Vom Eck her – Siegfried sieht alles, leider auch das

Dülken, Theodor-Frings-Allee. Ein Ort, an dem Geschichte eigentlich atmen soll – wo Mahnung und Erinnerung Stein geworden sind. Und was macht Viersche draus? Ein Hundeklo mit Anschluss an ein öffentliches Urinal. Direkt neben Wildblumen und der alten Stadtmauer.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck

Viersen-Dülken – Ich sach’s mal ganz vorsichtig: Der Grünstreifen am Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs verkommt langsam zu einem Ort, an dem nur noch Fliegen gerne verweilen. Die Insektenfreundlichkeit ist wohl aus der Not geboren – der Boden scheint biologisch aktiver als das gesamte Vierscher Gewerbegebiet. Mal ehrlich, der Wildblumenstreifen ist eine gute Idee, die Umsetzung nicht!

Und mittendrin steht er. Siegfried. 3,80 Meter hoch. Tuffstein. Kraft und Stärke in Skulpturform. Die geballte Faust. Das Schwert in der Hand. Und ein Blick, als wolle er sagen:
„Ehrlich jetzt?! Hier pinkelt ihr? Vor mir?!“

Dülken 2025: Zwischen Ehrenmal und Erbrochenem
Der Bildhauer Willy Meller hat den jungen Krieger 1934 sicher nicht dafür geschaffen, dass er 90 Jahre später dabei zuschaut, wie Fiffi an seinen Sockel strullert, während ein Passant mit Bierflasche in der Hand diskret die Büsche benutzt. Wenn Siegfried laufen könnte, wie man so schön sagt – er hätte Dölke längst verlassen.

Ich hab’s selbst gesehen: Ein Typ, Jogginghose, Bluetooth-Box, stellt sich seelenruhig neben die Wildblumen und erledigt, was eigentlich besser ins Porzellan gehört. Tagsüber. In aller Öffentlichkeit.

Jupps Vorschlag zur Reinheit
Ich mach ja ungern Vorschläge – aber hier wär einer: Lasst uns Siegfried endlich ernst nehmen. Statt nur zu erinnern, könnte er aktiv mahnen. Ich fänd’s fair, wenn das Schwert bei jeder Wildpinkelei leise vibriert – nur als Warnung.
Oder gleich einen Lautsprecher im Sockel:
„Du entweihst gerade ein Ehrenmal, du Kulturbanause.“
Wär vielleicht drastisch, aber hey – wer vor Denkmälern pullert, braucht keine Schonung. Sondern Konsequenzen. Oder eine Therapie.

Vielleich auch ein dezenter Wasserstrahl aus dem Boden. Quasi Rache der Wildblume.
Könnte auch den Hunden gefallen. Oder nicht.

Und vielleicht schafft es ja jemand von der Stadt, mal mit Besen und Haltung vorbeizuschauen – bevor das Mahnmal vollends zur Parodie wird.

Bis dahin steht Siegfried weiter da. Schweigend. Schwert in der Hand. Und wahrscheinlich schwer enttäuscht.

Euer
Jupp van’t Eck

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath