Dülken tobte — 140 Wagen, 2.400 Jecken und ein Meer aus Kamelle …
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler, Martin Häming und Leo Dillikrath
Dölke – Gestern Mittag verwandelte sich die Stadt mit dem Stripke wieder in ein wildes Farbenmeer: Der Rosenmontagszug zog unter dem Motto „Dölke jeht steil, im eigenen Style“ durch die historischen Gassen und ließ die Stadt erbeben. Ganz vorne erstrahlte in diesem Jahr übrigens ein wunderbares Kunstwerk der Kinder des St. Cornelius Kindergartens, die mit viel Freude am Malen das Zugschild kreiert hatten. Schade nur, dass der Dölker Lindwurm es nicht ganz so gut mit dem Wetter hatte. Regen und sogar Hagel störten das jecke Treiben in der historischen Innenstadt.

Schon an der Lange Straße, wo der Zug seinen Lauf nahm, war die Luft elektrisch — Trommeln hämmerten, Trompeten schmetterten, und von den ersten Wagen regnete es Kamelle auf die dicht gedrängten Zuschauer. 140 prächtig geschmückte Einheiten und rund 2.400 aktive TeilnehmerInnen und Teilnehmer bildeten eine Parade, die vor Lebensfreude nur so platzte.

Von fantasievollen Motivwagen bis zu nostalgischen Fußgruppen: jede Einheit brachte ihre eigene Welt mit. Überdimensionale Figuren wippten im Takt, Konfettikanonen spuckten glitzernde Wolken, während Tänzerinnen in glitzernden Kostümen Schunkelwirbel zeigten. Die Musik wechselte zwischen Karnevalshits, Marschformationen und frechen Blasmusik-Arrangements — oft begleitet von Mitklatschen, Pfiffen und dem ansteckenden Jubel der Menge. Kinder streckten jubelnd die Hände nach den fliegenden Süßigkeiten aus; es gab freundliche Rangeleien um die begehrten Tüten voller Bonbons.

Besonders dicht besetzt war die Theodor-Frings-Allee: Die alte Stadtmauer glich einer Loge, von der aus die Zuschauer wie in einem Amphitheater das närrische Treiben verfolgten. Am Alten Markt, dem glorreichen Finale des Zugs, stieg die Stimmung noch einmal an — der Zug sammelte sich zu einem letzten, opulenten Finale und ließ Konfetti, rote Rosen und krachende Musik in die Luft steigen.

Prinzessin Sandra I. und Prinz Ralf I. sowie das Dölker Kinderprinzenpaar, Kinderprinzessin Marie I. und Kinderprinz Nico I., verfolgten das Spektakel von ihren Wagen aus wurden mit stürmischem Beifall bedacht. Immer wieder winkten sie den Zuschauern zu, warfen Süßigkeiten und posierten für Schnappschüsse — sichtbar stolz, ihr Publikum zu sehen.

Die Stimmung war über weite Strecken überschwänglich. „So was erlebt man nicht alle Tage — Gänsehaut pur!“, rief eine Zuschauerin, die mit dem Enkel gekommen war. Ein älterer Herr in Schiffermütze schmetterte: „Das ist Heimat! Dölke hält zusammen!“ Ein Vater, der sich eine Tüte Kamelle mit den Kindern teilte, meinte lachend: „Die Kids werden noch lange davon erzählen — und wir haben die Fotos.“ Jugendliche sangen Refrains mit, tanzten spontan in den Straßen und skandierten das Motto: „Dölke jeht steil!“

Kaum wahrnehmbar war eine besondere Auszeichnung auf dem Bühnenwagen am Alten Markt, die in diesem Bericht ihr ganz eigenes Rampenlicht verdient. Denn für ihre jahrelange Verbundenheit und die Unterstützung des karnevalistischen Brauchtums zeichnete der Vaterstädtische Verein Dülken zwei Vierscher mit der Ehrensenatorenwürde aus. Vierscher in Dölke? Jawoll, sind sie doch in allen Stadtteilen bekannte Unterstützer der jecken Zeit: Bernhard Uebel und Sonja Scharpenberg … herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Ehre.

Dülkens historische Straßen lieferten hierfür die perfekte Kulisse: Kopfsteinpflaster, alte Häuserfassaden und die Stadtmauer kontrastierten mit den grellen Farben der Kostüme. Zwischen den Wagen schoben sich Fußgruppen, die kleine Szenen spielten — karnevalistische Mini-Theater, die scharfe Pointen setzten und die Zuschauer mit einbanden. Die Kameras von lokalen Reporterinnen und Reportern hielten jedes Lächeln, jeden Purzelbaum und jede Scherzszene fest; Social-Media-Streams liefen heiß.

Positive Bilanz: In Dülken hatte die Polizei die Einsatzkräfte verstärkt. Bis 20 Uhr sprachen die diese insgesamt zehn Platzverweise aus, im letzten Jahr waren es 20. Die Teams nahmen sechs Strafanzeigen auf (2025 waren es 15): zwei wegen Körperverletzungsdelikten, eine wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Waffengesetz und zwei wegen Sachbeschädigung und eine wegen Beleidigung. Während im letzten Jahr noch neun Personen in Gewahrsam genommen werden mussten, konnten die Einsatzkräfte in diesem Jahr erfreulicherweise komplett auf diese Maßnahme verzichten. Der Einsatzleiter, Polizeidirektor Stefan Neugebauer, zog eine positive Bilanz: „Je weniger die Polizei einschreiten muss, desto schöner ist der Karneval. Wir danken allen friedlichen Karnevalistinnen und Karnevalisten, die uns heute bei unserer Arbeit unterstützt haben.“

Die Organisatoren hatten entlang der Strecke zwei offizielle Kommentierungsstellen eingerichtet — eine am Startpunkt an der Lange Straße, die andere am Alten Markt — von denen aus sie das Programm anmoderierten, die Gruppen vorstellten und das Publikum mit Hintergrundinfos versorgten. Zwischen Frohsinn und Tradition zeigte sich auch die Präzision hinter dem Spektakel: Ordnerregeln, Sicherheitsabstände und klare Absperrungen vor Bühnenbereichen sorgten dafür, dass die Feiernden ausgelassen, aber sicher blieben. Ein großer Dank geht hierfür zum Vaterstädtischen Verein Dülken, der lange im Voraus dieses Spektakel wieder geplant hatte.

Die letzten Wagen rollten langsam vom Alten Markt davon, begleitet von Jubel und rhythmischem Klatschen. Die Zuschauer lösten sich in Gruppen auf, manche zogen noch in die örtlichen Kneipen oder ins Dülkener Bürgerhaus, andere sammelten sich zu Fotos mit Freunden und Fremden. Über den Dächern von Dülken blieb der Nachhall der Trommeln, das Nachzittern der Melodien und das Rascheln von Konfetti in den Bäumen. Darauf ein donnerndes dreemoal: Gloria tibi Dülken! (sk)





