„Viersen blüht“: Blumenpracht trifft französische Freundschaft

Wer derzeit an der Kreuzkirche entlang der Hauptstraße spaziert, kann kaum an ihm vorbeigehen: Der mit Blumen geschmückte Eiffelturm zieht als blühendes Wahrzeichen der französischen Kultur die Blicke auf sich.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Im Rahmen der städtischen Aktion „Viersen blüht“, die alle zwei Jahre das Stadtbild in ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk verwandelt, erinnert die Skulptur an die über 50-jährige Städtepartnerschaft zwischen Viersen und Lambersart in Nordfrankreich.

Der Eiffelturm – in Paris liebevoll „la Dame de fer“ (die eiserne Dame) genannt – ist das wohl bekannteste Symbol Frankreichs und weltweit eines der beliebtesten Fotomotive. Er wurde zwischen 1887 und 1889 vom Ingenieur Gustave Eiffel für die Weltausstellung errichtet, die gleichzeitig das 100-jährige Jubiläum der Französischen Revolution feierte. Trotz anfänglicher Skepsis in der Bevölkerung wurde der 324 Meter hohe Turm zur Ikone moderner Baukunst. Bemerkenswert: Der 10.000 Tonnen schwere Koloss wurde in nur 26 Monaten fertiggestellt – ohne einen einzigen tödlichen Unfall während des Baus. Bis 1930 war er das höchste Bauwerk der Welt.

Die florale Nachbildung in Viersen ist eine kreative Hommage an dieses technische und kulturelle Meisterwerk – und ein Symbol für die langjährige Freundschaft mit Lambersart. Lambersart liegt nur etwa 270 Kilometer von Viersen entfernt in der Region Nord-Pas-de-Calais, unmittelbar an der belgischen Grenze. Die Stadt ist Teil der Metropolregion Lille, die mit rund 3,5 Millionen Einwohnern zu den größten Ballungsräumen Frankreichs zählt – vergleichbar mit dem deutschen Ruhrgebiet.

Rund 28.000 Menschen leben in Lambersart, das sich durch seine hohe Lebensqualität, zahlreiche Parks und eine konsequente ökologische Stadtentwicklung auszeichnet. Seit den 1990er-Jahren werden etwa die Ufer der Deûle – eines kanalisierten Flusses, der direkt durch Lambersart fließt – schrittweise renaturiert. Neue Lagunen und begradigte Steilufer schaffen wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Viele Bewohner Lambersarts pendeln zur Arbeit in die benachbarte Großstadt Lille oder sogar nach Paris. Dank des gut ausgebauten Schnellzugnetzes ist die französische Hauptstadt in nur einer Stunde erreichbar, London mit dem Eurostar in knapp 80 Minuten.

Ein Stück Paris mitten in Viersen: Die bepflanzte Eiffelturm-Skulptur erinnert an die langjährige Partnerschaft mit Lambersart – und bringt französischen Charme in die Hauptstraße. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Neben dem Eiffelturm gibt es noch zwei weitere Blumenskulpturen, die der Städtepartnerschaft mit Lambersart gewidmet sind. Eine davon ist der „Gallische Hahn“, der mitten in der Viersener Fußgängerzone seine Besucher begrüßt. Als nationales Symbol Frankreichs hat er eine tief verwurzelte Bedeutung: Der Hahn steht für Wachsamkeit, Kampfgeist und Stolz. Bereits in der Antike verband das lateinische Wort gallus die Begriffe „Hahn“ und „Kelte“. Als Sinnbild der wehrhaften Kelten zierte er über Jahrhunderte hinweg die französische Geschichte – mehrfach sogar die Nationalflagge, bis er schließlich vom goldenen Adler verdrängt wurde. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming