Es sind nicht die großen Bühnen, auf denen sich mitunter die eindrücklichsten Abende entfalten. Manchmal genügt ein Ort, den man aus dem Alltag kennt – ein Supermarkt etwa, dessen vertraute Ordnung für ein paar Stunden aus den Fugen gerät.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Leo Dillikrath
Viersen-Dülken – Wo sonst Einkaufswagen im Dülkener Edeka-Markt rollen und Angebote locken, bestimmten am vergangenen Samstag Musik, Bewegung und ein bemerkenswertes Maß an Gemeinsinn das Bild: „Dancing Dülken“ verwandelte den Raum vor der Fleischtheke in eine Bühne, die ihrem Namen alle Ehre machte.

Rund 100 Gäste waren der Einladung gefolgt und erlebten eine Veranstaltung, die längst zur festen Größe im lokalen Kalender geworden ist. Bereits zum 16. Mal spielte die Band Blue Moon Viersen zugunsten eines guten Zwecks; und bewies dabei einmal mehr, dass musikalische Leidenschaft und soziales Engagement einander nicht ausschließen, sondern beflügeln können. Der Erlös des Abends: 680 Euro, die in Kürze an den Verein Beatles Gallery The Green Walrus e.V. übergeben werden sollen.
Dass der Eintritt frei blieb, war kein Zufall, sondern Ausdruck eines bewusst gemeinschaftlich getragenen Konzepts. Unterstützt durch die Kanzlei Steffen Hahn sowie den Dülkener Verkehrs- und Verschönerungsverein wurde der Abend auf eine Weise ermöglicht, die den Gedanken des Teilens und Mitwirkens in den Mittelpunkt stellte. Es war ein Zusammenspiel vieler Kräfte – sichtbar und unsichtbar –, das diesen Abend trug.
Den Auftakt bildeten Grußworte, die den Rahmen setzten und zugleich die Bedeutung des Engagements unterstrichen. Bürgermeister Christoph Hopp als Schirmherr fand ebenso Worte wie Ramona Vahle-Bonsels in ihrer Funktion als Sponsorin und Vorsitzende des VVV, Jürgen Meis von der Beatles Gallery sowie Initiator Volkmar Hess. Doch so sehr diese Stimmen den Abend eröffneten, so klar war auch, wem an diesem Tag besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden sollte.

Im Zentrum stand Katja Zielke, Vorsitzende der Stiftung Fundacion für Kinder. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde sie mit der SchellackGoldEdition als „Ehrenamtlerin des Monats März 2026“ ausgezeichnet. Die symbolische Geste ging dabei über eine bloße Ehrung hinaus: Die ausgewählte Platte trug den Titel „Lieber Gott – lass’ die Sonne wieder scheinen“, gesungen von Kinderstar Leila Negra. Ein Lied, das in diesem Kontext fast wie ein Kommentar wirkte; als würde es die Wirkung von Zielkes Arbeit in eine einfache, eindringliche Botschaft übersetzen. Wer an diesem Abend zuhörte, konnte den Eindruck gewinnen, dass diese Sonne durch ihr Engagement tatsächlich ein Stück häufiger scheint.
Doch lange blieb es nicht bei Worten. Kaum waren die offiziellen Teile verklungen, übernahm die Musik die Regie. Blue Moon Viersen legten los und mit den ersten Rock’n’Roll-Klängen veränderte sich die Atmosphäre schlagartig. Was eben noch ein Ort des Gesprächs gewesen war, wurde zur Tanzfläche. Mitglieder verschiedener Boogie-Vereine ließen nicht lange auf sich warten und eroberten den Raum mit einer Selbstverständlichkeit, die von Erfahrung und Begeisterung gleichermaßen zeugte.
Es war ein Bild, das man so schnell nicht vergisst: Petticoats wirbelten zwischen Regalen, dazu Outfits, die an die Ära der Beatles erinnerten. Tanzpaare bewegten sich zwischen Konservendosen und Kühltheken, als sei genau dies der natürliche Ort für ihre Schritte. Die Grenzen zwischen Alltag und Ausnahmezustand verschwammen und gerade darin lag der Reiz des Abends. Dabei blieb es nicht allein bei der Live-Musik. Volkmar Hess, der Initiator der Veranstaltung, griff selbst zu einem besonderen Mittel der Unterhaltung: Mit Nostalgieplattenspielern ließ er historische Schallplatten erklingen und schuf so eine Verbindung zwischen den Zeiten. Die Gäste tanzten nicht nur zu aktuellen Darbietungen, sondern auch zu Klängen vergangener Jahrzehnte.
Auch jenseits der Tanzfläche zeigte sich, wie sehr der Abend von gemeinschaftlichem Engagement geprägt war. Das Team des Edeka-Marktes sorgte für Speisen und Getränke und trug damit dazu bei, dass sich die Gäste rundum versorgt fühlten. Es war ein Detail, das in der Summe den Charakter der Veranstaltung unterstrich: Hier griff ein Rädchen ins andere, ohne großes Aufheben, aber mit spürbarer Wirkung. Am Ende blieb mehr als nur die Erinnerung an einen gelungenen Abend. „Dancing Dülken“ zeigte, wie aus einer Idee, getragen von Engagement und Unterstützung, ein Ereignis entstehen kann, das Menschen zusammenführt und zugleich konkrete Hilfe ermöglicht. Die Spenden stehen für etwas, das sich nicht in Zahlen messen lässt: für Zusammenhalt, Kreativität und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die den Erfolg solcher Abende ausmacht. Die Gewissheit, dass selbst ein Ort des täglichen Bedarfs zum Schauplatz besonderer Momente werden kann; wenn Menschen ihn mit Leben füllen. Und so dürfte mancher der Gäste den Heimweg mit dem Gefühl angetreten haben, Teil von etwas gewesen zu sein, das über den Abend hinauswirkt. (sk)





