Es war nicht der goldene Glanz der Felder, der am Sonntag die Menschen zusammenführte, sondern ein anderes Leuchten: das der Gemeinschaft. Unter dem weiten Himmel über Süchteln strömten Familien, Kinder und Großeltern auf den Windberger Pferdehof, um das Erntedankfest zu begehen.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz
Viersen-Süchteln – Bereits zum fünften Mal hatte Wilhelm Heitzer gemeinsam mit seiner Familie die Tore geöffnet für das Erntedankfest der beiden Kirchengemeinden von Süchteln, der Rheinischen Landjugend, den Landfrauen und den Ortsbauern. Viele engagierte Hände, die im Vorfeld die Halle kunstvoll mit den Gaben des Herbstes geschmückt hatten.
Herbst ist’s geworden, die Felder sind leer, die Blumen des Sommers, sie blühen nicht mehr.
Die Wiesen sind kahl, das Laub treibt der Wind, fröstelnd an Hecken steh’n Kälber und Rind.
Fast schon vergessen sind Mühen und Lasten, im Kreislauf des Jahres das Hetzen und Hasten.
Die Arbeit des Frühjahrs, das Pflügen und Säen, der Kampf mit dem Wetter, das Ernten und Mähen.

Jetzt ist die Zeit da, die Hände zu heben, dem Herrgott zu danken, für reichlichen Segen.
Danken für Ernte wie die Väter es taten, wenn sie gesät und geerntet hatten!
Wenn Obst in den Kellern, das Korn in den Scheuern, Kartoffelkraut brannte in knisternden Feuern, dann brachten sie Gaben hin zum Altar und lobten Gott für’s erfolgreiche Jahr.
Sie schmückten den Marktplatz, den Hof und das Haus und luden zum Festzug, zu Tanz und zu Schmaus.
Sie dankten den Helfern bei Most und bei Wein, um nach härtester Arbeit recht fröhlich zu sein.
Danken für Ernte soll’s das heut noch geben, wo wir doch alle im Überfluss leben?
Danken für die Ernte hat das denn noch Sinn, wo wir mit der Menge nicht wissen, wohin? … (M. Spicker)
Der festliche Auftakt gehörte dem ökumenischen Gottesdienst. Zwischen Strohballen, liebevoll geschmückten Körben mit Obst, Gemüse und bunten Herbstblumen fanden Gläubige beider Kirchengemeinden zusammen. Pfarrer Axel Stein und Diakon Klemens Kölling führten mit warmen Worten durch die Feier und erinnerten daran, dass Dankbarkeit nicht nur den Erntegaben gilt, sondern auch dem täglichen Miteinander. Während der Gospelchor die Stimmen erhob, begleitet von Ottmar Nagels einfühlsamem Spiel, blickten viele Besucher bewegt zu den Kindern, die mit selbstgebastelten Beiträgen und kleinen Aufführungen das Thema Erntedank lebendig machten. Auch ein Moment des Gebens durfte nicht fehlen: Die Kollekte kam „Action Medeor“ zugute, einer Hilfsorganisation, die seit Jahrzehnten medizinische Hilfe in alle Welt bringt.

Nach dem Gottesdienst verwandelte sich der Hof in einen Ort voller Leben. Überall standen Tische und Bänke, geschmückt mit Blumen und Früchten der Saison. Der Duft von frisch gebackenem Kuchen wehte über den Hof. Landfrauen, Landjugend und Ortsbauern packten tatkräftig mit an, lachten und sorgten dafür, dass niemand hungrig blieb. Kinder tobten ausgelassen auf der Hüpfburg, während andere zum gemeinsamen Spiel zusammenkamen. Es waren diese vielen kleinen Bilder – das Knacken der Äpfel, das Lachen der Jugendlichen, die warmen Gespräche der Älteren –, die den Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. (sk)




