Ein Sonntag voller Klang, Farbe und Gänsehautmomenten: Als die Sonne über den Geropark in Mönchengladbach stieg und die Silhouette der Münster Basilika goldene Konturen bekam, sammelten sich Schützen, Musiker und Gäste aus dem ganzen Land zu einem Finale, das so feierlich wie geschichtsträchtig war.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Mönchengladbach/Viersen – Dort, am Fuß des Gotteshauses, erklangen die ersten Töne der Messe, die Bundespräses Monsignore Robert Kleine mit ruhiger Stimme leitete – begleitet von Hunderten Stimmen, die das Gotteshaus im Freien in eine Kathedrale unter freiem Himmel verwandelten.

Die Proklamation des neuen Bundeskönigs und der Diözesankönige war ein Höhepunkt, doch der eigentliche Pulsschlag des Tages kam, als sich die Massen in Bewegung setzten. Rund 15.000 Schützenbrüder und -schwestern, flankiert von 40 Musikkapellen, füllten die Straßen. Fahnen flatterten, Trommeln rollten, Pfeifen schrillten. In prächtiger Formation zog der Festzug durch die Gladbacher Innenstadt – vorbei an jubelnden Zuschauern, die dicht gedrängt am Straßenrand standen, bis hin zum Alten Markt. Dort präsentierten die Bruderschaften den Majestäten und Ehrengästen ihre Disziplin, Tradition und lebendige Freude.
Als die letzten Schritte verklungen waren, ging ein Rauschen durch die Menge: Mit klaren Worten und feierlichem Tonfall wurde verkündet, was längst als bedeutender Moment in die Vereinsgeschichte eingehen sollte. Das Viersener Tambour Corps 1925 e.V., seit einem Jahrhundert fester Klangkörper der Region, erhielt die Ernennungsurkunde zum Bundes-Tambourcorps Viersen 1925 e.V.. Das Präsidium des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften verlieh damit nicht nur einen Titel, sondern ein Ehrenzeichen, das weit über die Musik hinausweist. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Ideale „Für Glaube, Sitte und Heimat“ auch künftig getragen werden, übernahm das Corps an diesem Tag eine Verantwortung, die bis weit in die Zukunft reicht. Im offiziellen Dokument, datiert auf den 28. Juni 2025, besiegelt das Präsidium diesen Schritt. Und während die Musiker in ihren Uniformen den Applaus der Menge entgegennahmen, schien die feierliche Ernennung wie ein Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Drei Tage lang hatte Mönchengladbach die Rolle des Gastgebers übernommen – mit Hingabe, Organisationstalent und spürbarer Herzlichkeit. Der Bruderrat des Bezirksverbands Mönchengladbach/Rheydt und Korschenbroich, unterstützt von Verwaltung, Gastronomie und Ordnungskräften, stemmte die logistische Mammutaufgabe. Und so wurde das Bundesfest nicht nur zu einem Fest der Tradition, sondern auch zu einem lebendigen Zeugnis für Gemeinschaftssinn und Gastfreundschaft.
Doch kaum war der letzte Ton verklungen, richteten sich die Blicke bereits nach vorne: 2026 wird Damme im Oldenburger Münsterland Gastgeber sein, wenn die St. Viktor Schützenbruderschaft Rottinghausen ihr 75-jähriges Jubiläum feiert und das nächste Bundesfest ausrichtet.
Für Viersen jedoch beginnt schon bald ein neues Kapitel, das gleichermaßen auf Geschichte und Zukunft setzt. Vom 3. bis 5. Oktober 2025 verwandelt das Viersener Tambourcorps die Stadt in eine Bühne seiner Geschichte. Im großen Festzelt an der Gladbacher Straße 189, mitten im Gewerbepark Feldmühle, wird das 100-jährige Bestehen des traditionsreichen Klangkörpers gefeiert – mit Musik, Emotionen und einem Hauch von Nostalgie.
Der Auftakt gehört am Freitagabend den Farben Blau und Weiß. Ab 19 Uhr steigt die große Jubiläumsparty unter dem Titel „Blau-Weiße Nacht“. Hier sorgt die Coverband Farb Ton für Stimmung, die von mitreißenden Klassikern bis zu modernen Hits reicht. Der Eintrittspreis liegt bei fünf Euro, Karten gibt es im Vorverkauf bei den Auftritten des Tambourcorps. Schon jetzt fiebern viele Vereinsfreunde diesem Abend entgegen, denn er verspricht ausgelassene Feierlaune im festlich geschmückten Zelt, das Platz für hunderte Gäste bietet.

Doch der eigentliche Festhöhepunkt wartet am Sonntag. Punkt 10 Uhr formiert sich der große Jubiläumszug vor der Josefskirche in der Josefstraße. In feierlicher Ordnung, begleitet von Trommelwirbeln und klingenden Spielmannsmelodien, setzt sich der Zug in Bewegung. Die Route führt zunächst über den Gereonsplatz, weiter durch die Große Bruchstraße und die Königsallee. Anwohner und Gäste können den festlich uniformierten Musikern dabei hautnah begegnen. Über Burgstraße und Lindenstraße geht es weiter bis in den Rathauspark, wo sich gegen 10.45 Uhr der Platz vor dem Stadthaus füllt. Dort erklingt ein musikalisches Ritual, das Gänsehaut garantiert: der Große Zapfenstreich. Dargeboten wird er gemeinsam vom Tambourkorps Germania Willich und dem Bundesschützen-Musikkorps Kleinenbroich.
Nach diesem feierlichen Zeremoniell setzt sich der Zug gegen 11.30 Uhr erneut in Bewegung. Wieder durch den Rathauspark führt der Weg über die Lindenstraße, Petersstraße, Remigiusstraße, Wilhelmstraße und Hauptstraße, ehe die Marschierenden schließlich die Gladbacher Straße erreichen. Ziel ist das große Festzelt an der Feldmühle, wo gegen 12.30 Uhr der musikalische Frühschoppen beginnt. Für den passenden Soundtrack des Ausklangs sorgt DJ Chris, der mit einem Repertoire aus Stimmungsmusik und modernen Beats die Brücke zwischen Tradition und Gegenwart schlägt. Die Festlichkeiten stehen unter der Schirmherrschaft von Hans-Willy Bouren. (sk)





