadt Kassel die Fünffensterstraße in der Nähe des Rathauses an die vergangene Zeit der kleinen Fenster. Viersen wäre also nicht alleine mit einer solchen Abgabe, die auch den Engländern von 1696 bis 1851 als Ersatz für Herdsteuer, den Spaniern bis 1910 oder den Niederländern von 1821 bis 1896 bekannt war. Doch auch in der heutigen gibt es ähnliche Steuern, so wurde 2016 in Portugal ein Gesetz erlassen, mit welchem Fenster mit „guter“ Aussicht mit einer höheren Immobiliensteuer belastet werden. So ähnlich wie in Portugal soll nun auch in Viersen alter Wein in neuen Schläuchen für Geld in den Kassen sorgen. Wie hoch die Abgabe ausfallen wird, steht aktuell noch nicht fest. (S. A. Tire/dt)

Der Stadtrat hat nach hitziger Diskussion der Einführung einer Fenstersteuer zugestimmt. Damit werden die Kosten für Hauseigentümer und Bauherren ab Sommer 2021 in die Höhe steigen. Foto: cocoparisienne/Pixabay

Liebe Leserin, lieber Leser, hoffentlich haben wir die Stadt Viersen zum 1. April nun nicht auf eine Idee gebracht, denn zumindest aktuell liegt keine Information vor, dass eine solche Abgabe geplant ist. Die Fenster- und Türensteuer gab es allerdings tatsächlich und wenn Sie den Vierscher Teil aus unserem Bericht herausstreichen, dann haben sie ein wenig über die Geschichte einer ungewöhnlichen bürokratischen Geldquelle gelernt.

 

 

3 Kommentare

  1. Warum nicht? Vielleicht müssen wir dann nicht mehr putzen und die Kommunen über nehmen das. Schließlich müssen die Fenster dann erhalten werden.
    Ohne Fenster keine Steuer!
    🤣

Kommentare sind geschlossen.