Mit einer feierlichen Zeremonie ist gestern Mittag in der Festhalle Viersen die 38. Dreiband-Team-Weltmeisterschaft eröffnet worden. Seit 1990 ohne Unterbrechung am selben Ort ausgetragen, gilt das Turnier als Fixpunkt im internationalen Kalender des Karambolage-Billards. Auch in diesem Jahr versammelte sich die Weltelite unter dem Dach der traditionsreichen Halle, um den Titel im Mannschaftswettbewerb auszuspielen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz
Viersen – Den offiziellen Startschuss gab der Präsident des Weltverbandes Union Mondiale de Billard, Farouk Barki. Der aus Ägypten stammende Funktionär, der das Turnier in Viersen regelmäßig besucht, würdigte in seiner Ansprache die jahrzehntelange Kontinuität des Standorts und die Professionalität der Organisation.

Der Auftakt war von jener Mischung aus internationalem Flair und lokaler Verankerung geprägt, die diese Veranstaltung seit Jahrzehnten kennzeichnet. Nach dem Einmarsch der Referees und der 16 Nationalmannschaften, die unter ihren Landesflaggen in die Festhalle einzogen, richtete Bürgermeister Christoph Hopp das Wort an die Gäste. In deutscher, englischer und französischer Sprache begrüßte er Athleten, Offizielle und Zuschauer.
Hopp betonte die gewachsene Verbindung zwischen Stadt und Weltmeisterschaft und sprach von einem sportlichen Aushängeschild, das weit über die Region hinausstrahle. Viersen habe sich über Jahrzehnte als verlässlicher Gastgeber erwiesen und sei stolz darauf, die internationale Billardfamilie Jahr für Jahr willkommen zu heißen.

Auch der Präsident der Deutsche Billard-Union, Enrico Wahle, unterstrich in seiner Rede die Bedeutung des Turniers für den deutschen Billardsport. Die Team-WM sei nicht nur sportlicher Höhepunkt, sondern auch ein Schaufenster für Nachwuchsarbeit, Vereinsstruktur und ehrenamtliches Engagement. Wahle dankte den internationalen Gästen für ihr Vertrauen in den Standort und hob die besondere Atmosphäre hervor, die sich in Viersen über Jahrzehnte entwickelt habe.

In ihren Ansprachen verbanden die Redner ihren Dank mit einer ausdrücklichen Würdigung der Organisatoren und Unterstützer. Genannt wurden insbesondere Helmut Biermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Billard-Union und seit Jahren maßgeblicher Motor der Veranstaltung, sowie Peter Bröckskes vom Hauptsponsor SAB Bröckskes. Ebenso fanden das Sportland Nordrhein-Westfalen, das Bundeskanzleramt, weitere Partner aus Wirtschaft und öffentlicher Hand sowie die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer im Hintergrund Erwähnung. Ohne deren kontinuierliches Engagement, so der Tenor, wäre die dauerhafte Bindung der Weltmeisterschaft an Viersen kaum denkbar.
Den musikalischen Rahmen der Eröffnungsfeier gestaltete das Orchester des Clara-Schumann-Gymnasiums. Unter der Leitung von Pierre Leibfried präsentierten die jungen Musiker ein Programm, das klassische Elemente mit modernen Akzenten verband und der Zeremonie einen würdigen, zugleich zeitgemäßen Charakter verlieh.

Sportlich verspricht das Turnier erneut Wettkämpfe auf höchstem Niveau. Titelverteidiger ist die Mannschaft aus den Niederlanden, die im vergangenen Jahr den Weltmeistertitel errang und nun mit entsprechendem Selbstbewusstsein angereist ist. Als amtierender Vize-Weltmeister geht Vietnam an den Start. Beide Nationen zählen seit Jahren zur erweiterten Weltspitze im Dreiband und werden auch in Viersen zu den Favoriten gerechnet.
Für Deutschland treten Martin Horn und Amir Ibraimov an. Das Duo wird von Bundestrainer Christian Rudolph betreut. Vor heimischem Publikum ruhen auf der Auswahl besondere Erwartungen. Horn, seit Jahren einer der profiliertesten deutschen Dreibandspieler, bringt internationale Erfahrung mit, während Ibraimov als ambitionierter Leistungsträger gilt, der sich auf großer Bühne beweisen will. Die deutsche Mannschaft hofft, an frühere Achtungserfolge anknüpfen und im Kampf um die Medaillen ein Wort mitreden zu können.
Die 38. Auflage der Team-Weltmeisterschaft setzt damit eine bemerkenswerte Serie fort: Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Viersen ununterbrochen Austragungsort dieses Wettbewerbs. Was andernorts zwischen Metropolen wechselt, hat am Niederrhein eine feste Heimat gefunden. Die Festhalle, die während der Turniertage zur Arena des Weltklasse-Dreibands wird, bildet dabei das Zentrum eines sportlichen Ereignisses, das Spieler, Funktionäre und Zuschauer aus zahlreichen Nationen zusammenführt.
Mit dem feierlichen Auftakt ist der organisatorische Teil abgeschlossen, nun richtet sich der Blick auf die Tische. In den kommenden Tagen entscheidet sich, welches Team sich in die lange Siegerliste einträgt und ob der Titelverteidiger aus den Niederlanden seine Vormachtstellung behaupten kann oder ein Herausforderer die Tradition fortschreibt. (nb)





